Die wichtigsten deutschen IT-Persönlichkeiten

Die Hall of Fame der IT

20.02.2015
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.

Prof. Dr. Henning Kagermann, acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften e.V.

SAP-CEO, Kanzlerin-Einflüsterer und Innovationstreiber - Henning Kagermann gestaltet seit über 20 Jahren die deutsche IT-Landschaft maßgeblich mit. Insgesamt elf Jahre leitete Henning Kagermann die SAP, Deutschlands einziger IT-Konzern von weltweiter Bedeutung, und führte sie in das Service-orientierte Zeitalter.

Prof. Dr. Henning Kagermann, acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften e.V.
Prof. Dr. Henning Kagermann, acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften e.V.
Foto: ACATECH

Heute arbeitet er als Chef der Wissenschaftsakademie Acatech daran, den Standort Deutschland auf eine digitalisierte und vernetzte Weltwirtschaft vorzubereiten. In dieser Rolle konnte er das Vertrauen der Bundeskanzlerin Angela Merkel als Ratgeber für IT-Standortfrage gewinnen. Kagermann hat in seinem Berufsleben zwei bedeutende Einschnitte erlebt.

Eigentlich hatte er eine wissenschaftliche Karriere angestrebt und mit seiner Promotion und Habilitation in Theoretischer Physik einen belastbaren Grundstein dafür gelegt. Doch nach zwei Jahre Forschung und Lehre an der Technischen Hochschule seiner Heimatstadt Braunschweig zog es ihn in die Wirtschaft.

1982 heuerte er beim damals noch relativ kleinen Softwarehaus SAP an, um dort die Ressorts Kostenrechnung und Projektcontrolling zu leiten. "SAP war ein schöner Abschnitt in meinem Leben, ich habe viel erlebt. Als ich angefangen habe, hatten wir 80 Beschäftigte, heute sind es 50.000", sagte er in einem Interview, das die FAZ mit ihm zum Abschluss seiner SAP-Karriere im Jahr 2009 führte.

Bei der SAP stieg er schnell auf, nach einigen Zwischenstationen berief ihn der Aufsichtsrat 1998 neben SAP-Gründer Hasso Plattner zum Co-CEO. 2003 wurde er alleiniger Konzernlenker. Er war damit der erste SAP-Chef, der sich nicht aus den Reihen der Gründer rekrutierte.

Kagermann galt immer als Techniker, Zahlenmensch und nachhaltig ausgerichtete als CEO. Er führte die SAP aus der ersten schweren Krise und bereitete das Unternehmen auf die Anforderungen einer Service-orientierten IT-Welt vor. Unter seiner Leitung startete SAP erste - zugegebenermaßen unbeholfene - Gehversuche im Cloud-Geschäft. Kagermann fädelte mit der Business-Object-Übernahme zudem die bis dato größte Akquisition ein. 2009 übergab er den Stab an Leó Apotheker.

Der darauf folgende nahtlose Wechsel an die Spitze der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften e.V. (Acatech) markiert den zweiten Bruch in Kagermanns Berufsleben. In seinem aktuellen Job agiert er seit 2009 an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Schon 2010 machte Angela Merkel ihn zum Chef der von ihr geschaffenen "Nationalen Plattform Elektromobilität". In der Forschungsunion, ein Gremium, das das Bundesforschungsministerium in Sachen High-Tech-Standort Deutschland berät, leitet Kagermann die Promotorengruppe Kommunikation. Hier entstanden erste Ideen und Initiativen zum Thema Industrie 4.0. Auch hier ist eine wichtige Aufgabe, alle Stakeholder, also Wirtschaft, Arbeitnehmervertreter und Politik ins Boot zu holen.

Das Ergebnis spricht für sich: Kagermann ist es gelungen, die drei Branchenverband Bitkom, ZVEI und VDMA sowie große Gewerkschaften auf der Plattform Industrie 4.0 zu versammeln. Zudem hat der Begriff Eingang in den aktuellen Koalitionsvertrag gefunden.