Cisco-Deutschland-Chef Peter zieht positive Bilanz

Deutschland Digital – Besser als sein Ruf

25.09.2019
Von 
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
In Sachen Digitalisierung ist Deutschland zwar besser als sein Ruf, dennoch gibt es noch Handlungsbedarf. Ciscos neuer Deutschland-Geschäftsführer Uwe Peter hat mit Blick auf Deutschland Digital 2025 fünf Thesen aufgestellt.
Deutschland steht in Sachen Digitalisierung besser da, als sein Ruf ist.
Deutschland steht in Sachen Digitalisierung besser da, als sein Ruf ist.
Foto: Zapp2Photo - shutterstock.com

Vor etwas über drei Jahren rief Cisco-Boss Chuck Robbins das Programm "Deutschland Digital" im Rahmen der Cisco-Initiative "Country Digitization Acceleration" ins Leben. Über das übliche finanzielle Engagement hinaus wollte der Netzausrüster 500 Millionen Dollar in den Bereichen Innovation, Bildung und Sicherheit investieren.

Der seit Februar 2019 amtierende Deutschland-Chef Uwe Peter zog jetzt Bilanz. Er kommt zu dem Resümee, dass die Digitalisierung in Deutschland weiter fortgeschritten ist, als viele denken. Gleichzeitig müssen in den Augen Peters jetzt die Weichen für weitere Investitionen in Sachen Digitalisierung gestellt werden.

Deutschland auf Rang 6

Insgesamt ist man bei Cisco davon überzeugt, dass Deutschland und die die deutschen Unternehmen in Sachen digitaler Transformation schon viel weiter sind, als die Bürger denken. Obwohl laut Cisco-Untersuchungen 61 Prozent der Bürger glauben, dass Deutschland ein digitaler Nachzügler ist, liegt das Land im Digital Readiness Index auf Platz 6 von 118 untersuchten Nationen. Dennoch kann diese relativ gute Platzierung nicht darüber hinwegtäuschen, dass es eine Reihe von Herausforderungen gibt, die es zu meistern gilt.

So hinkt Deutschland laut Cisco etwa bei der Ausbildung und der Infrastruktur im ländlichen Raum hinterher. Wie in der Gesamtpunktzahl, liegt Deutschland auch bei der Infrastruktur auf Rang 6. Bei der Nutzung digitaler Technologien liegt das Land lediglich auf Platz 18. Ein weiteres Manko sei die Investitionsfreudigkeit in Deutschland, welche im internationalen Vergleich nur für Rang 29 reicht. Nachholbedarf gibt es aus Sicht des Unternehmens auch im Umfeld für Start-ups. Hier kommt Deutschland nur auf Position 28. Bricht man die Ergebnisse auf die einzelnen Bundesländer herunter, so kristallisieren sich klar vier Hotspots der Digitalisierung heraus: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin und Hamburg.

Fünf Thesen zur Digitalisierung

Uwe Peter, Geschäftsführer Cisco Deutschland, hat fünf Thesen zur digitalen Transformation in Deutschland aufgestellt.16:9
Uwe Peter, Geschäftsführer Cisco Deutschland, hat fünf Thesen zur digitalen Transformation in Deutschland aufgestellt.16:9
Foto: Cisco

Grundsätzlich ist Cisco-Geschäftsführer Peter aber überzeugt: "Digitalisierung schafft Wohlstand - für alle, nicht nur für Einzelne. Aber diese Transformation kann auch nur mit gemeinsamen Anstrengungen gelingen." Mit Blick auf Deutschland Digital 2025 stellt Peter folgende fünf Thesen auf:

  1. Digitalisierung ist Wohlstand

  2. Gemeinsam schaffen wir ein smartes Deutschland

  3. Machen wir Datenschutz und Datensicherheit zu unserem Standortvorteil

  4. Lasst Maschinen die Maschinen steuern

  5. Nur wer Digitalisierung versteht, kann sie nutzen

Infrastruktur braucht Investitionen

Im Detail appelliert Peter etwa, dass es "nicht nur Smart Cities geben darf, wir brauchen auch Smart Regions". Dabei komme den digitalen Angeboten im ländlichen Raum - auch im Gesundheits- und Bildungsbereich eine entscheidende Rolle zu. Cisco hat sich hier beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn engagiert und einen Medibus entwickelt, der mobil ärztliche Dienstleistungen in die Regionen bringen soll. Ferner will das Unternehmen in den nächsten drei Jahren fünf Milliarden Dollar in 5G investieren. Gleichzeitig will man mit Wi-Fi 6 einen stabileren und schnelleren Internet-Zugang in der Fläche anbieten. Peter glaubt etwa, dass 2022 lediglich 20 Prozent des Datenverkehrs auf 5G entfallen, dafür aber 50 Prozent über WLAN abgewickelt werden. Die restlichen 30 Prozent werden über kabelgebundene/glasfaserbasierte Technologien übertragen, so die Prognose.

Weiteren Handlungsbedarf sieht der Deutschland-Chef beim Thema Automatisierung, "wenn wir verhindern wollen, dass die Lichter ausgehen". Peter zufolge geht es längst nicht mehr um die Frage, wie mit Industrie 4.0, Smart Factories etc. die Kosten gesenkt werden können, sondern darum, wie man dem sich verschärfenden Fachkräftemangel begegnen kann. "In den nächsten zehn Jahren gehen rund 70 Prozent der heute Beschäftigten in den Ruhestand", unterstreicht Peter. Hier kommen für Peter etwa Künstliche Intelligenz und smarte Software ins Spiel.

Breite Bildungsoffensive statt Spitzen-Unis

All dies benötigt allerdings auch einen soliden Unterbau in Form von Bildung. "Wir brauchen nicht nur Spitzen-Unis, sondern eine breite Bildungsoffensive, damit die Menschen wissen, um was es bei der Digitalisierung geht und wozu sie gut ist", fordert der Manager, "und jeder muss digital denken können." Eine Herausforderung, die sich der Netzausrüster mit seiner Network Academy gestellt hat. In Zusammenarbeit mit über 600 Bildungsinstitutionen hat das Unternehmen nach eigenen Angaben in den letzten zehn Jahren bereits 250.000 Experten ausgebildet. Derzeit würden 50.000 Menschen an dem Programm partizipieren. Dabei wendet sich das Programm nicht nur an Techniker und ITler, sondern soll den Beschäftigten allgemein digitale Kompetenzen vermitteln. Des Weiteren arbeitet Cisco auch mit etlichen Flüchtlingsorganisationen zusammen, um Flüchtlinge entsprechend auszubilden.

Alle diese Initiativen helfen allerdings laut Peter nur bedingt weiter, wenn hierzulande die Digitalisierung nicht endlich als Teamsport begriffen wird, an dem sich alle beteiligen. So bereitet dem Manager etwa Sorgen, dass es kaum Wagniskapital für diesen Bereich gibt. Und mit Blick auf den Bereich Digital Health - aber nicht nur diesen - fordert er Innovations-Cluster, um die Entwicklung zu beschleunigen. Insgesamt glaubt Peter, dass in Deutschland die nötigen Schritte in die richtige Richtung eingeschlagen wurden, jetzt gelte es aber, die Projekte zu realisieren.