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Deutsche Telekom schreibt wieder schwarze Zahlen

15.05.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Deutschen Telekom ist es im ersten Quartal 2003 gelungen, wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Für weitere Überraschung sorgte eine Umstellung der Rechnungslegung, die die Prognosen der Analysten für einzelne Sparten teilweise Makulatur werden ließ.

Der Bonner TK-Konzern wies nach einem Fehlbetrag von 1,8 Milliarden Euro im Anfangsquartal 2002 nun einen Nettogewinn von 853 Millionen Euro aus. Sondereinflüsse wie Beteiligungsverkäufe ausgeklammert, lag der (Pro-forma-)Profit noch bei 100 Millionen Euro, verglichen mit einem Minus von 1,4 Milliarden Euro im Vorjahr. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sowie ohne Sonderfaktoren steigerte die Telekom ihren Gewinn um 18,4 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Der magentafarbene TK-Riese übertraf damit die Prognosen der Analysten. Diese hatten im Schnitt nur mit einem bereinigten EBITDA von 4,2 Milliarden Euro und einem Nettoverlust gerechnet. Der Umsatz stieg um 6,6 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro, lag damit jedoch unter den Prognosen der Finanzexperten. Fortschritte erzielte der Konzern auch beim Schuldenabbau: Dank des freien Cashflows von zwei Milliarden Euro und weiteren Immobilienverkäufen sanken die Verbindlichkeiten in den ersten drei Monaten von 61,1 Milliarden auf 56,3

Milliarden Euro.

Konzernchef Kai-Uwe Ricke wertete die aktuellen Zahlen als Beweis, dass die Telekom nun die Wende eingeleitet habe. Dabei seien die eigenen Ziele bei der Entschuldung und dem Nettogewinn sogar übertroffen worden. Als neues Ergebnisziel setzte Ricke für das Gesamtjahr nun eine schwarze Null, gleichzeitig bekräftigte er die Pläne, die Schulden bis Jahresende auf 50 Milliarden Euro zu senken.

Wie die Telekom berichtet, trugen alle vier Säulen des Konzerns zur Ergebnisverbesserung bei, das Verhältnis zwischen Umsätzen und Kosten sei durch das laufende Effizienzsteigerungsprogramm bereits deutlich verbessert worden. So konnte die Festnetzsparte T-Com bei nahezu stagnierenden Einnahmen ihren EBITDA-Profit vor Sondereinflüssen um 15,4 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro steigern. Das Sorgenkind T-Systems wuchs bei den Einnahmen um 2,8 Prozent auf knapp 2,6 Milliarden Euro, der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Sondereffekte legte dagegen im Jahresvergleich um 42,6 Prozent auf 368 Millionen Euro zu. Der Umsatz von T-Mobile wuchs gegenüber dem Vorjahresquartal um 18,9 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro zu, beim EBITDA sogar um 25 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Die Internet-Sparte T-Online erzielte - wie bereits am Dienstag berichtet - ein Umsatzwachstum um 21,6 Prozent auf 445 Millionen Euro. Das EBITDA lag bei 76 Millionen Euro, während im entsprechenden Vorjahreszeitraum

noch ein Minus von zirka 14 Millionen Euro hingenommen werden musste.

Der TK-Konzern hat zum Jahreswechsel seine Rechnungslegung umgestellt und im Anfangsquartal 2003 erstmals das Gesamtkosten- durch das Umsatzkostenverfahren ersetzt. Dieses sieht vor, dass die Herstellungskosten der abgesetzten Leistungen und die anteiligen Verwaltungs- und Vertriebskosten den Umsatzerlösen gegenübergestellt werden. So wurden unter anderem die Ergebnisse der Telefonbuchsparte DeTeMedien erstmals im Segment T-Com verbucht, während sie in der Vergangenheit zu T-Online gezählt wurden. Durch eine andere Neuordnung stiegen die Außenumsätze bei der Festnetzsparte und - in geringerem Ausmaß - bei T-Mobile, während die Einnahmen der Dienstleister T-Systems zurückgingen. Zur besseren Vergleichbarkeit hatte die Telekom die Vorjahreswerte der einzelnen Sparten entsprechend angepasst. Während die Konzernzahlen von der Umstellung nicht betroffen sind, wurden die Prognosen der Analysten über das Abschneiden einzelner Geschäftsbereiche teilweise

hinfällig. (mb)