freelancermap-Umfrage

Der Freiberufler-Optimismus sinkt

24.11.2022
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Im Vergleich zur ersten Jahreshälfte bestätigen nur noch 45 Prozent der IT-Freelancer eine gute Auftragslage, dazu passt, dass Projektanbieter weniger Einstellungen melden.
Zeigten sich die Freiberufler im ersten Halbjahr noch richtig optimistisch, was ihre Auftragslage angeht, so äußern sie sich zum Jahresende nun wesentlich pessimistischer.
Zeigten sich die Freiberufler im ersten Halbjahr noch richtig optimistisch, was ihre Auftragslage angeht, so äußern sie sich zum Jahresende nun wesentlich pessimistischer.
Foto: Pixelvario - shutterstock.com

Der Staat leistet bestmögliche Unterstützung für Unternehmen und Haushalte - doch wie hat sich daneben das Freelancer-Geschäft im Laufe des Jahres entwickelt? Die Projektplattform freelancermap führte im Oktober eine Umfrage unter Freiberuflichen durch, um ein Bild der aktuellen Situation zu zeichnen. Im Vergleich zum in der ersten Jahreshälfte durchgeführten Freelancer-Kompass 2022 zeigt sich: Die Auftragslage wird mittlerweile deutlich negativer wahrgenommen, wodurch auch die Unsicherheit steigt.

Freelancer-Optimismus sinkt um 22 Prozent

In der ersten Jahreshälfte waren die Freelancer spürbar positiver gestimmt, was die Bewertung der aktuellen Auftragslage betrifft: Hier bewerteten noch 67 Prozent der Befragten die momentane berufliche Situation als (sehr) gut. Dieser Wert schrumpfte in der Oktober-Umfrage auf 45 Prozent und beschreibt damit einen Schwund von 22 Prozentpunkten.

Thomas Maas, freelancermap: "Die aktuelle Situation geht keineswegs spurlos an den Selbständigen vorbei."
Thomas Maas, freelancermap: "Die aktuelle Situation geht keineswegs spurlos an den Selbständigen vorbei."
Foto: freelancermap

Thomas Maas, CEO der Projektplattform, hält fest: "Zu Jahresbeginn haben nur sieben Prozent der Freiberuflichen ihre Auftragslage als schlecht bis sehr schlecht bewertet, im Oktober waren es fast ein Viertel der Befragten." Im Vergleich zu dem damaligen Stimmungsbild sei die negative Wahrnehmung um 17 Prozentpunkte gestiegen. "Für uns sind diese Werte die Bestätigung, dass die aktuellen Krisensituationen keinesfalls spurlos an den Selbständigen vorbeigehen", so Maas weiter. Noch im Frühjahr erwartete die deutliche Mehrheit der Freelancer, nämlich 90 Prozent, im Laufe des Jahres eine unveränderte oder sogar verbesserte Auftragslage.

Aktuelle Situation führt zu Unsicherheit und Skepsis

Verschiedene Krisensituationen wirken sich auf die Gesellschaft und damit automatisch auch auf die Freelancer-Tätigkeiten aus. Die Selbständigen gaben bereits im Freelancer-Kompass an, die Auswirkungen der Pandemie zu spüren, daran hat sich auch in der Oktober-Umfrage nichts geändert. Doch blicken mittlerweile 20 Prozent (Freelancer-Kompass erstes Halbjahr: acht Prozent) skeptisch auf ihre Tätigkeiten: Vier Prozent würden sich unter den aktuellen Umständen nicht wieder in die Selbstständigkeit begeben, 16 Prozent wissen es nicht.

Die Umfrage-Ergebnisse spiegeln den Status Quo im Freelancer-Geschäft wider, so Maas: "Dass 20 Prozent der Befragten einen kritischen Blick auf ihre Berufswahl werfen und fast ein Viertel ihre Auftragslage als negativ wahrnehmen, zeichnet ein klares Bild der momentanen Situation. Wir beobachten auch einen leichten Anstieg der Existenzangst bei den Freiberuflichen." Im Freelancer-Kompass gaben nur 14 Prozent an, ihre berufliche Tätigkeit bedroht zu sehen - dieser Wert sei innerhalb der vergangenen fünf bis sieben Monate um zwölf Prozentpunkte gestiegen. Immerhin bestätigt weiterhin eine große Mehrheit (80 Prozent), dass sie sich rückblickend auch wieder selbständig machen würden.

"Erste Alarmglocken läuten"

Als Auswirkungen der aktuellen Lage geben 57 Prozent der Unternehmen an, weniger einzustellen. Der Hauptgrund liegt dabei in der Inflation (45 Prozent); die Energiekrise sowie Auswirkungen der Corona-Pandemie sind gleichauf bei 18 Prozent. Sowohl Freelancer als auch Projektanbieter sind sich zudem in einer Sache einig: Einen Normalzustand, gemessen an der Situation vor Corona, wird es wohl zukünftig nicht mehr geben - so empfinden das 45 Prozent der Unternehmen, bei den Selbstständigen sind es 38 Prozent.

"Die Alarmglocken läuten bereits leise, wenn wir den Anstieg der Existenzangst und damit verbunden die verschlechterte Auftragslage bei den Selbstständigen betrachten", kommentiert Maas. Der vieldiskutierte Fachkräftemangel in allen Branchen müsste rein theoretisch zu einer guten Projektsituation führen. Die aktuellen Umfrage-Ergebnisse bekräftigen allerdings vielmehr, dass auch Auftraggeber zurzeit jeden Cent zweimal umdrehen und Neueinstellungen genauestens überdenken.