Gaia-X nimmt Gestalt an

Die europäische Cloud-Unabhängigkeitserklärung

19.02.2021
Anzeige  Gaia-X ist die europäische Antwort auf die datenrechtlichen Probleme mit den großen US-Cloud-Providern. Das im Herbst 2019 gestartete Projekt kann erste Erfolge verbuchen, an denen vor allem ein deutscher Anbieter einen großen Anteil hat.

Die europäische Wirtschaft benötigt dringend verlässliche Datensouveränität, denn nach dem US CLOUD Act können US-Behörden auch ohne richterlichen Beschluss auf Daten zugreifen, die bei US-Providern gespeichert sind. Und zwar auch dann, wenn sich diese Daten in europäischen Rechenzentren befinden. Auch das Privacy-Shield-Abkommen ist laut Europäischem Gerichtshof unwirksam, da es keinen Schutz gemäß der DSGVO sicherstellt.

Die Strafen bei Verstößen können sehr hoch sein, da auch immaterielle Schäden als Vergeltung zulässig sind. Doch viele Unternehmen sind da immer noch unbesorgt. Sie glauben, das betrifft nur Firmen, die US-Geschäfte betreiben. Das aber ist ein Trugschluss, denn viele Cloud-basierte SaaS-Dienste, wie E-Mail, CRM oder ERP sind bei US-Firmen angesiedelt und allein die Nutzung dieser Dienste gilt bereits als Datentransfer.

Europa will sich mit Gaia-X emanzipieren. Zur Zeit werden 50 Use-Cases ausgearbeitet und in diesem Jahr noch soll ein erstes nutzbares Produkt entstehen.
Europa will sich mit Gaia-X emanzipieren. Zur Zeit werden 50 Use-Cases ausgearbeitet und in diesem Jahr noch soll ein erstes nutzbares Produkt entstehen.
Foto: rustamank - shutterstock.com

Dieser Tatbestand hat die Politik auf den Plan gerufen. So sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier im Juli 2019: "Die europäische Wirtschaft benötigt dringend verlässliche Datensouveränität; wichtige Daten deutscher Unternehmen sind bei US-Providern gespeichert, wo sie US-Recht unterliegen und die US-Behörden können aufgrund des Cloud Acts jederzeit darauf zugreifen."

So wurde im Herbst 2019 Gaia-X ins Leben gerufen. Das Projekt zielt auf eine vertrauenswürdige Dateninfrastruktur ab, in der Anbieter verschiedene Services und Systeme in Form von Komponenten einbinden können. Diese werden in einem Repository hinterlegt, das alle Anbieter gleichberechtigt nutzen können. Mit Gaia-X entsteht also keine neue proprietäre Cloud wie bei Hyperscalern.

Eine vernetzte Datenstruktur für ein europäisches Ökosystem

Geplant ist, dass sich die Komponenten in Form von Knoten miteinander vernetzen lassen. Jeder Knoten ist laut Projektbeschreibung des BMWi mithilfe einer dezentral verwalteten Selbstbeschreibung eindeutig identifizierbar und klassifizierbar.

Alle Schnittstellen, Services und Produkte werden durch Standards harmonisiert. Anbieter müssen also Standards für Transparenz und Interoperabilität einhalten. Auf diese Weise bietet Gaia-X den Rahmen für Anbieter von Rechenzentren, Cloud-Lösungen, High Performance Computing (HPC) und sektorspezifischen Cloud- und Edge-Systemen, um sich aufeinander abzustimmen. So können diese Anbieter föderierte Dienste aufbauen, die einen Mehrwert bieten.

Dafür werden Services entwickelt, die es ermöglichen, Anbieter zu identifizieren und unterschiedliche Angebote miteinander zu kombinieren. Die Konzeption folgt den Prinzipien von Security by Design und Privacy by Design, um höchste Sicherheit und den Schutz der Privatsphäre zu gewährleisten.

Mit dabei: Anbieter, Anwender und Verbände

"Mit Gaia-X streben mehr als 300 Unternehmen und Organisationen aus Europa einen europäischen Moonshot in der Digitalpolitik an", schwärmte Altmaier. Aber für den Erfolg ist die Nachfrage von Anwendern entscheidend. Deshalb gestalten Unternehmen und Organisationen aus unterschiedlichen Domänen das Projekt mit. Darunter Verbände wie BDI, Bitkom, eco, Voice, VDMA, Cigref und Medef sowie Initiativen wie die International Data Spaces Association und Trusted Cloud.

Andreas Weiss vom eco-Verband ist von den Potenzialen von Gaia-X überzeugt. "Leistungsfähige Rechenzentren sind der Schlüssel für digitale Souveränität, für ein agiles digitales Ökosystem, in dem Daten vertrauensvoll geteilt und innovative Anwendungen auf den Markt gebracht werden können. Dabei muss Gaia-X nicht alles neu erfinden, sondern nur Bestehendes zusammenführen", lautet seine Einschätzung.

Mittlerweile wurden mehr als 40 Use-Cases in acht Bereichen ausgearbeitet, die bereits eine große Bandbreite aufzeigen. Darunter ein Collaborative Condition Monitoring für Industrie 4.0, eine Pay-per-Use Supply Chain für das Finanzwesen und ein Daten-Hub für intelligenten Datentausch in der Landwirtschaft.

2021 könnte im Zeichen erster konkreter Anwendungen stehen

Die grundsätzlichen Rahmenbedingungen wurden geschaffen und das Projekt stößt bei Unternehmen auf großes Interesse. Noch in diesem Jahr soll aus den Cases ein erstes nutzbares Produkt bereitstehen, das als Ausgangspunkt für weitere Prototypen dienen kann. Das ist wichtig, weil Gaia-X seinen Mehrwert für Unternehmen nur mit konkreten Anwendungen beweisen kann.

Eines der Pionierunternehmen beim Gaia-X-Projekt ist der deutsche Cloud-Provider IONOS. Das Unternehmen war vom ersten Tag an eine treibende Kraft dieser Idee. "Wir sind alle auf Gaia-X eingeschworen. Es ist für uns ein starker Impuls für mehr Datensouveränität in Europa", sagt Dr. Martin Endreß, Vorstandsmitglied von 1&1 IONOS SE.

Die wichtigsten Fragen zu Gaia-X und zum Engagement von IONOS beantwortet Rainer Sträter, Head of Global Platform Hosting bei IONOS, in diesem dreiminütigen Video.

Im Mittelpunkt des IONOS-Engagements steht die IONOS cloud Compute Engine. Dabei handelt es sich um eine hochskalierbare IaaS-Plattform, die sich schon seit einigen Jahren für unterschiedliche Aufgaben bewährt hat. Als eine der größten Clouds aus Deutschland bringt sie einen bedeutenden Kundenstamm in das Projekt ein. Darüber hinaus trägt die Expertise von IONOS zur Vereinheitlichung von Datenformaten und Interfaces bei.

Technologische Anpassungen gibt es auch bereits. So bietet IONOS mit dem selbstentwickelten und hochperformanten IONOS Cloud Stack eine Gaia-X-konforme Basis für Cloud-Management. Dieser Cloud Stack erlaubt es, Cloud-Services aus verschiedenen Public-, Private- und Multi-Cloud-Umgebungen zentral zu managen.

Solche Entwicklungen zeigen, wie sich Anbieter in Gaia-X einbringen können. Heute sind laut BMWi bislang bereits über 350 europäische Organisationen und Unternehmen beteiligt und über 800 internationale Mitglieder arbeiten mit. Die Chancen stehen gut, dass nun erste Anwendungen in Gaia-X entstehen und sich dieses Jahr als richtungsweisend herausstellen wird.

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