D21-Digital-Index

Deutsche haben Lust auf Digitalisierung

26.02.2020
Von 
Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
Die digitale Begeisterung in der deutschen Bevölkerung nimmt zu. Allerdings ist die Gefahr groß, dass die weniger Gebildeten abgehängt werden.

"Die Deutschen haben Lust auf Digitalisierung", fasste Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21, die Ergebnisse der diesjährigen Studie "D21-Digital-Index" zusammen. Die Menschen hierzulande würden den Einfluss digitaler Technologien auf ihr Leben und ihre Arbeit grundsätzlich positiver empfinden. Schwaderer warnte aber auch, dass die Bildung einen entscheidenden Einfluss darauf habe, wie sattelfest die Menschen den Anforderungen des digitalen Wandels entgegentreten. "Vor allem Bürgerinnen und Bürger mit geringer formaler Bildung sehen den Einfluss der Digitalisierung auf Herausforderungen wie Arbeitsplatzverlust oder Wegfall von Tätigkeiten deutlich kritischer, fühlen sich häufiger überfordert."

Die Deutschen haben immer mehr Bock auf Digitalisierung.
Die Deutschen haben immer mehr Bock auf Digitalisierung.
Foto: Wpadington - shutterstock.com

Der D21-Digital-Index ist eine Studie der Initiative D21. Insgesamt wurden 20.322 Interviews in Deutschland geführt, davon über 2000 mit vertiefenden Fragen. D21 wollte herausfinden wie die Deutschen zum digitalen Wandel stehen. Dabei ging es um Aspekte wie digitale Selbstbestimmtheit und digitales Arbeiten, aber auch um Fragen zur Datensouveränität, möglicher Wahlbeeinflussung und der Internetnutzung in den einzelnen Bundesländern. Heraus kam ein Lagebild zur digitalen Gesellschaft.

D21-Studie: Der digitale Spalt bleibt bestehen

Auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten hat die deutsche Gesellschaft im aktuellen Index einen Wert von 58 Punkten erreicht, drei mehr als im vergangenen Jahr. Damit steigt der Digitalisierungsgrad seit 2016 merklich an, nachdem der Index in den Jahren 2013 bis 2015 bei knapp über 50 Zählern stagnierte. Grund für den jüngsten Zuwachs sind erstmals Steigerungen bei allen vier Subindizes: Zugang (plus vier Punkte), Kompetenz (plus drei Punkte), Nutzungsverhalten (plus vier Punkte) und Offenheit gegenüber digitalen Themen (plus ein Punkt).

Der Digitalindex stieg 2019 im Vergleich zum Vorjahr um drei Zähler auf 58 Punkte.
Der Digitalindex stieg 2019 im Vergleich zum Vorjahr um drei Zähler auf 58 Punkte.
Foto: D21

86 Prozent der deutschen Bevölkerung sind derzeit online, das ist ein Plus von zwei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Wichtigster Treiber ist das mobile Internet, das inzwischen 74 Prozent der Bevölkerung nutzen (plus sechs Prozentpunkte). In der Altersgruppe zwischen 14 und 59 Jahren ist mittlerweile fast jeder online. Doch auch die älteren Generationen gehen ins Netz: 81 Prozent der 60 bis 69-Jährigen und mehr als die Hälfte der über 70-Jährigen sind online.

86 Prozent der Deutschen sind online.
86 Prozent der Deutschen sind online.
Foto: D21

Zum ersten Mal in der Geschichte des D21-Index ist die Gruppe derjenigen, die sich als "Digitale VorreiterInnen" bezeichnen, am größten (44 Prozent - plus sieben Prozentpunkte). Die Gruppe der "Digital Mithaltenden", verkleinert sich von 42 auf 38 Prozent und der Anteil der "Digital Abseitsstehenden" schrumpft um drei Prozentpunkte auf 18 Prozent. Der Grad der Digitalkompetenz bleibt indes relativ. Viele Fähigkeiten bleiben auf den Umgang mit dem Smartphone beschränkt, wie das Aufnehmen und Versenden von Fotos sowie der Versand von Nachrichten. Programmieren oder Webseiten gestalten können die Wenigsten.

Viele digitale Fertigkeiten beschränken sich auf das Smartphone.
Viele digitale Fertigkeiten beschränken sich auf das Smartphone.
Foto: D21

Auch beim Verständnis von digitalen Fachbegriffen gibt es noch Luft nach oben. So gaben zwar mehr als die Hälfte der Befragten an, Begriffe wie Fake News, künstliche Intelligenz oder Cloud erklären zu können. Hakt man jedoch genauer nach, stellt sich heraus, dass dieses vermeintliche Wissen bei vielen eher unscharf ausgeprägt ist. Mit Themen wie dem Internet of Things oder Blockchain können nur wenige etwas anfangen.

D21 Digitalindex 2019/2020
D21 Digitalindex 2019/2020
Foto: D21

Insgesamt bekommen die Menschen hierzulande die Auswirkungen der Digitalisierung immer stärker zu spüren. 43 Prozent der Befragten gaben an, dass sich ihre Arbeitsabläufe durch den digitalen Wandel bereits spürbar verändert haben. Bei Personen mit einem Bürojob sind es sogar 58 Prozent. In der Bewertung dieser Entwicklungen sind die Menschen uneins: Jeweils knapp 40 Prozent der Berufstätigen sehen einerseits neue Jobchancen, fast ebenso viele fühlen sich aber auch zunehmend unter Druck gesetzt.

D21-Digital-Index: Gefahr der digitalen Spaltung

Um den Anforderungen der Digitalisierung gewachsen zu sein, gilt es lebenslang weiter zu lernen. Das sagen über drei Viertel der Interviewten. 27 Prozent von ihnen empfinden dies jedoch als Belastung. Grundsätzlich erweist sich hierzulande das Thema Bildung als die Achillesferse der Digitalisierung. So glaubt nur ein gutes Drittel der Befragten, dass deutsche Schulen die notwendigen Digitalisierungsfähigkeiten vermitteln können.

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Außerdem hat die aktuelle Umfrage gezeigt, dass in Sachen Online-Nutzung und der Verwendung digitaler Techniken der Anschluss gering gebildeter Personen an die restliche Bevölkerung noch nicht gelungen ist: Menschen mit hoher und mittlerer Bildung sind zu über 90 Prozent online, mit niedriger Bildung nur zu 64 Prozent. Da sich durch die fortschreitende Digitalisierung das tägliche Leben wie auch die Arbeitswelt weiter verändern, liefen weniger Gebildete Gefahr, dauerhaft von gesellschaftlicher Teilhabe und Mitgestaltung ausgeschlossen zu werden, warnen die Verantwortlichen der D21-Initiative.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mahnt, dass die Digitalisierung in Schule, Studium und Ausbildung noch stärker eingesetzt und vermittelt werden muss.
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mahnt, dass die Digitalisierung in Schule, Studium und Ausbildung noch stärker eingesetzt und vermittelt werden muss.
Foto: Alexandros Michailidis - shutterstock.com

"Auch in Zukunft wird es wichtig bleiben, denjenigen Menschen Hilfestellungen zu geben, die mit der Digitalisierung noch nicht Schritt halten können", kommentierte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier die Ergebnisse der Studie. Es sei erfreulich, dass die Mehrzahl der Menschen in unserem Land die Auswirkungen der Digitalisierung eher positiv wahrnahm und optimistisch in die Zukunft blickte, stellte der CDU-Politiker fest. "Aber sie finden auch, dass Digitalisierung in Schule, Studium und Ausbildung noch stärker eingesetzt und vermittelt werden muss. Hier muss Deutschland besser werden."