Ratgeber

Der beste Netbook-Prozessor

05.04.2011
Von 
Thomas Rau ist stellvertretender Chefredakteur PC-WELT Print bei IT-Media. 

Was der AMD C-50 besser macht

Bisher lief nur in wenigen Netbooks ein Prozessor von AMD: Das Acer Aspire One 521 beispielsweise war mit dem Neo K125 ausgestattet. Diese Einzelkern-CPU arbeitete zwar deutlich schneller als der Intel Atom, aber auch deutlich stromhungriger. AMD-Netbooks hatten daher deutlich weniger Ausdauer im Akkubetrieb als Atom-Modelle.

Der große Atom-Konkurrent: AMDs Fusion-CPU Ontario
Der große Atom-Konkurrent: AMDs Fusion-CPU Ontario
Foto: AMD

Der neue Netbook-Prozessor C-50 (Codename Ontario) ist AMDs erste Fusion-CPU. Die Rechenlogik des Prozessor und der Grafikeinheit Radeon HD 6250 befinden sich also auf einem Silizium-Plättchen - wie bei den Atom-CPUs. Doch im C-50 sitzt eine viel leistungsfähigere Grafikeinheit. Sie unterstützt die aktuelle Windows-Grafikschnittstelle Direct X11 (DX11), während der Intel GMA 3150 nur mit DX9 zurecht kommt. Passende Programme können dank DX11 beispielsweise das Umwandeln verschiedener Videoformate statt vom Prozessor durch die Grafikeinheit erledigen lassen. Außerdem unterstützt die Grafik-Hardware den Prozessor beim Abspielen von H.264-, VC-1 sowie Divx-Videos, während der Intel Atom nur bei MPEG-2-Material von seiner Grafikeinheit unterstützt wird.

Für die flüssige Wiedergabe von Flash-Videos sollte auf Ontario-Netbooks der Flash-Player 10.2 installiert sein. Bei Tests mit der Version 10.1 ruckelte die Wiedergabe stärker als auf Atom-Geräten. Mit der Version 10.2 liefen dann sowohl 720p- wie 1080p-Videos flüssig.
HD-Videos von der Festplatte oder Blu-rays von einem externen Laufwerk meistern die AMD-Netbooks ebenfalls problemlos. Für die Ausgabe auf einem größeren Monitor haben die Ontario-Geräte einen HDMI-Ausgang an Bord.

3D-Leistung (3D Mark 06)

Gesamt

CPU-Leistung

AMD C-50

1663

665

Intel Atom N550

143

746

Auch bei Spielen ist der C-50 dem Intel Atom klar überlegen – in manchen 3D-Tests ist er rund zehnmal schneller. Trotzdem ist er nicht uneingeschränkt spieletauglich: Für aktuelle Spiele ist die Grafikeinheit zu langsam: Far Cry 2 etwa lief nur mit 14 Bildern pro Sekunde in der maximalen Auflösung von 1280 x 720 Bildpunkten. Und bei älteren Spielen bremst der langsame Prozessor den Grafikchip aus. Far Cry zum Beispiel erreichte nur 25 Bilder pro Sekunde – egal, ob man in niedriger oder höherer Auflösung spielte.
Die 3D-Leistung eines Ontario-Netbooks liegt damit ungefähr auf dem Niveau eines rund vier Jahre alten Notebooks mit einer Geforce 8400M G – was für Netbook-Verhältnisse beachtlich ist.

Spieleleistung des AMD C-50

Bilder/Sekunde

Far Cry 2, 1280 x 720

14

Far Cry 2, 800 x 600

17

Far Cry, 1280 x 720

25

Far Cry, 800 x 600

25

Die Prozessorseite des C-50 schneidet etwas schlechter ab als der Intel Atom N550. Das liegt zum einen an der niedrigeren Taktrate, zum anderen am fehlenden Hyper-Threading – das Betriebssystem kann nur die beiden tatsächlich vorhandenden Rechenkerne nutzen.
Je nach Test beträgt sein Rückstand auf den Intel-Konkurrenten rund zehn bis 20 Prozent. Überall, wo reine Prozessorleistung gefragt ist, etwa beim Umwandeln von Musikformaten, schneidet ein Atom-Netbook besser ab. Außerdem zeigen die Tests, dass der Intel Atom besser mit mehreren gleichzeitig geöffneten Programmen umgehen kann.

Der große Pluspunkt des C-50: Seine vergleichsweise starke Multimedia-Leistung geht nicht auf Kosten der Akkulaufzeit. Muss das Netbook im Akkubetrieb viel arbeiten, zum Beispiel einen Film abspielen, verbrauchen AMD-und Intel-Modelle jeweils rund neun Watt. Das reicht mit einem Standard-Akku für rund 5,5 Stunden Laufzeit.
Bei geringer Last, etwa beim Websurfen, waren dagegen die Atom-Netbooks etwas sparsamer. Sie liefen rund eine Stunde länger als C-50-Modelle. Das gilt natürlich nur, wenn man auf aufwändige Webseiten oder die Wiedergabe von YouTube-Videos verzichet.

Wer mit dem Netbook nicht mehr macht als Surfen und Texte schreiben, setzt weiterhin auf Mini-Laptops mit Intel Atom. Ein Doppelkern-Modell muss es aber nicht unbedingt sein, denn der Tempovorteil ist kaum der Rede wert.
Soll das Netbook dagegen ab und zu auch als mobile Multimedia-Maschine dienen, die problemlos mit HD-Videos und zumindest einigen Spielen zurecht kommt, führt kein Weg an einem Gerät mit AMD-CPU vorbei. Der C-50 bringt gute Multimedia-Leistung und Sparsamkeit im Akkubetrieb zusammen: Diese Kombination macht ihn zur derzeit besten Netbook-CPU.

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag der CW-Schwesterpublikation PC-Welt.