Vorsicht Vorstellungsgespräch

Die fiesesten Fangfragen für Bewerber

08.06.2013
Von 
Karriere und Management in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit über 20 Jahren. Langweilig? Nein, sie entdeckt immer neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und im eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisiert.

Erzählen Sie mal von Ihren Schwächen.

Die Frage nach den Schwächen ist in Wirklichkeit eine Frage nach dem Umgang mit den Schwächen. Wie nehmen Sie sie wahr? Wie wirken sie sich auf das Tagesgeschäft aus?

Außergewöhnliche Antwort: "Ich stecke mir selbst gern hohe Ziele und erwarte das auch von anderen. Ich weiß aber auch, dass es Situationen geben kann, in denen diese Eigenschaft zu einer Schwäche wird und Misserfolg oder unnötiges Warten mich dann enttäuschen. Heute gewinne ich erst einmal etwas Abstand und erledige eine andere kleine Aufgabe. Gestärkt durch das Erfolgsgefühl kann ich mich dann wieder dem aktuellen Projekt widmen. Mit dieser Strategie erledige ich in der zeit, in der ich früher nicht so produktiv gewesen wäre, eine ganz andere Aufgabe nebenbei."

CW-Karriere-Wiki

Mehr zum Thema Karriere finden Sie im Karriere-Wiki der COMPUTERWOCHE. Es ist ein Projekt zum Aufbau einer Wissensdatenbank rundum das Thema Karriere. Jeder kann mit seinem Wissen anderen helfen. Gute Autorinnen und Autoren sind stets willkommen.

Das finden Sie bereits im Wiki:

Was wollen Sie verdienen?

Carolin Lüdemann rät davon ab, eine zu breite Geahltsspanne zu nennen.
Carolin Lüdemann rät davon ab, eine zu breite Geahltsspanne zu nennen.
Foto: Carolin Lüdemann

Stellen Sie nicht nur ein paar Zahlen in den Raum und warten dann auf die Reaktion des Personalers. Carolin und Heiko Lüdemann empfehlen, statt einen groben Gehaltsrahmen eine konkrete Gehaltsforderung zu nennen. Bei einem groben Rahmen kann sich der Personaler nämlich auch an der niedrigsten Zahl orientieren, und der Bewerber hat keine Verhandlungsmöglichkeit mehr. Wichtig ist, nicht gleich im ersten Antwortsatz die Summe anzugeben, sondern auf die Anforderungen der Stelle einzugehen und deutlich zu machen, dass man sich an diesen Anforderungen gern messen lassen will.

Außergewöhnliche Antwort: "Ich habe im Vorfeld viel über die Anforderungen der Stelle nachgedacht. Jetzt, da wir über die Aufgaben gesprochen haben, habe ich ein noch klareres Bild gewonnen und bin sicher, dass ich den Anforderungen gewachsen bin. Meine Gehaltsvorstellung liegt zwischen 52.000 und 56.000 Euro im Jahr, Ich weiß, dass das viel Geld ist. Ich bin aber auch bereit, mich daran messen zu lassen."

Haben Sie zum Abschluss noch Fragen?

Hier zeigt sich, wie gut der Kandidat vorbereitet ist und ob ihm die Stelle interessiert. Nutzen Sie die Frage als Chance, ganz nach dem Motto: Der erste Eindruck ist entscheidend, der letzte Eindruck bleibt. Wie soll Sie Ihr gesprächspartner in Erinnerung behalten? Als jemand, der seinen Urlaubsanspruch klärt? Besser ist es, etwa nach der konkreten Einarbeitung zu fragen.

Unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch

Prinzipiell sind alle Fragen, die den Privatbereich des Bewerbers betreffen und nichts mit seiner beruflichen Aufgabe zu tun haben, unzulässig. Dazu gehören Fragen nach

  • Heirat, Familienplanung

  • Schwangerschaft

  • Gesundheit, Krankheit, Behinderung,

  • Beruf des Partners, der Eltern, etc

  • Gewerkschafts-, Partei- oder Religionszugehörigkeit

  • Austritts-/ Kündigungsgrund in früheren Firmen,

  • Vorstrafen

  • Mitgliedschaft in Vereinen, Verbänden,

  • früheren Vergütungen ( weil diese dazu dienen könnten, Lohnansprüche des Bewerbers zu senken).

Laut dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) darf auch niemand aufgrund seiner ethnischen Herkunft, seiner Religion, des Geschlechts, einer Behinderung oder seines Alters benachteiligt werden.

In der Praxis werden viele dieser Fragen allerdings gestellt. Bewerber dürften in dem Fall lügen oder schweigen. Allerdings sollten sie genau abwägen, ob sie so reagieren, schreiben die Coaches Carolin und Heiko Lüdemann, denn: "Unzulässige Fragen sind meist nicht das Ergebnis mangelnder Sensibilität, sondern zeugen von Interesse an Ihrer Person." Die Personaler wollen mehr über den Bewerber wissen. Darum empfehlen die Bewerbungsexperten, auch hier souverän und freundlich zu antworten - wobei aber der Bewerber selbst entscheidet, wie viel er verrät und was er lieber für sich behält.

Das Buch zum Thema

Carolin und Heiko Lüdemann: Fangfragen im Vorstellungsgespräch souverän meistern, München 2008, Redline Wirtschaft, ISBN 978-3-636-01578-5, 17,90 Euro.

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