SAP kooperiert mit Spitzenverband ZIA

Die Immobilienbranche digitalisiert sich

Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
Der digitale Wandel hat auch die Immobilienbranche fest im Griff. Sogenannte PropTech-Startups klinken sich mit digitalen Services in die Wertschöpfungsketten ein. Nun will der Spitzenverband der Branche ZIA gemeinsam mit SAP das Digitalisierungsheft in die Hand nehmen.

Das Internet of Things (IoT), Big Data, Blockchain-Technik und Echtzeit-Datenverarbeitung - das sind die Technologien, die SAP einsetzen möchte, um der deutschen Immobilienwirtschaft in Sachen Digitalisierung unter die Arme zu greifen. Der deutsche Softwarehersteller hofft damit offenbar, einen neuen lukrativen Markt zu erschließen. Helfen soll dabei auch eine Kooperation und Systempartnerschaft mit dem Zentralen Immobilien Ausschuß (ZIA), dem Spitzenverband der deutschen Immobilienwirtschaft.

Die Immobilienwirtschaft digitalisiert sich.
Die Immobilienwirtschaft digitalisiert sich.
Foto: leolintang - shutterstock.com

"Um die Stabilität der Immobilienwirtschaft nachhaltig zu gewährleisten, muss sich die Branche auch auf aktuelle Einflüsse wie die Digitalisierung und Automatisierung einstellen", erklärte Andreas Mattner, Präsident des ZIA. Verbandsangaben zufolge arbeiten deutschlandweit rund 800.000 Unternehmen in dieser Branche. Man freue sich, künftig auch auf die jahrelange Expertise von SAP in der Digitalisierung im Immobiliensektor, aber auch zahlreichen anderen Wirtschaftssektoren zurückgreifen zu dürfen, ließ Mattner durchblicken. "Gemeinsam mit unseren weiteren Mitgliedsunternehmen und -verbänden wollen wir das ambitionierte Ziel der Digitalisierung mit aller Kraft verfolgen."

Auch die Immobilienbranche muss sich auf aktuelle Einflüsse wie Digitalisierung und Automatisierung einstellen, sagt Andreas Mattner, Präsident des ZIA.
Auch die Immobilienbranche muss sich auf aktuelle Einflüsse wie Digitalisierung und Automatisierung einstellen, sagt Andreas Mattner, Präsident des ZIA.
Foto: ZIA

Leonardo wird zur intelligenten Schaltzentrale

Dreh- und Angelpunkt für die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft soll aus Sicht von SAP die eigene IoT-Plattform "Leonardo" bilden. Erst vor wenigen Wochen hatte der Softwarekonzern im Rahmen seiner Kundenkonferenz Sapphire in Orlando angekündigt, Leonardo massiv ausbauen zu wollen. Das erweiterte Portfolio von SAP Leonardo bringe Lösungen für maschinelles Lernen, das Internet der Dinge, Big Data, Analysen und Blockchain auf der SAP Cloud Platform mit SAPs Prozess- und Branchenwissen und Design-Thinking-Methoden zusammen, so der Plan des Softwareherstellers.

Digital Leader Award

Digital Leader Award

Die SAP-Verantwortlichen sehen Leonardo als Schaltzentrale für das intelligente Unternehmen. Markus Noga, Head of Machine Learning bei SAP, sprach von einer neuen Ära für digitale Unternehmen und bezeichnete die Infrastruktur aus Leonardo, der SAP Cloud-Plattform, neuen Services sowie dem klassischen ERP-Kern als "Nervensystem des intelligenten Unternehmens". Leonardo stehe dabei für das "Digitale Innovationssystem".

SAP-Anwendungen im Bereich Immobilien werden mit SAP Leonardo rund um das Internet der Dinge und Industrie 4.0 erweitert, kündigte Tanja Rückert, President IoT & Digital Supply Chain bei SAP, an.
SAP-Anwendungen im Bereich Immobilien werden mit SAP Leonardo rund um das Internet der Dinge und Industrie 4.0 erweitert, kündigte Tanja Rückert, President IoT & Digital Supply Chain bei SAP, an.
Foto: SAP

Davon möchte auch die hiesige Immobilienwirtschaft profitieren. So streben die ZIA-Verantwortlichen im Rahmen der Partnerschaft die Gründung eines Digitalisierungsausschusses an, unter dem Vorsitz von Tanja Rückert, President IoT & Digital Supply Chain bei SAP. "Die SAP-Anwendungen im Bereich Immobilien werden mit SAP Leonardo rund um das Internet der Dinge als auch Industrie 4.0 erweitert", kündigte Rückert an. Zusätzlich arbeite SAP gerade daran wir, Real Estate Management neu zu erfinden, sagte die SAP-Managerin.

"Mit SAP Cloud for Real Estate und dem SAP Project Information Network bieten wir bereits viele Möglichkeiten zur Erfassung eines Gebäudes über seinen kompletten Lebenszyklus von der Planung, über den Bau bis hin Betrieb." Darüber hinaus soll das Lösungspaket für die Immobilienwirtschaft weiter ausgebaut werden. "Die Blockchain-Technologie wird rund um die Welt dezentralisiert Transaktionen ermöglichen", prognostizierte Rückert. Machine Learning werde den Digitalen Zwilling eines Gebäudes so intelligent machen, dass das reale Bauwerk, wirklich zum vielbeschworenen Smart Building wird.

PropTechs heizen der klassischen Immobilienwirtschaft ein

"Nahezu jedes Unternehmen der Immobilienwirtschaft wird inzwischen erkannt haben, wie wichtig eine geeignete Analyse bestehender und neuer Technologien für die Geschäftsfelder und die Entwicklung des eigenen Unternehmens ist", konstatierte Martin Rodeck, Innovationsbeauftragter des ZIA. Rodeck bezog sich dabei auf eine Umfrage, die der Immobilienverband gemeinsam mit Ernst & Young Real Estate (EY Real Estate) durchgeführt hat. Dabei wurden im vergangenen Jahr über 150 Unternehmen aus der hiesigen Immobilienwirtschaft befragt.

Eine Umfrage des Zentralen Immobilien Ausschuß (ZIA) und von Ernst & Young Real Estate hat gezeigt: Das Thema Digitalisierung ist in der Immobilienwirtschaft angekommen.
Eine Umfrage des Zentralen Immobilien Ausschuß (ZIA) und von Ernst & Young Real Estate hat gezeigt: Das Thema Digitalisierung ist in der Immobilienwirtschaft angekommen.
Foto: ZIA /EY Real Estate

Dabei wurde auch klar, dass die Branche mitten in der digitalen Disruption steckt, wie viele andere Branchen auch. Und wie in anderen Industrien gibt es auch im Immobilienbereich junge Digital-Startups, die sich in die Wertschöpfungskette der etablierten Platzhirsche einklinken und damit kräftig für Unruhe im Markt sorgen. Was in der Finanzbranche rund um Banken und Versicherungen die Fintechs sind, sind in der Immobilienbranche die sogenannten "PropTechs" - Anbieter von zumeist digitalen Property Services. "PropTechs zielen entweder auf effizienzsteigernde Maßnahmen für bestehende Prozesse oder die Einführung neuer Technologien und Geschäftsmodelle, die ältere ablösen könnten, ab", erläuterte Rodeck.