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Der Zwergenaufstand im Ortsnetz beginnt

25.04.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mit dem Start des Call-by-Call-Verfahrens im Ortsnetz fällt am heutigen Freitag das letzte Monopol des TK-Riesen Deutsche Telekom. Ähnlich wie bei der Liberalisierung der Fern- und Auslandsgespräche im Jahr 1998 können sich die Kunden nun auch bei Kurzstreckentelefonaten den günstigsten Anbieter auswählen. Dabei ist kein Wechsel zu dem neuen Betreiber nötig, die Telefonate werden weiter über die Telekom abgerechnet. Die meist kleinen Telefongesellschaften versprechen Preisvorteile von bis zu 70 Prozent gegenüber dem Ex-Monopolisten und locken zum Einstieg mit Dumping-Angeboten unter dem Selbstkostenpreis. Zunächst jedoch müssen sich die Nutzer durch einen unübersichtlichen Tarifdschungel kämpfen und mühsam eine Vorwahl eintippen, um in den Genuss billiger Telefonate zu kommen. Erst ab dem 9. Juli besteht dann die Option, alle Ortsgespräche via

Preselect-Verfahren auch fest über einen anderen Anbieter als die Telekom zu führen.

Im Gegensatz zu den alternativen Anbietern von Ferngesprächen ist die Auswahl bei Call-by-Call im Ortsnetz vergleichsweise übersichtlich: Derzeit bieten nur rund 20 Betreiber den Service. Bundesweit für nahezu alle Ortsnetze gültige Angebote finden sich bei Arcor, 01051 Telecom oder Tele 2, während die Mobilcom-Tochter Freenet.de und andere Unternehmen entsprechende Dienste zunächst nur in ausgewählten Ortsnetzen zur Verfügung stellen.

Trotz Einführungsangeboten von unter einem Cent pro Gesprächsminute bei der neuen Konkurrenz im Ortsnetz befürchtet die Telekom keine drastischen Umsatzeinbußen. Vorstandsmitglied Josef Brauer geht lediglich von einem Umsatzrückgang in niedriger zweistelliger Millionenhöhe aus. Zum Vergleich: Von den neun Milliarden Euro, die der magentafarbene TK-Riese im vergangenen Geschäftsjahr im Festnetz umgesetzt hat, entfielen zirka 2,7 Milliarden Euro auf Ortsgespräche. Auch Preiseinbrüche, wie sie nach der Liberalisierung des Ferngesprächsmarktes auftraten, werden nicht erwartet. (mb)