Die wichtigsten deutschen IT-Persönlichkeiten

Die Hall of Fame der IT

20.02.2015
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.

Prof. Eike Jessen, TU München

Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre baute Eike Jessen Europas schnellsten Computer - den TR 440. Er gehörte zur ersten Generation von kommerziellen Systemen, die es ermöglichten, dass die Rechenleistung eines großen Computers von vielen Benutzern zeitgleich und ohne Wartezeiten genutzt werden konnte.

Prof. Eike Jessen, TU München
Prof. Eike Jessen, TU München
Foto: Eike Jessen, TU MÜNCHEN

Der heute 76jährige emeritierte Professor erkannte früh die Notwendigkeit, die Entwicklung von Rechnern bezüglich ihrer Leistungsfähigkeit als Gesamtsystem wissenschaftlich zu begründen. Zudem gründete und baute er konsequent das Deutsche Forschungsnetz (DFN) aus. Jessen studierte in Berlin bis 1960 elektrische Nachrichtentechnik, vier Jahre danach hatte er auch die Promotion geschafft. Danach wechselte er nach Konstanz in die IT-Abteilung von Telefunken, wo er eine Abteilung mit 250 Mitarbeitern aufbaute.

Ab 1972 arbeitete Jessen als Professor an der Universität Hamburg und initiierte einen Lehrstuhl für Rechnerarchitektur. Nach seinem Wechsel an die Technische Universität München im Jahre 1983 führte Eike Jessen die Systemanalyse und Modellierung von einzelnen Rechensystemen weiter und konzentrierte sich später auch im Kontext "Aufbau des DFN" vermehrt auf Rechnernetze, verteilte Systeme und Grids. Nach Gründung des DFN-Vereins als großes BMBF-Verbundprojekt 1984 war Jessen bis 1990 Vorstandsmitglied im Gründungsvorstand und von 1988 bis 1990 Vorstandsvorsitzender.

Für seine Verdienste für die deutsche Informatik erhielt er 1993 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Als zweiter Vizepräsident der TU München (1994-1996) konzipierte er den ersten Hochschulentwicklungsplan mit einem Schwerpunkt auf Auslandsbeziehungen, 1997 bis 2005 übernahm er erneut den Vorsitz des DFN. In dieser Zeit erhielt er 2004 von der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI), deren Gründungsvorstand er war, die Auszeichnung "Fellow der GI" für seine wissenschaftlichen Verdienste und ehrenamtlichen Tätigkeiten im langjährigen Engagement für das deutsche Forschungsnetz und das deutsche Wissenschaftsnetz. Heute ist Jessen als Emeritus am Institut für Informatik der TU München tätig, nimmt verschiedene Gutachtertätigkeiten wahr und betreut die Förderung hervorragender Studierende best.in.tum.