Autonomes Fahren: Technologie vs. Mensch

Der Tesla-Autopilot-Unfall und die Folgen

16.09.2016
Von  und Lucas Mearian


Florian beschäftigt sich mit vielen Themen rund um Technologie und Management. Daneben betätigt er sich auch in sozialen Netzen.

Selbstfahrende Autos: Technologie überwacht Fahrer?

Innerhalb der nächsten Jahre wird die Vernetzung unserer Autos weiter voranschreiten. Die Branche dürfte dabei - ähnlich wie Tesla - auf die konsequente Weiterentwicklung von Assistenzsystemen setzen, die nach und nach immer mehr Fahraufgaben "erlernen". Dieser Ansicht ist Gil Pratt, seines Zeichens CEO der Forschungsabteilung von Toyota. Auf der New England Motor Press Association Technology Conference des MIT sagte Pratt, die Autobauer seien momentan deutlich stärker auf Assistenzsysteme fokussiert und das werde sich auch in den kommenden Jahren nicht ändern.

Und doch hat Tesla angekündigt, im Jahr 2018 vollautonome Fahrzeuge anbieten zu wollen. Der US-Elektropionier ist hierbei allerdings nicht allein: Erst kürzlich gab der Münchner Autobauer BMW Pläne bekannt, nachdem man bis zum Jahr 2021 sein erstes vollautonomes Serienfahrzeug, den iNext, auf den Markt bringen will. Auch andere Hersteller hegen solcherlei Pläne. Tesla hingegen ist seit dem Beta-Autopiloten bereits einen Schritt weiter und hat einmal mehr Pionierarbeit geleistet für die Industrie geleistet. Eine Strategie, die Elon Musk stets verteidigte. Der tödliche Autopilot-Unfall von Brown, so der Tesla-CEO, sei der erste seiner Art - bei mittlerweile insgesamt 200 Millionen zurückgelegter Kilometer. Verglichen mit den Unfallstatistiken herkömmlicher Fahrzeuge kommt Musk zu dem Schluss, dass Fahrzeuge mit dem Autopilot-Feature "mindestens" 50 Prozent sicherer seien, als solche ohne.

Das Problem an der Sache: Selbst wenn die Autopilot-Software Autos sicherer macht - sie kann auch ein falsches Gefühl von Sicherheit vermitteln. Der Mensch bleibt eben Mensch - sein Handeln ist darauf ausgelegt, die Grenzen der Technologie auszuloten. Selbst wenn dabei Leib und Leben auf dem Spiel stehen. In diesem Fall allerdings nicht nur das eigene, sondern auch das von - möglicherweise unbeteiligten - Dritten.

Vielleicht geht die Kontrolle, die Fahrassistenzsysteme auf das Verhalten des Fahrers ausüben, auch einfach nicht weit genug. Wie wäre es zum Beispiel mit einem touch-sensitiven Lenkrad, dass überwacht, ob die Hände des Fahrers auch wirklich da sind wo sie hingehören? Eine andere Idee wäre die Installation einer Kamera, die "erkennt", ob der Fahrer etwas tut, was er nicht soll. In beiden Fällen könnten die Systeme das betreffende Fahrzeug selbständig zum Stillstand bringen.

Wo auch immer die Entwicklung des Connected Car über die Jahre hin führt: Sicherheitsfeatures sollten künftig so angelegt werden, dass der Fahrer sie nicht - in welcher Form auch immer - missbrauchen kann.

Erste Erkenntnisse zum Unfall, Kooperation mit Mobileye beendet

Ende Juli veröffentlichte das National Transportation Safety Board (NTSB) einen ersten Bericht zum Hergang des tödlichen Crashs Mitte Mai in Florida. Darin wird unter anderem festgestellt, dass das beteiligte Model S kurz vor dem Aufprall rund 120 km/h schnell war. Erlaubt sind auf dem vierspurigen Highway lediglich 105 km/h. Weitere Erkenntnisse des NTSB: Der Autopilot war aktiviert, inklusive automatischer Lenkfunktion, Spurwechsel-Assistent, sowie Cruise Control System und automatische Brems-Assistent aktiviert.

Das Dach des Model S wurde durch die Wucht des Aufpralls abgerissen. Der Wagen war mit leicht überhöhter Geschwindigkeit unterwegs.
Das Dach des Model S wurde durch die Wucht des Aufpralls abgerissen. Der Wagen war mit leicht überhöhter Geschwindigkeit unterwegs.
Foto: Florida Highway Safety Patrol

Der Tesla hatte den weißen LKW-Auflieger seitlich gerammt, dabei wurde das Dach abgerissen und der 40-jährige Fahrer getötet. Der Truck wurde bei dem Unfall lediglich leicht beschädigt. Das NTSB hat seine Untersuchungen allerdings noch nicht abgeschlossen: "Unsere Ermittler werden die Daten des Unfalls weiter auswerten, um die Geschehnisse während des Unfalls bewerten zu können."

Diesen Auflieger hatte das Autopilot-System des Model S offensichtlich nicht erkannt. Am LKW entstand lediglich geringer Schaden.
Diesen Auflieger hatte das Autopilot-System des Model S offensichtlich nicht erkannt. Am LKW entstand lediglich geringer Schaden.
Foto: National Transportation Safety Board

Wie Ars Technica berichtet, soll die Zusammenarbeit mit Mobileye beendet werden. Das habe Mobileye-Mitgründer und CTO Amnon Shashua angedeutet. Mobileye ist Hersteller von Kamerasystemen, die mit Hilfe von Algorithmen und Mikrochips die technische Basis autonomer Fahrfunktionen bieten. Neben Tesla gehören zum Beispiel auch BMW, Volkswagen und Volvo zu den Kunden von Mobileye. Das israelische Unternehmen hatte nach dem Unfall betont, dass die aktuell von Tesla eingesetzte Technologie dabei keine Rolle gespielt habe.

Mobileye-CTO und -Vorstand Amnon Shashua äußerte sich nun gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters zu den Gründen für das Ende der Kooperation mit Tesla: "Wie man es auch dreht und wendet: Die Autopilot-Software ist ein Fahrassistenzsystem und kein System für autonomes Fahren."

Mit Material von IDG News Service & dpa.