Visionen 2021

Die Coronakrise hat viele Türen aufgestoßen

15.01.2021
Von 
Alexandra Mesmer war bis Juli 2021 Redakteurin von Computerwoche und CIO-Magazin.
2020 war ein anstrengendes Jahr, das aber auch Chancen eröffnete. Remote Work, Cloud Computing, Automatisierung, elektronische Signatur – diese Trends erhielten einen Push. Die Folge sind veränderte Arbeitswelten.
Lesen Sie, was Führungskräfte, Wissenschaftler und Vordenker im Jahr 2021 erwarten und was sie im Jahr 2020 gelernt haben.
Lesen Sie, was Führungskräfte, Wissenschaftler und Vordenker im Jahr 2021 erwarten und was sie im Jahr 2020 gelernt haben.
Foto: oatawa - shutterstock.com

Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus dem Corona-Jahr? Was hat Sie positiv überrascht? Was hat Sie enttäuscht? Wie werden wir künftig arbeiten? Diese und andere Fragen verschickten wir Ende 2020 an Führungskräfte, Wissenschaftler und Vordenker und erhielten einen ganzen Schwung an Rückmeldungen, darunter viele interessante Einsichten und Impulse für 2021.

Der Ausbruch der Corona-Pandemie und der erzwungene Wechsel ins Homeoffice brachten nicht nur die Digitalisierung in vielen Unternehmen voran, sondern stellten auch die bisherigen Regeln der Zusammenarbeit und damit das Verhältnis zwischen Führungskräften und Mitarbeitern in Frage. Chefs, die ihre Führungsrolle vor Corona klassisch interpretierten, hatten in der Homeoffice-Phase oft ein Aha-Erlebnis: Die Geschäfte laufen weiter, auch wenn sie nicht mehrmals am Tag durch die Gänge gehen, um sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen, dass gearbeitet wird.

Vor diesem Hintergrund wünscht sich Timon Vielhaber, CEO des auf Virtual Reality-Anwendungen spezialisierten Unternehmens World of VR, "dass Chefs in ganz Deutschland etwas entspannter werden und mehr auf ihre Leute vertrauen, auch wenn sie diese nicht mehr kontrollieren können. Es hat sich jetzt wirklich gezeigt, dass auch 100 Prozent Homeoffice funktioniert. Bitte nicht zur alten ,Tugend' Command and Control zurückkehren!"

Timon Vielhaber, World of VR: "Es hat sich jetzt wirklich gezeigt, dass auch 100 Prozent Homeoffice funktioniert. Bitte nicht zur alten ,Tugend' Command and Control zurückkehren!"
Timon Vielhaber, World of VR: "Es hat sich jetzt wirklich gezeigt, dass auch 100 Prozent Homeoffice funktioniert. Bitte nicht zur alten ,Tugend' Command and Control zurückkehren!"
Foto: World of VR

Mobiles Arbeiten und Flexdesk-Konzepte

Ein Zurück zu alten Zuständen wollen die meisten Führungskräfte, die auf unsere Um­frage antworteten, ohnehin nicht mehr. "Alles steht auf dem Prüfstand", sagt René Heinz, CIO des mittelständischen Elektronikunternehmens Steinel, und meint damit vor allem den Themenkomplex Arbeit: "Das mobile Arbeiten wird sich im kommenden Jahr da, wo es möglich ist, weiter etablieren und zum festen Bestandteil der Arbeitswelt werden. Dort, wo es umsetzbar ist, wird es eine Weiterentwicklung zum Flexdesk geben. Arbeitsplatzflächen werden geteilt und mehrfach genutzt."

René Heinz, CIO von Steinel wünscht sich, "dass der Ausbau flexibler Arbeitsplätze zu mehr Arbeitsflexibilität bei gleichzeitiger Einsparung fixer Arbeitskosten führen wird."
René Heinz, CIO von Steinel wünscht sich, "dass der Ausbau flexibler Arbeitsplätze zu mehr Arbeitsflexibilität bei gleichzeitiger Einsparung fixer Arbeitskosten führen wird."
Foto: Steinel

Er hofft zudem, dass sich neue Arbeitszeitmodelle etablieren und Mitarbeiter wie Führungskräfte die Wichtigkeit sozialer Begegnungen schätzen lernen.

Markus Sontheimer, CIO des Logistikkonzerns DB Schenker, kann sich vorstellen, dass die Büros künftig vor allem für soziale Interaktionen da sein werden: "Das Büro könnte sich zu einem Open Space für Repräsentatives und Kreatives entwickeln. Wir müssen darum die virtuelle Kommunikation professionalisieren und uns über diesen häufig eher rational genutzten Kanal stärker sozialisieren. In der Vergangenheit akzeptierte Grenzen des virtuellen Arbeitens müssen zugunsten von Team Building und People Leadership neu definiert werden."

Meetings mit integrierten Liegestützen

Wie das gehen könnte, hat Vodafone-CIO Ulrich Irnich im Frühjahr letzten Jahres erprobt. Nach zwei Wochen im Homeoffice bemerkte er, dass sein komplettes Arbeitsleben nur noch aus einer Aneinanderreihung von Videokonferenzen bestand.

"Wir haben gemerkt, dass wir einen Raum brauchen, in dem auch soziale Interaktion ohne Arbeit stattfinden kann", so Irnich. "Denn sonst hast du nur ein Meeting nach dem nächsten, bekommst die Agenda, und die wird abgearbeitet. Du bestehst nur noch aus deinen Kalenderslots. Deswegen haben wir unsere Meetings verändert und Raum geschaffen für einen ,Wie-geht's-mir-denn'-Teil. Und tatsächlich haben wir sogar auch Workouts integriert. Mit Liegestützen!" Mittlerweile nimmt sich der CIO täglich zwei bis drei Stunden Zeit, "um Leute anzurufen und zu checken, wie es denen gerade geht."

Florian Kronenbitter, CIO MHP: "Die Krise hat enormes Innovationspotenzial. Analog des IT-Ansatzes Best of Breed werden Unternehmen den für die jeweilige Organisation besten Ansatz umsetzen und die Erkenntnisse und Positiveffekte dieser Krise nutzen, um eine neue Norm zu etablieren."
Florian Kronenbitter, CIO MHP: "Die Krise hat enormes Innovationspotenzial. Analog des IT-Ansatzes Best of Breed werden Unternehmen den für die jeweilige Organisation besten Ansatz umsetzen und die Erkenntnisse und Positiveffekte dieser Krise nutzen, um eine neue Norm zu etablieren."
Foto: MHP Management- und IT-Beratung GmbH

Um die Chancen in der Krise zu erkennen und deren Innovationspotenzial zu heben, empfiehlt Florian Kronenbitter, CIO der Porsche-Tochter MHP, eine bewährte Methode aus der IT: "Analog des IT-Ansatzes Best of Breed werden Unternehmen den für die jeweilige Organisation besten Ansatz umsetzen und die Erkenntnisse und Positiveffekte dieser Krise nutzen, um eine neue Norm zu etablieren."