Microsoft Surface Duo

Die perfekte Workstation?

Kommentar  09.09.2020
Von 
Rob Enderle ist Geschäftsführer der Enderle Group und arbeitet dort als Principal Analyst. Zuvor war er als Senior Research Fellow bei Forrester Research und der Giga Information Group tätig. Bei IBM hatte er zudem lange Jahre verschiedene Positionen inne - unter anderem im Auditing, in der Wettbewerbsanalyse, im Marketing, der Buchhaltung und im Security-Bereich.
Microsofts Surface Duo könnte für den US-Konzern Southland Industries den Beginn einer neuen Workstation-Ära markieren.
Das Microsoft Surface Duo könnte sich für den US-Konzern Southland Industries als die perfekte Workstation erweisen.
Das Microsoft Surface Duo könnte sich für den US-Konzern Southland Industries als die perfekte Workstation erweisen.
Foto: Microsoft

Die Benutzer von Workstations haben hohe Ansprüche an ihre Hardware, was sich im Vergleich zu herkömmlichen PCs vor allem im Preisgefüge niederschlägt. Ein Team oder eine ganze Abteilung, die sich normalerweise auf Workstations verlassen, mit einer Thin-Client-ähnlichen Lösung auszustatten, scheint also keine besonders gute Idee.

Allerdings handelt es sich bei dieser Lösung im Fall von Southland Industries, einem der größten US-Unternehmen für Versorgungstechnik, um das Surface Duo. Das wiederum ist eines der ersten Smartphones seit dem Ende der goldenen Blackberry-Ära, das einen ernsthaften Business-Fokus aufweist.

Thin Clients im Wandel der Zeit

Desktop-Virtualisierungslösungen wie Workspot oder Citrix entstanden aus dem Konzept, mit dem sich Sun und Oracle Windows erwehren wollten. Die Idee: Zurück zu Hardware im Terminal-Design - schließlich ist der Betrieb einiger großer Server deutlich kostengünstiger und stressfreier als die Verwaltung tausender Desktop-PCs.

Das ist auch ein Beweis dafür, wie wenig Sun oder Oracle den Desktop verstanden hatten. Dieser entstand nämlich nicht, weil die IT-Abteilung in der Mainframe-Ära reaktionsunfähig gewesen wäre, sondern weil Mainframe-basierte Desktop-Lösungen einerseits aus Benutzersicht höchst unflexibel, andererseits eher auf Batch-Verarbeitung ausgelegt waren. Das zwang die Belegschaft unter anderem dazu, ihre Workloads sequenziell abzuarbeiten. Zwar waren Unix-Server grundsätzlich Multitasking-fähig, aber nicht auf eine große Anzahl von Benutzern ausgelegt.

Dazu kamen langsame Netzwerkinfrastrukturen mit hohen Latenzen sowie der Umstand, dass viele Lösungen nicht auf Windows oder Mac OS - den damals vorherrschenden Betriebssystemen - liefen. Doch Thin Clients hatten auch einige Vorteile, zum Beispiel war ihr Lüfter kaum hörbar und man konnte sich dank der Retain-State-Funktion von überall an jedem Client einloggen und direkt da weiterarbeiten, wo man aufgehört hatte. Die Clients selbst waren eher Appliances, meist von unzerstörbarer Natur. All das konnte allerdings nicht über ihren wesentlichen Makel hinwegtäuschen: Thin Clients waren aus Benutzersicht ein absoluter Albtraum.

Deswegen kommen sie bis heute auch vorwiegend zur Dateneingabe oder in Callcentern zum Einsatz - in beiden Fällen spielen Performance und Latenz keine große Rolle. Das sieht bei Southland Industries völlig anders aus: Hohe Leistung und niedrige Latenzzeiten sind für die Belegschaft das A und O, zudem wird die teure Hardware in manchen Fällen einmal im Jahr erneuert, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Deshalb setzt Southland Industries auf die Cloud-basierte Desktop-Virtualisierungslösung Workspot.

Der Surface Duo Client

Darüber hinaus plant das Unternehmen, seine Ingenieure demnächst mit Surface-Duo-Geräten von Microsoft auszustatten. Bislang arbeitet ein Großteil der Cloud-Desktop-Nutzer beim US-Versorgungstechnikgiganten bereits mit Tablets und Smartphones von Samsung. Das ist nicht verwunderlich, heutige Smartphones und Tablets sind schließlich ein ganzes Stück leistungsfähiger als die Thin Clients der 1990er Jahre, wie schon ein kurzer Blick auf das Surface Duo zeigt:

Allerdings will Southland künftig Smartphones einsetzen, die sich speziell an Business-Nutzer richten und evaluiert deswegen einen Einsatz von Microsofts Surface Duo. Sollte das in der Praxis genauso gut funktionieren wie mit den Geräten von Samsung, sehen es die Verantwortlichen bei Southland als ideale Cloud Workstation. Das Doppel-Display mache das Device für mobile Einsätze nützlich, während es sich in Büroumgebungen mit Monitoren, Keyboard und Maus zum Desktop umfunktionieren ließe. Natürlich können die Southland-Ingenieure weiterhin jederzeit Rechen-Power aus der Azure Cloud anfragen, wenn Bedarf besteht - das Ergebnis ist eine Appliance-ähnliche Desktop-Lösung mit Workstation-mäßiger Performance.

Ein Microsoft Surface Duo mit einer Virtualisierungslösung wie Workspot und einem Azure-basierten Cloud Backend könnte der Anfang von etwas Großem sein. Schließlich kann das Surface Duo darüber hinaus auch als Telefon und für diverse Tasks wie Social Media oder Messaging verwendet werden.

Microsoft jedenfalls glaubt weiterhin an sein (nicht ganz neues) Konzept, PC und Smartphone zu vereinen und ein nahtloses Nutzungserlebnis zu kreieren. Sollte das mit dem Surface Duo gelingen, könnte der lang gehegte Traum, Mainframe-Sicherheit und-Verlässlichkeit mit der Flexibilität und den Personalisierungsmöglichkeiten eines PCs zu vereinen, endlich zur Realität werden. (fm)

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel unserer US-Schwesterpublikation Computerworld.