Neue Lünendonk-Listen

Der IT-Service-Markt in Deutschland schwingt sich auf in neue Höhen

28.06.2017
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director a.D. von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO.

Woher kommt das Wachstum?

Die digitale Transformation ist bei den Anwendern angekommen und damit der wichtigste Wachstumsimpuls. Derzeit wird viel Geld für die Modernisierung von Geschäftsprozessen, den Aufbau Cloud-basierter Geschäftsmodelle und -prozesse sowie für Anwendungsentwicklung und -implementierung in die Hand genommen. Thomas Redzewsky, Mitglied der Geschäftsleitung der Göttinger Sycor GmbH, war bei der Präsentation der aktuellen Lünendonk-Zahlen in München vor Ort. Seinen Beobachtungen zufolge sind viele Anwenderunternehmen dabei, "Product-as-aService"-Lösungen einzuführen, also ihre Geschäftsmodelle in Richtung Services und subskriptionsbasierte Geschäftsmodelle umzubauen.

Digital Readiness bei deutschen Anwendern, Lünendonk
Digital Readiness bei deutschen Anwendern, Lünendonk
Foto: Lünendonk

Ein weiteres zentrales Beispiel für Digitalisierungsprojekte nannte Michael Kraus, Geschäftsführer der Münchner Sulzer GmbH: Kunden hinterfragten ihre Legacy-IT und stellten auf Microservice-basierte Architekturen um. Manchmal würden ganze Cluster von Anwendungen ausgeschrieben, die in eine neue Cloud-basierende Architektur zu überführen seien. Frank Wallner, Geschäftsführer von Bridging IT, bestätigt das: Kunden dächten mehr und mehr in Richtung Services und weniger an isolierte Produkte. "Man traut sich, Dinge zu digitalisieren, die man früher nicht angefasst hätte, so Wallner.

Agile und DevOps sind keine Selbstläufer

Geht es um die technischen Fertigkeiten, Digitalprojekte umzusetzen (Digital Readiness), tun sich laut Lünendonk immer noch viele Unternehmen schwer. Die Marktforscher haben 100 deutsche Großunternehmen befragt und herausgefunden: Scrum, DevOps und andere agile Ansätze machten fast der Hälfte der Befragten zu schaffen. Auch mit modernen Innovationsmethoden wie Design Thinking und Innovation Labs hat jedes dritte Unternehmen noch Berührungsängste. Und die Einbindung externer Partner für die Innovationsentwicklung sowie den Aufbau digitaler Plattformen ist für 39 Prozent ein Problem.

Die Ergebnisse der neuesten Lünendonk-Listen diskutiert haben (v.l.n.r.): Heiko Packwitz, Lufthansa Industry Solutions; Michael Kraus, Sulzer; Thomas Redzewsky, Sycor; Frank Wallner, BridgingIT; Mario Zillmann, Lünendonk
Die Ergebnisse der neuesten Lünendonk-Listen diskutiert haben (v.l.n.r.): Heiko Packwitz, Lufthansa Industry Solutions; Michael Kraus, Sulzer; Thomas Redzewsky, Sycor; Frank Wallner, BridgingIT; Mario Zillmann, Lünendonk

Größtes Hindernis aus Sicht der Anbieter ist derzeit der Fachkräftemangel. Heiko Packwitz, Chief Marketing & Communications Officer bei Lufthansa Industry Solutions, schildert, dass sein Unternehmen längst europaweit rekrutiere und Deutschkenntnisse, anders als früher, nicht mehr Einstellungsbedingung seien. Zudem bilde man eigene Mitarbeiter weiter. Die Bereitschaft, sich fortzubilden, sei meistens auch bei den älteren Beschäftigten groß. Virtuelle Teams, die sich aus Freiberuflern zusammensetzen, seien indes nur mit Einschränkungen eine Alternative, da bei ihnen oft die Versuchung groß sei, während des Rennens die Pferde zu wechseln.