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Deutsche Green-Card-Initiative lässt Osteuropäer kalt

21.03.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die von Bundeskanzler Gerhard Schröder angeleierte Green-Card-Initiative für IT-Fachkräfte scheint vor allem für Entwicklungsländer wie Indien interessant zu sein, nicht jedoch für die unmittelbaren Nachbarländer wie die Tschechische Republik. So berichtet das "Prague Business Journal" in seiner gestrigen Ausgabe darüber, dass tschechische Firmen und Behörden keineswegs mit einer Abwanderungswelle von hochqualifizierten High-Tech-Kräften rechnen. Derzeit gewährt Deutschland nur 2000 IT-Facharbeitern aus dem östlichen Nachbarland eine einjährige Arbeitserlaubnis. Im vergangenen Jahr sind nach Angaben des tschechischen Arbeits- und Sozialministeriums jedoch nur wenige dem deutschen Ruf gefolgt. Auch in Zukunft werde sich daran nicht viel ändern, denn viele westeuropäische und internationale Firmen lagern ihre Programmierung und Softwareentwicklung lieber ins billigere Ausland aus. Außerdem

ließen sich viele IT-Jobs bequem als Telearbeit verrichten. Des weiteren boome der tschechische IT-Markt, so dass Hochschulabsolventen direkt von der Universität weg engagiert werden.

Als besonderes K.O.-Kriterium stuft die Prager Tageszeitung jedoch den angeborenen Widerwillen der Tschechen gegen Ortsveränderungen ein. Selbst Wohnortverlagerungen innerhalb des Heimatlandes bereiteten den meisten große Bauchscherzen. Zur Diskussion der deutschen Green-Card-Initiative hat die COMPUTERWOCHE ein Online-Forum eingerichtet.