Kommentar

Die Möglichkeiten des Einzelhandels im Rahmen der Digitalisierung

26.10.2015
Von   
Mark Zimmermann leitet hauptberuflich das Center of Excellence (CoE mobile) zur mobilen Lösungsentwicklung bei der EnBW Energie Baden-Württemberg AG in Karlsruhe. Er weist mehrere Jahre Erfahrung in den Bereichen Mobile Sicherheit, Mobile Lösungserstellung, Digitalisierung und Wearables auf. Der Autor versteht es, seine Themen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln für unternehmensspezifische Herausforderungen darzustellen. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeiten ist er Autor zahlreicher Artikel in Fachmagazinen.
Im Gegensatz zu frisch gegründeten Start-Ups fällt es am Markt etablierten Unternehmen wie dem Einzelhandel deutlich schwerer, sich der neuen Welt zu öffnen. Hier einige Vorschläge.
Auch wenn traditionelle Einzelhändler durch Online-Konkurrenten wie Amazon unter Druck geraten,haben sie einige Vorteile.
Auch wenn traditionelle Einzelhändler durch Online-Konkurrenten wie Amazon unter Druck geraten,haben sie einige Vorteile.
Foto: Nejron photo - shutterstock.com

Bedingt durch die Digitalisierung sehen sich traditionelle Unternehmen immer stärker mit dem Zwang zur Veränderung konfrontiert. Grund sind sich stark wandelnde Märkte, ein schrumpfender Wettbewerbsvorsprung und der Eintritt neuer Player in die etablierten Märkte.

Gerade in weiten Teilen des Commodity Marktes (siehe Digitalisierung des Energiemarktes) ist dies von einer gewissen Herausforderung. Die Produkte sind hier vergleichbar, die Margen sinken. Differenzierung nach Kundensegmenten, Produkten, Service findet kaum statt.

Der Einzelhandel selbst hat durch Online-Angebote wie die z.B. die von Amazon einige besondere Herausforderungen. Günstige Preise (in der Wahrnehmung der Kunden) und ein erstklassiger Service (Rückabwicklung, Service und Support Fälle) lassen Amazons Verkäufe in die Höhe schießen.

Ein Besuch bei verschiedenen Elektrofachhändler hat mir nun persönlich den Eindruck vermittelt, dass die Schlacht noch nicht geschlagen ist. Welche Chancen und Möglichkeiten ich persönlich sehe, möchte ich hier zum besten geben. Nehmen Sie als Beispiel die große Elektrofachhändler in Deutschland und der Welt. Diese bieten ihre Produkte nun auch per Online-Shop aber auch per App den Interessenten an.

Eine Kundenbindung sieht man aktuell jedoch hauptsächlich in der "Beantragung" von Kundenkarten durch den Kunden selbst. Dabei haben diese Läden einen großen Vorteil, um den Amazon sie beneiden dürfte: Den Kunden selbst in den eigenen Wänden.

Wie können diese Elektromärkte damit nun ihre Nachteile (Information im Laden, Kauf bei Amazon und Co) angehen? Hier einige Gedanken:

Digitale Preisinformationen als Kundenzugang

Digitale Preisschilder im Saturn Markt in Ingolstadt.
Digitale Preisschilder im Saturn Markt in Ingolstadt.
Foto: Media-Saturn

Nehmen wir als erstes die Preisschilder an den Produkten. Aus Papier haben diese Preisschilder ausgedient. Große Supermärkte haben diese bereits seit einiger Zeit als Auslaufmodell angesehen und auch in besagten Elektromärkten nimmt der Einsatz digitaler Preisschilder zu.

Denken Sie an dieser Stelle aber noch einen Schritt weiter. Stellen Sie sich vor diese Schilder beinhalten neben der Preisinformation einen QR Code. Dieser QR-Code hilft es nun, Kontakt mit dem Kunden aufzunehmen. Dieser kann sich über das Produkt nicht nur informieren, sondern hat auch die Möglichkeit, eigene Wunschzettel oder Favoritenlisten zu erstellen.

Bei einer Preisänderung müssen die Verkäufer nicht mehr die Papierkärtchen neu anbringen, Kunden erhalten hier auch die Information "digital", dass das für sie interessante Produkt sich im Preissegment verändert hat. Dieser als "Preisalarm" zu bezeichnende Mehrwertdienst könnte meiner persönlichen Meinung nach zu einer stärkeren Kundenbindung und einen "Neubesuch" durch den Kunden ermöglichen.

Ich habe vorhin die Informationen zu dem Produkt erwähnt. Dabei meine ich nicht nur die Möglichkeit, Handbücher zu lesen. Viel mehr denke ich an nützliche Informationen aus dem Alltag des Kunden.

Stellen Sie sich vor, dass ein Kunde zwei Produkte vergleichen kann, indem er einen zweiten QR-Code von der gleichen Gerätegattung einscannt. Oder die Möglichkeit, sich Verbrauchsinformationen anzuzeigen. Ein QR-Scan von einer Kaffeemaschine und die anschließende Angabe des durchschnittlichen Kaffeekonsums könnte eine Verbrauchsübersicht in Strom, CO2 Bilanz und sogar Kaffee-/Wasserkosten transparent machen.

Lagerhaltung - Just-In-Time 2.0

Die Anforderungen der Kunden haben sich durch das Internet drastisch geändert. Per Mausklick ordern sie individuelle Sendungen, gleiches erwarten Sie von einem Besuch im Fachmarkt. Hier dürfte die dahinterliegende Logistik nicht darauf ausgelegt sein, anders könnte ich es mir nicht erklären, das ich letztens vor einem leeren Fach mit den von mir gesuchten Druckerpatronen stand.

Die Konzepte der Lagerlogistik befinden sich meiner Meinung nach ebenfalls im Umbruch. Statt einer ausführlichen Lagerhaltung und -verwaltung kann das Internet der Dinge dies automatisiert, just in Time, selbst steuern.

Wenn jeder Behälter, jedes Paket und jede Palette um eine digitale Komponente erweitert wird, sind die Möglichkeiten enorm. Dieses Element wäre in der Lage, Entscheidungen auf Basis des aktuellen Orts, dem Ziel-Fachmarkt und der Priorität (z.B. wird in Elektrofachmarkt Wiesbaden dringend gebraucht) zu treffen. Faktoren wie Füllmenge und Gewicht können ebenfalls genutzt werden. Auch ist eine Nutzung autonomer Fahrzeuge, gerade in den eigenen Lagerhalllen, damit einfacher denkbar. Die IoT-Techniken helfen, die steigende Komplexität und die Forderung nach mehr Flexibilität in Verbindung mit der stetigen Forderung nach Effizienzsteigerungen weiter zu begegnen.