Talente und IT-Fachkräfte begeistern

Future Workplace als Ideenschmiede

17.10.2018
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Neue Mitarbeiter finden und die bestehenden binden, dieser Herausforderung müssen sich Mittelständler im hartumkämpften IT-Jobmarkt München ganz besonders stellen. x-cellent-technologies-Geschäftsführer Georg Baumgartner erklärt im CW-Interview, welche Anstrengungen er dafür unternimmt.

Auf dem Arbeitsmarkt sind insbesondere IT-Fachkräfte sehr rar und heiß umkämpft. Wie stellt sich diese Situation für Ihr Unternehmen dar?

Georg Baumgartner: x-cellent technologies kommt aus der Finanzindustrie und ist kontinuierlich in seinem Bestandsmarkt gewachsen. Dadurch stieg auch unser Bedarf an neuen Mitarbeitern, die wir anfänglich in der Regel durch Empfehlungen von Kollegen gewonnen haben. Weil die Nachfrage aber immer mehr wuchs, wurde es mit der Zeit und dem Fachkräftemangel zunehmend schwieriger, neue Spezialisten zu finden. Wir wollten uns außerdem in speziellen Themengebieten noch stärker und deutlicher positionieren - und das geht nur mit eigenen Mitarbeitern. Der Engpass wurde für uns deshalb immer größer.

In Zeiten des Fachkräftemangels ist es schwer, das Team mit den passenden IT-Spezialisten und Talenten zu ergänzen.
In Zeiten des Fachkräftemangels ist es schwer, das Team mit den passenden IT-Spezialisten und Talenten zu ergänzen.
Foto: nitsawan katerattanakul - shutterstock.com

In welchen Themen wollten Sie sich noch stärker positionieren?

Baumgartner: x-cellent agiert mit zwei Themen erfolgreich am Markt. Zum einen ist das alles rund um DevOps. Zum anderen die digitale Transformation und Digitalisierung der Kundenschnittstelle. Das sind unsere Kernkompetenzen.

Wie verlief die Neupositionierung?

Baumgartner: Um unser Profil für IT-Fachkräfte und Kunden noch mehr zu schärfen und sichtbarer zu machen, haben wir gemeinsam mit dem externen Beraterteam des bekannten Buchautors Edgar Geffroy, dem erfahrernen Personalberater und CEO der CAREERS LOUNGE Jürgen Bockholdt und unseren Mitarbeitern die Ausgangslage beziehungsweise den Ist-Zustand analysiert und uns gefragt: "Wo steht x-cellent heute? Was sind unsere Stärken? Wo soll die Reise hingehen?" Darauf aufbauend entwickelten wir in einem Workshop zur Wunscharbeitgeber-Mitarbeiterstrategie eine gemeinsame Strategie, die in den Slogan mündete: "x-cellent thinking for your digital performance". Beschrieben wird dieser durch Inhalte, etwa Videos zu unseren Leistungen aus unterschiedlichen Projekten. Dabei stehen unsere Mitarbeiter im Vordergrund, und teilweise haben auch unsere Kunden mitgemacht.

Bestandteil dieser Neuausrichtung waren also Veranstaltungen mit Workshop-Charakter. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Baumgartner: Ich würde nicht unbedingt sagen, dass wir uns neu ausgerichtet, sondern vielmehr unsere Mitarbeiterphilosophie an die Oberfläche geholt haben. Viele Punkte, gerade was Mitarbeiterführung betrifft, wurden eigentlich immer schon so gelebt. Aber mit Hilfe des Workshops haben wir unser Mitarbeiterstrategie explizit formuliert und zum Ausdruck gebracht, was das Besondere an x-cellent ist. Das wurde in die Strategie "x-cellent thinking" verpackt, in der folgende Punkte festgeschrieben und definiert sind: Arbeitsatmosphäre, Teamarbeit, Spaß an der Arbeit, Lebensqualität und Wertschätzung. Das sind die Faktoren, die IT-Experten heute suchen.

Georg Baumgartner, Geschäftsführer von x-cellent: "Innovative Ideen zu fördern ist wichtig, und dafür muss man auch die Freiräume schaffen."
Georg Baumgartner, Geschäftsführer von x-cellent: "Innovative Ideen zu fördern ist wichtig, und dafür muss man auch die Freiräume schaffen."
Foto: Baumgartner - x-cellent

Was haben Sie durch den Workshop verändert?

Baumgartner: Wir haben uns Dinge bewusster gemacht und transportieren vier Elemente, die zum Beispiel für einen neuen Mitarbeiter wichtig sind, der zu uns kommt.

1. Flache Hierarchien: Das heißt, dass wir Wert auf eigenverantwortliches und selbständiges Handeln legen. Wir führen nicht klassisch durch Hierarchie, sondern begleiten unsere Mitarbeiter.

2. Personal Branding: Wir sehen uns als Coaches für die Persönlichkeitsentwicklung und geben unseren Mitarbeitern Zeit zur Weiterbildung.

3. Partnerschaft: Wir verstehen uns als Partner des Mitarbeiters. Wir agieren auf Augenhöhe und setzen auf gegenseitigen Respekt.

4. Mitgestaltung: Ein zentraler Faktor lautet für uns Mitgestaltung. Die Kreativität, Leidenschaft und Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter ist das Öl im Motor der Marke x-cellent. Sie bewirkt, dass sich die Marke am Markt etabliert.

Wie wirkt sich diese Doktrin auf die Mitarbeiter aus?

Baumgartner: Viele Mitarbeiter sagen, es ist gut, dass wir endlich mal das zum Ausdruck bringen, was wir eigentlich leben!

Wie gestalten Ihre Mitarbeiter diese Entwicklung mit?

Baumgartner: Wir verändern ständig die Formate und passen vieles an, um hier die nötige Energie reinzubringen. Jeden Monat machen wir einen Innovations-Workshop, damit wir Ideen der Mitarbeiter mitbekommen und diese in Kundenprojekte einbringen können. Innovative Ideen zu fördern ist wichtig, und dafür muss man auch die Freiräume schaffen.

Gibt es noch weitere Veränderungen?

Baumgartner: Wir haben uns zum Beispiel Gedanken über die Aus- und Fortbildung unserer Mitarbeiter gemacht und wie wir eine Akademie einrichten können.

Der Markt für IT-Talente ist sehr umkämpft, gerade in München. Merken Sie schon, ob Sie jetzt im Markt anders wahrgenommen werden und ankommen?

Baumgartner: Wir habenerst Ende Juni unsere neue Website freigeschaltet. Aber wir merken schon, dass wir mit den Mitarbeitern heute besser klären, was wir unter x-cellent thinking verstehen. Damit schaffen wir langsam Multiplikatoren, die über soziale Medien eine ähnliche Wirkung erzeugen wie das persönliche Empfehlungsmanagement.

Sie sind im Sommer in neue Räumlichkeiten in München umgezogen. Tragen Sie mit dem Umzug auch Ihrer Mitarbeiterstrategie Rechnung?

Baumgartner: Ja, das auch. Wir hatten zuvor die klassischen, an einem Flur aufgereihten Bürozimmer, die jeweils mit zwei oder drei Angestellten besetzt waren. Unser Ziel war aber, eine neue Meeting- und Arbeitsatmosphäre zu schaffen, sodass sich die Mitarbeiter bei uns gerne treffen. Der Grund: Unsere Experten sind meistens im Großraum München beim Kunden vor Ort. Deshalb war es ein besonderes Anliegen, einen Anziehungspunkt für unsere Beschäftigten zu schaffen, wo man sich austauscht, um gemeinsam neue Ideen und Lösungen zu erarbeiten. Dafür haben wir einen sogenannten Future Workplace für Kommunikation eingerichtet, in dem Meetups und Veranstaltungen stattfinden können. Das war in den alten Räumen weder räumlich noch organisatorisch möglich.

Wodurch zeichnet sich der neue Arbeitsplatz aus?

Baumgartner: Er zeichnet sich durch seine offene Atmosphäre aus; darauf sind wir stolz. Wir merken, dass die Mitarbeiter jetzt gerne ins Haus kommen und versuchen, stärker remote aus unserem Office zu arbeiten. Heute fand zum Beispiel wieder ein Kunden-Workshop hier statt, weil wir die Infrastruktur, die entsprechende Videotechnik und die Räumlichkeiten haben.

Wie kombinieren Sie Online- und Offline-Maßnahmen im Employer Branding?

Baumgartner: Wir sehen eine starke Dualität. Auf der einen Seite sind wir präsent im Internet, was durch die Website und über Videokanäle und Social Media funktioniert. Genauso sind wir aber überzeugt, dass das physische Treffen und Kennenlernen zählen. Dafür haben wir die Räumlichkeiten in unserem Office. Um hier zum Beispiel für unsere Mitarbeiter Meetups zu organisieren, aber auch für unsere potenziellen neuen Mitarbeiter. So können sie die Kollegen kennenlernen, sich mit ihnen austauschen und sehen, wie bei uns gearbeitet wird. Aber auch Veranstaltungen für unsere Kunden finden hier statt.

Das heißt, für Ihr Unternehmen sind persönliche Beziehungen ein Kernwert.

Baumgartner: Ja, so ist es. Geffroy sagt zu Recht: "Beziehungen sind der zentrale Schlüssel der digitalen Welt. Je digitaler die Welt wird, desto mehr wird der Mensch im Mittelpunkt stehen." Wir brauchen Beziehungen und Partnerschaften sowohl intern als auch extern. Keiner gewinnt allein. Das ist eine unserer Kernaussagen, und dase haben wir in unserer Strategie umgesetzt. Wichtig ist uns der Teamspirit. Wir verstehen uns als Beziehungsmanager. Wir wollen in den Projekten harmonieren.

Was tun Sie konkret?

Baumgartner: Wir haben beispielsweise ein Patenprogramm für Mitarbeiter, die bei uns einsteigen. Dem Einsteiger wird ein Mitarbeiter als Pate oder Mentor zur Seite gestellt, der ihn über die ersten Monate begleitet. Mit ihm kann er sich austauschen, er erklärt ihm, wie die Prozesse bei uns ablaufen und wie die Abläufe mit den Kunden funktionieren. Je nachdem, wie intensiv die Beziehungen sich gestalten, entstehen auf der persönlichen Ebene Freundschaften und ein kollegiales Umfeld. Diese Beziehung zu managen, ist essenziell für uns. In den Projekten gibt es immer wieder Themen, die zum Scheitern führen. Die Gründe liegen meist aber nicht in der Technik, sondern im menschlichen Miteinander.

Welches Fazit ziehen Sie nach dem Workshop und der Festschreibung Ihrer Mitarbeiterstrategie?

Baumgartner: Der Blick von außen und den Spiegel vorgehalten zu bekommen war wichtig. Es war gut, präziser zu wissen, wo wir stehen und was wir eigentlich tun - kurz, das, was wir als selbstverständlich abgetan haben, in ein Konzept zu gießen. Auch bei Neueinstellungen stellen wir fest, dass Bewerbern unser Konzept New Workplace sehr gefällt.