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Der Run auf Online-Shops bleibt zu Weihnachten aus

11.12.2000
Die Hoffnung vieler Internet-Läden, zur Haupteinkaufssaison an Weihnachten das große Geschäft zu machen, könnte enttäuscht werden, glaubt man den Prognosen von Goldman Sachs und PC Data.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Weihnachtsgeschäft wird den amerikanischen Online-Shops zwar auch in diesem Jahr deutliche Umsatzsteigerungen bescheren. Die Rekordzuwächse des vergangenen Jahres werden sich aber vermutlich nicht wiederholen. Darauf deuten die Erhebungen von Analysten wie Goldman Sachs zusammen mit PC Data.

Laut Goldman Sachs ist der Umsatz via Internet im Vorfeld von Thanksgiving, dem traditionellem Beginn der Holiday Season, Ende November, um 139 Prozent hochgeschossen, in der Woche darauf jedoch nur noch um etwa 50 Prozent angewachsen. Derartige Steigerungsraten wären für Ladengeschäfte ein Grund zum Jubeln. Doch Online-Anbieter sind anderes gewohnt - zumal sie aufgrund ihrer geringen Grundumsätze auf hohe Steigerungsraten angewiesen sind.

Im vergangenen Jahr schien die Rechnung aufzugehen. Der Ansturm war so gewaltig, dass er sowohl die Server einiger Anbieter als auch deren Lieferlogistik überforderte. Viele Kunden erhielten damals ihre Geschenke nicht rechtzeitig zum Fest. Um die wütenden Klientel zu besänftigten, schickte ihnen beispielsweise der Spielzeugverkäufer Toys R Us Einkaufsgutscheine im Wert von 100-Dollar.

Diese schlechten Erfahrungen spielen im diesjährigen Weihnachtsgeschäft auf vielfältige Weise eine Rolle. Die größte Sorge ist, die enttäuschten Kunden wieder auf die Web-Seite zu holen. Tatsächlich sind die Online-Käufer nach den Erhebungen weit skeptischer als im Vorjahr und gaben an, deshalb wesentlich früher zu ordern. Das würde jedoch bedeuten dass das Weihnachtsgeschäft fast schon vorüber ist.

Angesichts des Kursverfalls für Internet-Werte geht es für eine Reihe der Online-Shops jedoch ums Überleben. In diesem Jahr müssen sie beweisen dass sie technisch und logistisch in der Lage sind das Online-Geschäft durchzuführen. Wie ernst die Situation in den USA genommen wird, zeigt, das die Federal Trade Commission (FTC) im Vorfeld der Holiday Season 1000 Internet-Läden darauf hingewiesen hat, dass man sich ihre Lieferversprechen notiert habe und sie bei Nichterfüllung zur Verantwortung ziehen werde. Sieben Sites, unter ihnen der Spielzeughersteller Toys R Us, sind schon früher im Jahr wegen Lieferschwierigkeiten verklagt worden. „Immerhin ist Weihnachten und die Bürger sollen ihre Geschenke rechtzeitig bekommen“, begründet ein Sprecher des FTC die Maßnahmen gegenüber dem "Wall Street Journal".

Unter Erfolgsdruck sind die Shops aber auch von den Börsenanalysten gesetzt worden, die für dieses Jahr eine Wachstumsrate zwischen 60 und 85 Prozent erwarten. Schlechtere Werte führen zu Enttäuschungen und, schlimmer noch, zu möglicherweise ruinösen Kursstürzen.

Hierzulande ist die Situation anders. Mit neidvollem Blick auf die USA wurden hier im vergangenen Jahr die Online-Umsätze beäugt. Die eher misstrauischen deutschen Anwender wagen den Einkauf im Netz erst nach und nach. Damit blieben den hiesigen Kunden aber auch viele der Enttäuschungen erspart, mit denen die US-Shopper fertig werden mussten, erspart. In Deutschland wird in diesem Jahr kein vorweihnachtlicher Einkaufs-Boom erwartet – wohl aber ein gesundes Wachstum. Nach Angaben der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) gibt es in Deutschland derzeit 3,1 Millionen Online-Käufer (Computerwoche online berichtete).