Computerwoche-Roundtable

Die Blockchain zwischen Hype und Hirn

28.02.2017
Von 
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.

Die IT hinkt ein wenig hinterher

Wer das innovative Potenzial der Blockchain erschließen will, der darf sie weder als reines Business- noch als reines Fachbereich-Thema sehen. Ebenso wenig als IT-Aufgabe. Darin sind sich die Teilnehmer der Gesprächsrunde einig. Tenor ihrer Erfahrungen: die IT hinkt ein wenig hinterher. Bosch rät dringend, eine Vermittlerfunktion zwischen Business und IT zu etablieren, sei die nun durch einen Einzelnen besetzt oder durch ein ganzes Team. Anders könnten Unternehmen die nötige Kompetenz für den gewinnbringenden Umgang mit der Datenbank nicht aufbauen. Eine Haltung, der Raimund Gross, der einzige explizite Innovations-Manager in der Runde, nur beipflichten kann. Blockchain, dieses Thema "geht nur gemeinsam."

Prognose des Roundtables: die Blockchain wird sich durchsetzen, und das vermutlich auch mit Hilfe der jetzt noch jungen Generation. Wie beispielsweise beim Online-Banking werden die Jungen die Älteren überzeugen. Der Durchbruch für das Online-Banking kam, als es mit einfacher Bedienbarkeit punkten konnte. "Die Blockchain hat ihren 'Tipping Point', der die Leute motiviert, eben noch nicht erreicht", schmunzelt Blechschmidt.

Klar ist aber auch: Deutschland stellt "eine Sondersituation" dar. Während etwa China auf der einen Seite der Welt und die USA auf der anderen deutlich offensiver an die Blockchain herangehen, dürfte es hierzulande etwas länger dauern. Ein Lied von der deutschen Genauigkeit kann Stöwer singen. Er saß mit einem Kunden zusammen und analysierte den Begriff des Vertrags. Was ist ein Vertrag? Welche Bestandteile hat er? Kann man einen Vertrag mit einer Maschine abschließen? Da sind die US-Amerikaner doch weit pragmatischer - sie schließen bereits die ersten Ehen vor der Blockchain, ganz ohne Standesamt und Traualtar.

Es muss ein Anbieter aus Deutschland sein

Dabei stellt die deutsche Besonderheit aber nicht zwingend einen Nachteil dar, so der Faizod-Manager weiter. Er kennt Unternehmen, die bestehen in Sachen Blockchain auf einem deutschen Anbieter. Als einzige Alternative komme gerade noch ein französischer Player in Frage. Keinesfalls ein Amerikaner.

Auch eine solch strikte Haltung kann aufbrechen, erwartet Bosch: "Vertrauen ist ja nichts Statisches: Wer welcher Technologie oder welcher Art der Kommunikation vertraut, ändert sich kontinuierlich." Änderung ist das Stichwort für IBM-CTO Martin: "Der aktuelle Hype bietet uns Möglichkeiten, ins Gespräch zu kommen, ganze Geschäftsprozesse zu überdenken und neu zu gestalten." Die Blockchain als Desing-Thinking-Tool - eine These, der die ganze Runde zustimmt. Jetzt ist es an den Entscheidern, die Chancen zu kommunizieren und die Blockchain von der Kette zu lassen.

Blockchain praktisch lernen

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