IT-Gehälter 2017/2018

Der große Gehaltsvergleich in der Informatik

Update  20.11.2017
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Vor zwei erhielten IT-Profis noch einen kräftigen Gehaltsaufschlag von 6,2 Prozent. Inzwischen hat sich die Entwicklung normalisiert: 2016 gab es 2,2 Prozent mehr, heuer sind es drei Prozent. So lautet das Ergebnis der exklusiven Vergütungsstudie von Compensation Partner und der COMPUTERWOCHE.

Tim Böger, Geschäftsführer der Hamburger Vergütungsberatung Compensation Partner und Projektleiter der Studie, hatte schon vor zwei Jahren vorgewarnt: "Einen Lohnzuwachs von über sechs Prozent für Fachkräfte werden wir wohl nicht mehr erleben." Böger hat recht behalten, auch für die gefragten Computerfachleute wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Dennoch wird sich der IT-Sektor weiter positiv entwickeln. Zu dieser Einschätzung kommt auch der ITK-Branchenverband Bitkom, der damit rechnet, dass im Zuge der digitalen Transformation in den Unternehmen die Nachfrage nach IT-Personal weiter steigen wird. Das muss aber nicht automatisch bedeuten, dass die Gehälter überdurchschnittlich zulegen werden, wie auch die diesjährige Gehaltsstudie wieder zeigt.

Compensation Partner hat - wie schon im Vorjahr - einen eindeutigen Gewinner ausgemacht, den Security-Experten. Sein Gehalt ist in den letzten beiden Jahren kontinuierlich gestiegen - von 70.600 auf 71.100 Euro im Vorjahr und jetzt auf 74.600 Euro. "Die Sicherheitsexperten werden immer wichtiger - zum Beispiel vor dem Hintergrund der zunehmenden Cyber-Attacken auf global agierende Unternehmen", so Böger. Eine Folge der Digitalisierung und Vernetzung seien neue Sicherheitslücken und Schlupflöcher für Cyber-Kriminelle, die es zu schließen gelte.

Die Sicherheitsexperten sind erneut die Gewinner der Gehaltsstudie. "Sie werden immer wichtiger - zum Beispiel vor dem Hintergrund der zunehmenden Cyber-Attacken auf global agierende Unternehmen", sagt Vergütungsprofi Tim Böger von Compensation Partner.
Die Sicherheitsexperten sind erneut die Gewinner der Gehaltsstudie. "Sie werden immer wichtiger - zum Beispiel vor dem Hintergrund der zunehmenden Cyber-Attacken auf global agierende Unternehmen", sagt Vergütungsprofi Tim Böger von Compensation Partner.
Foto: Gorodenkoff - shutterstock.com

Web-Designer bilden das Schlusslicht

Zu den Spitzenverdienern unter den IT-Fachkräften ohne Personalverantwortung gehören auch Projektleiter mit einem Jahresgehalt von durchschnittlich 72.500 (Vorjahr 70.300) Euro. Haben sie zudem Verantwortung für Mitarbeiter, erhöhte sich ihr Einkommen noch einmal um ein Viertel bis ein Drittel. Es folgen die Berater - zum einen der mit SAP-Know-how (72.100 Euro), zum anderen allgemeine IT-Berater (68.400 Euro). Das Schlusslicht bilden wie in den vergangenen Jahren Mitarbeiter im Anwender-Support (42.300 Euro) und Web-Designer (37.400 Euro). Die Einkünfte dieser weniger qualifizierten IT-Berufsgruppen stagnierten, so Böger. Vor allem auf Mitarbeiter aus dem Support und der Administration wachse der Druck: Outsourcing spiele nach wie vor eine Rolle, wenn es darum gehe, IT-Aufgaben auszulagern.

Knapp 60 Prozent aller Personen, deren Daten in die Gehaltsstudie eingeflossen sind, verfügen über einen Hochschulabschluss. Am besten honoriert wird das Universitätsdiplom mit durchschnittlich 72.700 Euro, ein Fachhochschulabschluss bringt 69.200 Euro. Der Master hat noch nicht das Niveau des Diploms erreicht, ist aber auf einem guten Weg und wird mit rund 60.900 Euro Jahresgehalt honoriert. Der Abstand liegt an dem noch niedrigen Durchschnittsalter der Master-Inhaber. Mit dem ebenfalls noch jungen Bachelor-Abschluss bringen es Experten auf durchschnittlich 53.300 Euro. Wer eine Lehre absolviert hat, muss sich mit 48.500 Euro im Jahr zufriedengeben. Wichtiger Hinweis: Bei den Zahlen handelt es sich nicht um Einstiegsgehälter, sondern um Einkommen, die im Schnitt mit dem jeweiligen Abschluss zu erreichen sind.

Berufserfahrung wirkt sich naturgemäß positiv aus: Spezialisten mit drei bis sechs Jahren Berufspraxis kommen auf rund 50.900 Euro jährlich, mit einer Berufserfahrung von sieben bis zehn Jahren liegen die Gehälter im Schnitt bei 54.000 Euro. Wer mehr als zehn Jahre im Geschäft ist, hat im Mittel 66.300 Euro auf dem Lohnzettel. An das Gehaltsniveau ihrer Chefs kommen IT-Fachkräfte trotz aller Berufserfahrung nicht heran: IT-Leiter mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung beispielsweise haben rund 76.000 Euro jährlich mehr im Portemonnaie. Damit geht die Schere zwischen den IT-Profis und ihren Führungskräften weiter auf.

Mittelstand holt auf

Nach wie vor beeinflusst die Unternehmensgröße die Höhe des Gehalts. Je größer das Unternehmen, umso höher die Vergütung. Um diesen Unterschied zu verdeutlichen, hat Compensation Partner die Gehälter aller IT-Fachkräfte eines Unternehmens in einen Topf geworfen und den Durchschnitt ermittelt. Immerhin: In den kleinen Firmen sind die Gehälter stärker gestiegen als in den großen Betrieben. In einem mittelständischen Betrieb mit bis zu 100 Mit­arbeitern nimmt der Computerfachmann heuer rund 49.700 Euro nach Hause, im Vorjahr waren es 48.100 Euro. Wechselt er dann zu einem größeren Mittelständler mit bis zu 1000 Beschäftigten, sind es gleich 8000 Euro mehr. ­Heuert er in einem Konzern an, kommen noch einmal rund 19.000 Euro drauf, und er bezieht etwa 77.000 Euro. Um weitere 40.000 bis 60.000 Euro kann das Gehalt steigen, wenn der IT-Experte eine Führungsposition mit Personalverantwortung übernimmt.

Es wächst noch nicht zusammen ...

Große Gehaltsunterschiede lassen sich zwischen den Regionen feststellen. Während Arbeitgeber in den teuren Metropolen wie Frankfurt am Main und München rund 20 Prozent mehr als der Bundes­durchschnitt bezahlen, müssen sich IT-Mitarbeiter in Niedersachsen oder Schleswig-Holstein mit zehn bis 15 Prozent unter dem Durchschnitt bescheiden. Den ersten Platz mit 21,4 Prozent über dem Durchschnitt belegt Frankfurt am Main, was nach Bögers Beobachtung mit dem sich erholenden Bankensektor zusammenhängt. Die Main-Metropole dürfte nach der aktuellen Brexit-Diskussion und den Gerüchten um einen Umzug von Finanzdienstleistern von London nach Frankfurt weiter an Attraktivität ­gewinnen.

Relativ stark bleibt das Gefälle zwischen Ost und West. So liegt das Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern um rund 27 Prozent und selbst die Hightech-Region Dresden noch um rund 20 Prozent unter dem Durchschnitt. Damit vergrößert sich die Schere zwischen Ost und West: Vor zwei Jahren lagen die ostdeutschen Regionen nämlich nur um zehn bis 20 Prozent unter dem Bundesdurch­schnitt. Eine überraschende Ausnahme stellt Thüringen dar, das im Vergleich zum Vorjahr eine steigende Gehaltsentwicklung verzeichnete, wenngleich auf noch vergleichsweise niedrigem Niveau. Noch immer liegen auch hier die IT-Einkommen um 23 Prozent unter dem Durchschnitt.

Hohe IT-Gehälter in den Branchen Chemie, Pharma und Medizintechnik

Eklatant sind die Einkommensunterschiede auch zwischen den Branchen. Wer für die Chemie-, Pharma- oder Verfahrenstechnik-Indus­trie arbeitet, verdient als ITler am meisten. Compensation Partner unterscheidet in einer Sonderauswertung der Branchen zwischen zwei "Ligen" und macht die Unterschiede am Beispiel des IT-Beraters deutlich. In den genannten drei Topbranchen erhalten die Consultants zwischen 90.100 und 92.400 Euro im Jahr. Ebenfalls zur Liga eins gehören Medizintechnik, Anlagenbau sowie die Konsum- und Gebrauchsgüterindustrie, wo IT-Berater zwischen 85.000 und 88.000 Euro jährlich beziehen. Schlusslicht in der ersten Spielklasse sind die Softwarefirmen (80.350 Euro).

Die zweite Liga führt der Einzelhandel an. Die Consultants nehmen dort im Durchschnitt 68.300 Euro mit nach Hause. Es folgen Bildungsinstitutionen und die öffentliche Verwaltung, die ihre Berater wie im Vorjahr mit rund 65.700 bis 66.100 Euro im Jahr honorieren. Rund 3000 bis 4000 Euro weniger gibt es im Gesundheitswesen und im Bereich Werbung und PR. Das Schlusslicht bilden die Call-Center, das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie die Forschungsinstitute, wo die Berater zwischen 55.500 und 58.000 Euro in der Tasche haben.

Dienstwagen dürfen teurer sein

Rund 26 Prozent (Vorjahr 30 Prozent) aller IT-Fachkräfte haben eine Prämienregelung, unter den Führungskräften sind es immerhin knapp 63 Prozent. Erstere bekommen Prämien in Höhe von 7200 (Vorjahr 5200) Euro, die Boni der Führungskräfte belaufen sich im Schnitt auf 23.869 (Vorjahr: 19.200) Euro im Jahr. Fast ein Viertel aller Fachkräfte und 39 Prozent der Manager erhalten Arbeitgeberleistungen zur betrieblichen Altersvorsorge. Dieser Anteil beläuft sich bei Ersteren auf 1639 Euro, bei den Chefs sind es 3108 Euro. Einen Firmenwagen fahren zwölf Prozent (Vorjahr neun Prozent) ­aller IT-Mitarbeiter und 45 Prozent (Vorjahr 30 Prozent) der Führungskräfte. Hier ist ein überraschend star­ker Zuwachs von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu vermelden. Der Neuwert des Wagens liegt für Fachkräfte durchschnittlich bei ungefähr 39.000 Euro, bei den Managern bei 50.800. Dabei zeigten sich die Arbeitgeber großzügiger gegenüber ihrem mittleren Management. Im Vorjahr mussten sich die Chefs mit Fahrzeugen zufriedengeben, für die die Unternehmen im Durchschnitt 43.750 Euro aufgewendet hatten.

Überstunden gehören zum Alltag der IT-Mitarbeiter. Allerdings haben nur fünf Prozent (Vorjahr: sieben Prozent) der Befragten einen monetären Ausgleich der geleisteten Überstunden im Arbeitsvertrag. Wer eine solche Regelung hat, kann sein Gehalt noch einmal um rund 2432 Euro pro Jahr steigern. Wesentlich häufiger ist aber ein Freizeitausgleich.

Zum Vergleich: Das verdienten IT-Profis 2016

Zur Studie: IT-Gehälter 2017/2018

  • Datenbasis: An der Studie beteiligten sich 35 Unternehmen aus der IT-Wirtschaft, die insgesamt 910 Datensätze geliefert haben. Weitere 10.465 Datensätze stammen aus ­Direktbefragungen von Fach- und Führungskräften. Insgesamt sind so 11.375 Datensätze in die Studie eingeflossen, von denen 769 auf Führungs- und 10.606 auf Fach- und Spezialistenpositionen entfielen. Die Daten wurden von Mai bis August 2017 erhoben.

  • Methode: Das auf Vergütungsdaten spezialisierte Hamburger Unternehmen Compensation Partner hat Höhe und Struktur der Gehälter von insgesamt 29 IT-Funktionen untersucht. Innerhalb einer Funktion wurde weiterhin nach Anspruchsstufen differenziert: IT-Berater etwa sind vom einfachen Consultant bis hin zum Manager mit Personalverantwortung analysiert worden. Zudem wurden die Gehälter nach Firmengrößen ausgewertet. Compensation Partner hat das Gesamt- und das Grundgehalt sowie sämtliche Nebenleistungen berechnet.

  • Studie kaufen: Die Vergütungsstudie "IT-Funktionen" kann zum Preis von 599 Euro (zuzüglich Mehrwertsteuer und Versandkostenpauschale) über die Homepage von Compensation Partner bestellt werden. Sie richtet sich an Geschäftsführer, Personalleiter und Personalverantwortliche aus der IT-Wirtschaft sowie an Personal- und Unternehmensberater.