Metro, Deutsche Börse, Viessmann

Die Google-Cloud drängt in die Unternehmen

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Big Data / Analytics und Digitale Transformation.
Auf der Fachkonferenz Google Summit machte der Suchmaschinenkonzern seine Ambitionen im deutschen Cloud-Markt deutlich. Großkunden wie Metro, Deutsche Börse und Viessmann berichteten von ihren Cloud-Projekten. Dazu im Video-Interview: Michael Korbacher, Director Google Cloud DACH.

Mit seiner Google Cloud Platform (GCP) fordert der kalifornische Konzern die Platzhirsche Amazon Web Services (AWS) und Microsoft auch in Deutschland heraus. Auf dem Google Summit in München präsentierte der Anbieter neben vielen technischen Details auch eine Reihe namhafter Unternehmen, die bereits in größerem Umfang Services aus der Google-Wolke einsetzen.

Video: Im Interview mit der COMPUTERWOCHE spricht Michael Korbacher, Director Google Cloud DACH, über den deutschen Cloud-Markt, Datenschutz und Künstliche Intelligenz.

Digital Leader Award

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So nutzt etwa die Deutsche Börse die Google-Cloud für den Betrieb ihrer Digital Business-Plattform. Security und Compliance gehörten zu den wichtigsten Prioritäten des Unternehmens, berichtete Thomas Aidan Curran, Chief Innovation and Technology Advisor bei dem Finanzdienstleister: "Die Google-Cloud ist derzeit eine der sichersten Infrastrukturen weltweit." Dennoch verlasse sich die Deutsche Börse nicht nur auf Google, sondern arbeite im Rahmen einer Multi-Cloud-Strategie mit mehreren Providern zusammen. Der Einsatz von Container-Techniken wie Kubernetes sorge dabei für die nötige Interoperabilität und Portierbarkeit von Anwendungen. Auf der Infrastrukturebene setzen die Frankfurter unter anderem auf Googles Cloud-Storage-Services, um damit ihren Data Lake zu organisieren.

Einen weiteren Großkunden aus dem deutschsprachigen Raum hat Google mit der Metro AG gewonnen. Der Handelskonzern mit rund 150.000 Mitarbeitern in 25 Ländern migriert seine E-Commerce-Plattform in die Google-Cloud. Vor allem Vorteile in puncto Performance und Skalierbarkeit hätten für den Schritt in die Cloud gesprochen, erläuterte Timo Salzsieder, CIO und CSO der Metro AG : "Ausschlaggebend ist für uns die Verlässlichkeit und die führende Technologie der Google Cloud, die zusätzlich mit fairen Preisen überzeugt", warb der IT-Manager.

Bei der Auswahl des Cloud-Partners habe Google mit seinen Fähigkeiten in den Bereichen Machine Learning und Künstliche Intelligenz gepunktet, so der Manager. Michael Korbacher, Director Google Cloud DACH, verwies auf die Flexibilität der Cloud-Infrastruktur: "METRO ist mit Hilfe der Google Cloud nun in der Lage, Tagesspitzen innerhalb ihres Webshops besser zu bewältigen, ohne die Infrastruktur selbst verwalten zu müssen."

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Viessmann löst Lotus Notes durch die G Suite ab

Dass auch mittelständische Unternehmen sich mittlerweile an große Cloud-Projekte herantrauen, zeigt das Beispiel der Viessmann Group. Mehr als 20 Jahre lang arbeitete der Hersteller von Heiz-, Industrie- und Kühlsystemen mit Lotus Notes von IBM. Mitte 2017 habe man begonnen, auf Googles G Suite zu migrieren, berichtete Alexander Pöllmann, Smart Office & Collaboration Manager bei Viessmann. Der Umstieg auf das Cloud-System sei Teil des Projekts "The Future Workplace", das Viessmann im Rahmen seiner Digitalisierungsstrategie verfolge.

Laut Pöllmann standen nicht nur Kostenaspekte im Vordergrund. "Die G Suite ermöglicht es uns, sicher, von jedem Ort, zu jeder Zeit geräteunabhängig auf unsere Arbeitsinhalte zuzugreifen." Ein entscheidendes Motiv für Viessmann seien die einfachen Collaboration-Möglichkeiten gewesen, die das System biete. Damit habe man die Zusammenarbeit intensiviert und den Teamgeist gestärkt. Innerhalb eines halben Jahres sei es gelungen, fast alle Daten und Anwendungen in die Cloud zu migrieren und sämtlichen Mitarbeitern weltweit zur Verfügung zu stellen.

In Deutschland dürfte Viessmann mit einem solchen Projekt ein Exot sein. Doch international konnte Google für sein Office- und Collaboration-Paket schon eine Reihe von Großkunden gewinnen. Dazu gehört etwa das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PWC). Mit dem weltweiten Einsatz der G Suite spare PWC pro Woche und Mitarbeiter neun Stunden Zeit und steigere die Produktivität, behauptete Bill Hippenmeyer, Google Head of Cloud Customer Engineering für die Region EMEA.

Das Unternehmen setze intensiv auf Realtime Collaboration mit dem Videokonferenz- und Instant-Messaging-Dienst "Google Hangouts". Hippenmeyer: "Meetings dauern so nicht mehr eine Stunde, sondern nur noch fünf Minuten." Einen wichtigen Beitrag zu den Produktivitätssteigerungen leisteten die AI-Fähigkeiten (Artificial Intelligence), die mittlerweile in fast jedem Google-Produkt integriert seien.

Porsche Recruitment Bot nutzt Googles KI-Features

Das Thema Künstliche Intelligenz spielt auch für BOTfriends eine zentrale Rolle. Das Würzburger Startup-Unternehmen nutzt Googles Machine Learning-Services, um Chatbot-Anwendungen zu entwickeln. Wie Mitgründerin Michelle Skodowski berichtete, ist auf diese Weise der erste "Recruitment Chatbot" in der Automobilbranche für den Kunden Porsche entstanden. BOTfriends habe das System auf der Google Cloud Platform entwickelt. Mit Hilfe von Machine Learning sei man in der Lage, Unternehmen in den Bereichen Recruitment und Kunden-Support zu entlasten.

Infrastruktur als Differenzierungsmerkmal

Einmal mehr verwiesen die Google-Verantwortlichen auch auf die Vorteile der hauseigenen IT-Infrastruktur. So baut Google etwa die Server für seine Cloud-Rechenzentren selbst zusammen. "Infrastruktur ist für uns im Cloud-Markt ein Differenzierungsmerkmal", erklärte Technical Director Paul Strong in München. Google habe in den vergangen drei Jahren fast 30 Milliarden Dollar in seine Cloud-Infrastruktur investiert. "Wir bauen unsere eigenen Server und unterhalten sogar eine eigene Schiffsflotte", so der Manager. Letztere diene dazu, Highspeed-Unterseekabel zu verlegen und damit eine hohe Netzbandbreite sicherzustellen. Bis zu 40 Prozent des weltweiten Internet Traffics würden bereits über das Google Network abgewickelt.