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Managementfehler bei der Migration

Die 5 häufigsten Gründe, warum Cloud-Projekte scheitern

24.09.2020
Viele IT-Teams planen die Migration in die Cloud gut durch – mit ihren bewährten Projektmethoden. Doch diese lassen oft wichtige Eigenheiten der Cloud unberücksichtigt.

Cloud-Projekte haben kein Abonnement auf Erfolg - im Gegenteil. Das Marktforschungsunternehmen IDC schätzt, dass 85 Prozent der Unternehmen in die Cloud migrierte Workloads wieder in unternehmenseigene Infrastrukturen zurückholen.

Viele Cloud-Projekte scheitern. Weil sie Abhängigkeiten in Bezug auf die richtige Anbindung und um Compliance und Datenschutz vergessen.
Viele Cloud-Projekte scheitern. Weil sie Abhängigkeiten in Bezug auf die richtige Anbindung und um Compliance und Datenschutz vergessen.
Foto: Who is Danny - shutterstock.com

Wenn Cloud-Projekte scheitern, sind dafür im Wesentlichen die folgenden fünf Gründe verantwortlich:

1. An der Planung sparen

Cloud-Services lassen sich per Knopfdruck in Sekundenschnelle buchen. Das verführt viele Unternehmen dazu, Infrastruktur und Services spontan und nach Bedarf zu nutzen, ohne über eine Strategie und ein Cloud-Gesamtkonzept nachzudenken.

Die Folge sind Wildwuchs, Schatten-IT und erhebliche Sicherheitsrisiken. Laut dem Sicherheitsspezialisten McAfee bleiben 99 Prozent falsch konfigurierter Cloud-Server unentdeckt, 91 Prozent der Daten, die in der Cloud liegen, werden unverschlüsselt abgelegt und 79 Prozent der Unternehmen erlauben den Zugriff auf betriebseigene Cloud-Ressourcen von privaten Smartphones und Laptops aus.

"Unternehmen gehen bei der Cloud-Migration ein hohes Risiko ein, wenn sie diese nicht sorgfältig planen", warnt Yannick Feuser. Der Leiter Service und Consulting im Bechtle IT-Systemhaus Offenburg beobachtet häufig, dass Kunden am falschen Ende sparen, und auf wichtige Vorarbeiten wie ein Pflichtenheft und einen Proof of Concept verzichten. "Fehlt eine gründliche Validierung, ist das für mich ein ernstes Alarmzeichen", erklärt der Bechtle-Experte. "Dadurch steigt die Gefahr deutlich, dass ein Cloud-Projekt scheitert."

2. Abhängigkeiten vernachlässigen

Natürlich wird in den meisten Cloud-Projekten auf die Anbindung von Datenbanken oder anderen Hilfssystemen geachtet. Unternehmenskritische Altsysteme werden jedoch häufig ignoriert. "Das sind oft ganz banale Dinge", sagt Feuser. "Lässt sich das Zeiterfassungssystem nicht an die HR-Services in der Cloud anbinden oder der Barcode-Scanner versteht sich nicht mit der Logistik-Applikation, droht das ganze Projekt zu scheitern."

Solche Altsysteme sind heute noch verbreitet, wie eine IDG-Studie zeigt. In mehr als der Hälfte der befragten Unternehmen waren mindestens 50 Prozent der Bestandssysteme schon seit vielen Jahren im produktiven Einsatz. Bei einem Drittel der Befragten deckten sie mindestens 50 Prozent der geschäftskritischen Prozesse ab.

3. Bandbreiten- und Latenzprobleme unterschätzen

Der Breitbandausbau ist in Deutschland nach wie vor unbefriedigend. Im EU-Vergleich liegt die Bundesrepublik weit hinter den Spitzenreitern, vor allem was die Versorgung ländlicher Gebiete angeht. Laut dem Digital Economy and Society Index (DESI) 2019 der Europäischen Kommission sind hierzulande weniger als 20 Prozent der ländlichen Haushalte mit Hochgeschwindigkeitszugängen versorgt. In Portugal und Lettland sind es bereits über 70 Prozent, in den Niederlanden und auf Malta sogar über 95 Prozent.

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Das Bechtle Cloud-Vorgehensmodell

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Alles zum Vorgehensmodell

Zu gering dimensionierte Netzzugänge können die Cloud-Nutzung erheblich einschränken, weiß Bechtle-Experte Feuser: "Man muss sich das Leitungsnetz vor einer Cloud-Migration genau anschauen. Auch heute noch fehlt es in ländlichen Gebieten oft an Bandbreite."

In solchen Fällen empfiehlt Feuser, auf Hybrid-Szenarien mit On-Premise und Multi-Cloud zu setzen: "Bei geringer Bandbreite können die Anwender direkt mit Thin Clients in der Cloud oder einem Bechtle-Rechenzentrum arbeiten. Steht mehr Bandbreite zur Verfügung, ist auch ein Szenario möglich mit Fat Clients und der direkten Anbindung an das firmeneigene Rechenzentrum."

4. Verantwortung an den Provider abgeben

Viele Unternehmen glauben, die Verantwortung für Verfügbarkeit, Sicherheit und Datenschutz an den Provider abgeben zu können. Das ist ein Irrglaube. "Nicht alle Cloud-Dienste sind so zuverlässig und verfügbar, wie es Provider glauben machen wollen", warnt Feuser. "Daher sollten Unternehmen immer eine Fallback-Strategie besitzen."

Aus seiner Erfahrung funktioniert das mit Software-as-a-Service (SaaS) besser als mit Platform- oder Infrastrukturdiensten (PaaS /IaaS). "Es kann daher sinnvoll sein, eine Virtual Desktop Infrastructure in der Cloud durch SaaS-Lösungen von Drittanbietern zu ergänzen", schlägt Feuser vor. "Fällt der Desktop aus, kann ich wenigsten noch mit einem Mobilgerät auf E-Mails und andere Dienste zugreifen."

5. Alles selbst machen

Der einfache Zugang zu Cloud-Ressourcen führt häufig dazu, dass viele Unternehmen die Komplexität von Cloud-Projekten unter- und die eigenen Kompetenzen überschätzen. "Eine Cloud-Migration ist etwas völlig anderes als ein typisches IT-Infrastrukturprojekt", sagt Feuser. "Der klassische Systemingenieur ist damit überfordert." Es brauche Business- und Solutions-Architekten, die der Lage sind, das Gesamtprojekt aus der Adlerperspektive zu betrachten und alle vorgenannten Punkte im Blick zu halten.

Nach der Migration: Alarmzeichen rechtzeitig wahrnehmen

Spätestens, wenn sich Anwender häufiger beschweren, sollten die Verantwortlichen für ein Cloud-Projekt hellhörig werden, sagt der Bechtle-Experte: "Geht die Nutzerakzeptanz zurück, signalisiert das oft, dass etwas nicht stimmt."

Ist eine Cloud-Lösung bereits produktiv im Einsatz, lässt sie sich allerdings nicht ohne Weiteres stoppen. "Kleinere Schönheitsfehler kann man in der Regel gut beheben, etwa indem man zusätzliche Cloud-Services bucht oder bestehende anders dimensioniert", weiß Feuser. Liegen allerdings grundsätzliche Fehler in der Architektur der Cloud-Umgebung vor, muss man notfalls einen Stopp einlegen und noch einmal in die Konzeptionierung gehen."

Wer also Cloud-Projekte nicht sorgfältig plant und vorbereitet, geht erhebliche Risiken ein. Oft fehlen allerdings gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen die nötigen Personalressourcen und das notwendige Know-how, um eine Cloud-Migration eigenständig zu konzeptionieren und durchzuführen.

Hier bieten Experten wie die Bechtle-Systemhäuser Unterstützung. Bechtle hat ein mehrstufiges Vorgehensmodell entwickelt, das Unternehmen zu einer perfekt angepassten und sicheren Cloud-Lösung verhilft. Das steigert die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Cloud-Migration deutlich.