Spiegel-Bericht

Deutsche Sicherheitsbehörden wollen 5G-Netz abhören können

05.06.2019
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Seine erste Berührung mit Informatik erfolgte an einem C64 samt Floppy VC 1541. Von Anfang an nutzte er diesen faszinierenden Heimcomputer nicht nur zum Daddeln, sondern auch für die Basic-Programmierung. Unter anderem half er seinen damals etwas müden Kopfrechnen-Fähigkeiten auf die Sprünge, indem er ein Programm schrieb, das immer zwei zufällig ausgewählte Zahlen zur Multiplikation stellte. Im Hintergrund lief ein Timer. Nur wenn er das Ergebnis innerhalb des vorgegebenen Zeitraums, der leider manchmal zu knapp bemessen war, richtig eintippte, bekam er einen Punkt gutgeschrieben. Seine Highscore-Ergebnisse waren durchwachsen, seine Programmierkenntnisse dafür umso besser. Der Lehrstuhl, an dem er als studentische Hilfskraft angestellt war, gehörte seinerzeit zu den Vorreitern in Sachen IT. Man übersetzte damals die griechischen Inschriften der antiken Stadt Hierapolis – heute ist dieses türkische Pamukkale bekannt durch seine Kalksinter-Terrassen. Die wissenschaftlich korrekt erfassten und kommentierten Inschriften bearbeiteten Dirscherl und Kollegen zunächst in Wordperfect. Anschließend landeten die Texte in einer Datenbank, die auf CD gepresst und für sündhaft viel Geld weltweit verkauft wurde. Über dieses epigraphische Datenbankprojekt, diverse C-Programmierereien auf Unix-Systemen und seine ersten Experimente mit Linux landete er schließlich professionell bei der IT. Seit den späten 1990-ern nutzt er Linux als Produktivsystem, seit Anfang der 2000-er Jahre ist Linux sein hauptsächliches OS. Nach vielen Jahren mit Suse Linux und Open Suse und zwischendurch Ausflügen zu Red Hat und Debian landete er bei Ubuntu und erledigt damit alle Arbeiten. Linux und C ist er bis heute treu geblieben – nach einem Ausflug zu PHP und MySQL. Mittlerweile bastelt er auch mit Arduino. Bei pcwelt.de betreut er vor allem Business-IT-Themen und hat den Auto & Technik-Bereich von Null beginnend aufgebaut. Seine Tests der Infotainmentsysteme in modernen Fahrzeugen gehören zu den ausführlichsten Tests, die man dazu überhaupt finden kann. Daneben schreibt er zudem fast täglich aktuelle Meldungen aus der IT-Welt.
Die Sicherheitsbehörden der Bundesrepublik Deutschland wollen Zugriff auf das kommende 5G-Mobilfunknetz. Die Mobilfunk-Provider sollen entsprechend gesetzlich verpflichtet werden.

Die Sicherheitsbehörden der Bundesrepublik Deutschland wollen Zugriff auf das kommende 5G-Mobilfunknetz. Das berichtet Spiegel Online. Demnach wollen die Justizminister der Bundesländer verhindern, dass das neue 5G-Netz abhörsicherer als das bisherige 4G-Netz wird.

Deutsche Sicherheitsbehörden wollen 5G-Netz abhören können
Deutsche Sicherheitsbehörden wollen 5G-Netz abhören können
Foto: Telefonica Deutschland/Jörg Borm

Die Mobilfunkprovider sollen deshalb gesetzlich verpflichtet werden, dass sie den staatlichen Sicherheitsorganen die TKÜ-Daten (Telekommunikationsüberwachung) „in gleichem Umfang und in gleicher technischer Qualität wie bisher zur Verfügung“ stellen können und müssen. Das Bundesjustizministerium soll sich dafür einsetzen, dass die Anforderungen der Sicherheitsbehörden in die noch zu erstellenden technischen Spezifikationen für den 5G-Standard aufgenommen werden. Auch bei der gerade laufenden Versteigerung der 5G-Frequenzen sollen diese Anforderungen berücksichtigt werden. Zudem sollen Telekommunikationsgesetz, Telemediengesetz und Strafprozessordnung, soweit erforderlich, entsprechend für die Überwachung von 5G angepasst werden.

Die Justizminister fürchten beispielsweise die generelle Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für die gesamte 5G-Kommunikation. Dadurch könnten die Sicherheitsbehörden Endgeräte nur noch dann abhören, wenn sie auf diesen den Staatstrojaner installieren und die Gespräche damit also entweder vor dem Verschlüsseln auf dem Quellgerät oder nach dem Entschlüsseln auf dem Zielgerät abfangen. Zudem werden IMSI-Catcher mit 5G wirkungslos. Mit IMSI-Catcher kann die Polizei im 4G-Netz die International Mobile Subscriber Identity (IMSI) von Mobilgeräten ermitteln und somit deren Standort feststellen. Dazu kommen noch weitere technische Eigenschaften von 5G, die das Abhören zusätzlich erschweren. Das Ganze läuft darauf hinaus, dass die Provider dazu verpflichtet werden mit den Sicherheitsbehörden zusammen zu arbeiten und diesen - falls erforderlich - die benötigten Daten der Nutzer zu beschaffen.

Die Innenminister der Bundesländer wiederum unterstützen das Vorgehen der Justizminister in Bezug auf eine auf 5G zugeschnittene Anpassung von Telekommunikationsgesetz und Telemediengesetz und der "Mitwirkungspflicht der Provider“. (PC-Welt)