Studie zur Arbeitsbelastung

Deutsche CIOs leiden am meisten

30.06.2015
Von 
Christiane Pütter ist Journalistin aus München.
Drei von vier deutschen CIOs können nach der Arbeit schwer oder gar nicht abschalten. Weit häufiger als ihre internationalen Kollegen klagen sie über zu viel Arbeit, wie eine Studie von Brocade zeigt.
  • Obwohl 76 Prozent der deutschen CIOs nach der Arbeit nicht abschalten können, zeigen sie sich alles in allem zufrieden mit ihrer Rolle
  • Fast jeder Zweite fürchtet, die Kontrolle über IT-Investitionen und Implementierungen zu verlieren
  • Ständige Erreichbarkeit setzt deutschen CIOs weniger zu als ihren internationalen Kollegen

Wie steht es um das Seelenheil von CIOs? Rund um dieses Thema kreist eine weltweite Befragung im Auftrag von Brocade. Die Ergebnisse zeigen ein widersprüchliches Bild.

Eines aber scheint festzustehen: ein entspannter Job ist der CIO-Posten nicht. 67 Prozent der Studienteilnehmer fällt es schwer, nach der Arbeit abzuschalten. Das gilt insbesondere für Deutsche. Hier sind es sogar 76 Prozent.

Die Studienautoren wollten wissen, woran das liegt. Aus Sicht der Deutschen sind die Dinge klar: an zu viel Arbeit. Das geben jedenfalls mehr als neun von zehn Teilnehmern (92 Prozent) an. Die technologisch bedingte permanente Erreichbarkeit nennen "nur" 42 Prozent der Befragten.

Damit zeigt sich in der Bundesrepublik ein anderes Bild als global gesehen. Im Durchschnitt aller Studienteilnehmer erklären nämlich 66 Prozent die ständige Erreichbarkeit zum Stressor Nummer Eins - von zu viel Arbeit sprechen 60 Prozent.

Erstaunlich ist angesichts dieser Zahlen ein anderes Ergebnis der Studie: eine satte Mehrheit von 96 Prozent (Deutschland) beziehungsweise 98 Prozent (weltweit) ist mit der Rolle als CIO insgesamt zufrieden bis sehr zufrieden.

Zurück zu den Stress-Faktoren. Hier geht es überall auf der Welt zunächst einmal ums Geld. Konkret: 56 Prozent aller Studienteilnehmer (Deutschland: 44 Prozent) befürchten, im Kontakt mit den Fachbereichsleitern die Kontrolle über IT-Investitionen und Implementierungen zu verlieren. Auch fürchten sie allgemein um ihren Einfluss auf den C-Level (Global: 38 Prozent/Deutschland: 28 Prozent).

Jeder Dritte sorgt sich um seine Beziehung zum Team

Auch nicht-IT-seitig zeichnen sich Probleme ab. Rund jeder dritte CIO sorgt sich um seine Beziehung zu seinem Team (Global: 36 Prozent/Deutschland: 32 Prozent). Zudem haben sie Schwierigkeiten, die richtigen Mitarbeiter zu finden (Global: 35 Prozent/Deutschland: 24 Prozent).

Dennoch gibt es offenbar immer wieder kleine Inseln, die von allen genannten Schwierigkeiten unberührt bleiben. Interessanterweise melden auch hier wiederum die Deutschen deutliche Abweichungen vom Durchschnitt. So erklären immerhin 16 Prozent der CIOs in der Bundesrepublik, sie machten sich überhaupt keine Sorgen - im Schnitt sind es nur null bis vier Prozent. Und während im Schnitt fast jeder Vierte (23 Prozent) Angst hat, den Job zu verlieren, falls "er nicht liefert", sagen das in Deutschland nur acht Prozent.