Übernahmen im Servicemarkt 2019

Die Coups der IT-Dienstleister

16.12.2019
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Im IT-Dienstleistungsmarkt drehte sich 2019 das Übernahmekarussell besonders schnell. Capgemini ist dabei, einen großen Coup mit dem Kauf von Altran zu landen. Accenture und DXC Technology griffen bereits zu.
  • Mit der Pariser Altran wird sich Capgemini für 3,6 Milliarden Euro im Bereich Engineering Services verstärken, sofern die Altran-Aktionäre zustimmen.
  • Accenture hat gleiche eine ganze Reihe von Digitalagenturen gekauft, um beim "Experience Management" vorne mitzuspielen
  • Auch DXC war nicht untätig: Die Schweizer Luxoft ist stark im Automotive-Sektor und in Banken
CX steht für Customer Experience, seit einiger Zeit der heilige Gral der IT-Wirtschaft. Nahezu alle Beratungshäuser schärfen hier ihr Profil. Mal sehen, welche Buzzwords 2020 bringen wird.
CX steht für Customer Experience, seit einiger Zeit der heilige Gral der IT-Wirtschaft. Nahezu alle Beratungshäuser schärfen hier ihr Profil. Mal sehen, welche Buzzwords 2020 bringen wird.
Foto: eamesBot - shutterstock.com

Die Digitalisierung der Industrieprozesse und -anlagen ist für den IT-Beratungs- und Systemintegrationssektor ein Geschäft mit gewaltigen Dimensionen. So verwundert es nicht, dass Unternehmen wie Capgemini oder DXC Technology 2019 gezielt Unternehmen zukaufen, um die Bereiche Industrie 4.0 und Internet of Things (IoT) optimal abzudecken.

Ein zweiter Zukunftsmarkt ist das "Customer Experience Management": Große Beratungshäuser verstärken sich mit Digitalagenturen, die auf die Gestaltung der digitalen Kundenschnittstelle, das Touchpoint-Management und generell auf das Generieren von Kundenerlebnissen fokussiert sind. Das impliziert auch das Designen und Entwickeln innovativer digitaler Produkte im Kundenauftrag.

Die Hintergründe sind klar: Nie gab es so viele Möglichkeiten, anhand von Kundendaten personalisierte Kundenerlebnisse zu schaffen und damit die Bindung zu erhöhen. Für diejenigen, die sich damit nicht beschäftigen, besteht umgekehrt ein wachsendes Risiko, Kunden zu verlieren. Wir haben vor dem Hintergrund dieser beiden Megatrends die wichtigsten Übernahmen im internationalen IT-Beratungsmarkt zusammengstellt.

Capgemini kauft Ingenieursdienstleister Altran

Die Pariser Altran, einer der weltweit größten Anbieter von Ingenieurs- sowie F&E-Dienstleistungen (Forschung und Entwicklung), soll Capgemini - vorbehaltlich der Zustimmung von Aktionären und Aufsichtsbehörden - bei digitalen Transformationsprojekten in der Fertigung voranbringen. Die internationale Reichweite des Duos wäre beeindruckend: Capgemini, hierzulande laut Lünendonk-Liste die Nummer vier im Markt für IT-Beratung und Systemintegration, bekäme zu seinen weltweit 200.000 Mitarbeitern weitere 45.000 Experten hinzu, überwiegend Ingenieure. Für Altran wird Capgemini 3,6 Milliarden Euro zahlen, sofern der Deal erwartungsgemäß durchgewinkt wird.

Mit einem autonom fahrenden, elektrisch betriebenen Shuttle-Bus zeigte Altran Anfang 2018 seine Kompetenz im Bereich Mobilität der Zukunft.
Mit einem autonom fahrenden, elektrisch betriebenen Shuttle-Bus zeigte Altran Anfang 2018 seine Kompetenz im Bereich Mobilität der Zukunft.
Foto: Grzegorz Czapski - shutterstock.com

Zukäufe sind für den französischen IT-Dienstleister nichts Ungewöhnliches: Mit der Akquisition von iGate bauten die Franzosen 2015 ihr US-Geschäft aus und zielten dabei ebenso wie mit Altran und dem Unternehmenszweig Sogeti High Tech auf das Segment der Engineering-Dienstleistungen. Übernahmen von Firmen wie Idean und Fahrenheit 212 schärften zudem das Profil im Bereich der digitalen Transformation und hier vor allem im Segment Customer Experience Management (siehe auch: Capgemini setzt auf Digitalisierung der Fertigungsbranche).

Accenture kauft eine Digitalagentur nach der anderen

Accenture schlug 2019 gleich mehrfach zu. Mit der 475 Millionen Dollar teuren Übernahme von Droga5 gelang der Erwerb einer New Yorker Agentur von internationalem Rang. Sie gehört nun zu Accenture Interactive, der Digitalberatung des IT-Dienstleisters, und bringt rund 500 zusätzliche Kreative ins Team. Der IT-Dienstleister bezeichnet seine Agentur inzwischen als "Experience Agency".

Zwei weitere Zukäufe, Shackleton und Insitum, führen den Konzern jetzt zudem tiefer in den spanischen und lateinamerikanischen Markt hinein. Generell ist Accenture seit Jahren dabei, das Agenturgeschäft auszubauen, um den Zukunftsmarkt Customer Experience zu besetzen. Hierzulande hatte sich der Konzern mit SinnerSchrader (2017), Kolle Rebbe (2018) und der D-Group (2016) verstärkt, in Dänemark wurde in diesem Jahr auch noch die Agentur Hjaltelin Stahl übernommen. In den Niederlanden landete Storm Digital und in Großbritannien Karmarama im Einkaufskorb des weltgrößten IT-Beratungshauses.

Accenture, hier im Bild das Münchner Büro, sieht im Customer Experience Management und dem Gestalten digitaler Produkte große Wachtsumsperspektiven.
Accenture, hier im Bild das Münchner Büro, sieht im Customer Experience Management und dem Gestalten digitaler Produkte große Wachtsumsperspektiven.
Foto: dvoevnore - shutterstock.com

Neu kommt in diesem Jahr außerdem die Londoner Beratung Happen dazu, ein privat gehaltenes Unternehmen, das Kunden mit eigenen Methoden, Frameworks und Tools dabei unterstützt, neue Geschäftsideen, Produkte und Services zu entwickeln. Das Unternehmen unterhält auch in Amsterdam und New Jersey Büros.

Die übernommenen Mitarbeiter sollen in diesem Fall in Accentures Geschäftsbereich Industry X.0 angesiedelt werden, der Kunden hilft, mit modernen digitalen Technologien Produkte, Services und Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln. Für dieses Geschäftsfeld hatte der hierzulande größte IT-Dienstleister in diesem Jahr auch schon den spanischen Analytics- und KI-Experten Pragsis Bidoop und die britische ?What If! übernommen. In den Jahren zuvor waren mit der Hardware-Engineering-Firma Mindtribe, der auf Strategiedesign konzentrierten Beratungsgesellschaft designaffairs und der auf Produktdesign und Innovation spezialisierten Altitude weitere Unternehmen zugekauft worden.