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Deutsche Wirtschaft bläst zur Aufholjagd beim E-Business

24.11.2000
Deutsche Unternehmen sind in Sachen Internet besser als ihr Ruf. Diesen Eindruck vermittelt zumindest eine gemeinsame Studie der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und KPMG Consulting.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Deutsche Unternehmen sind in Sachen Internet besser als ihr Ruf. Diesen Eindruck vermittelt zumindest eine gemeinsame Studie der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und KPMG Consulting. Doch das Potenzial von E-Business wird noch nicht ausreichend genutzt. Nur ein Drittel der befragten Firmen verzeichnet heute bereits Umsätze durch E-Commerce.

Die Ergebnisse der Studie "E-Business in der deutschen Wirtschaft - Status quo und Perspektiven 2001", die BDA-Präsident Dieter Hundt und der Vorstandssprecher von KPMG Deutschland, Harald Wiedmann, Anfang der Woche in Berlin vorstellten, vermitteln ein eher differenziertes Bild der Rolle des Internet in der hiesigen Industrie. So gaben gut 90 Prozent von insgesamt 371 Unternehmen an, dass sie gegenwärtig online sind. Im Vordergrund stehen dabei allerdings immer noch Information und Kommunikation, beispielsweise in Form direkter Kundenansprache oder allgemeinen E-Mail-Verkehrs.

Bestenfalls neun von zehn Firmen planen jedoch, ihre Online-Aktivitäten binnen der nächsten drei Jahre weiter auszubauen. Insbesondere der Bereich Beschaffung/Einkauf wird an Bedeutung gewinnen; elektronische Marktplätze dürften dabei am stärksten zulegen. Nur ganze zwei Prozent der Unternehmen haben derzeit keinen und planen auch zukünftig keinen eigenen Online-Auftritt.

Doch zu Euphorie besteht trotzdem kein Anlass. Eher zurückhaltend schätzen die Unternehmen nämlich die Umsatzentwicklung im E-Commerce ein. Nur etwa ein Drittel verzeichnet laut Studie heute bereits einschlägige Einnahmen, gemessen am jeweiligen Jahresumsatz fallen diese zudem mit einem Anteil von 0,1 bis maximal zehn Prozent eher bescheiden aus.

Aber die Anzahl von Firmen, die durch E-Commerce neues beziehungsweise zusätzliches Geschäft realisieren wollen, wird mittelfristig immerhin auf die Hälfte wachsen, heißt es weiter. Auch die Erwartungen in puncto E-Commerce-Umsätze steigen - wenn auch nicht so signifikant. Die meisten der Firmen gehen davon aus, in drei Jahren zwischen zehn und 20 Prozent ihrer Einnahmen mit E-Commerce zu erzielen.

Als Hemmschuh bei der Umsetzung einer eigenen E-Business-Strategie sieht jedes vierte Unternehmen das Problem fehlender Fachkräfte. Überdurchschnittlich hoch liegen diese Werte der Untersuchung zufolge vor allem bei Banken und Versicherungen. BDA-Präsident Hundt stellte in diesem Zusammenhang klar, dass die Green Card nur "ein erster Lösungsansatz" sei. Mittel- und langfristig müssten Berufswahlentscheidungen junger Menschen durch Schule und Hochschule zugunsten "Internet-basierter Bereiche beeinflusst werden".

Sowohl Hundt als auch Wiedmann betonten, dass die Studie den Anspruch erhebe, das "Stimmungsbild der gesamten deutschen Wirtschaft abzudecken". Das von über 2800 befragten Unternehmen letztlich nur 371 antworteten, sei eine "statistisch übliche und überzeugende Rücklaufquote". Immerhin betrage die Gesamtzahl der Beschäftigten in den Auskunft gebenden Unternehmen knapp zwei Millionen.

Interessant dürften in jedem Fall noch zwei andere Ergebnisse sein: Die Branchenzugehörigkeit der an der Umfrage beteiligten Firmen bietet eher ein Abbild der Old Economy. So sind 44 Prozent im verarbeitenden Gewerbe tätig. Elf Prozent der Antworten kamen aus dem Bereich Banken/Versicherungen, je zehn Prozent stammen aus dem Sektoren Chemie/Pharmazie und Handel. Zweitens wird mit dem E-Business offensichtlich nicht nur die Hoffnung auf neue Märkte beziehungsweise Absatzkanäle verknüpft. So erwarten 68 Prozent der Unternehmen eine deutliche Effizienzsteigerung ihrer Geschäftsprozesse. Ungefähr die Hälfte will die Kundenbindung verbessern, und 40 Prozent bauen primär auf entsprechende Kostensenkungspotenziale.