Wachstum in Krisenzeiten

Dell und Lenovo - voll im Saft

30.05.2022
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO sowie Chefredakteur der europäischen B2B-Marken von IDG. Er kümmert sich um die inhaltliche Ausrichtung der Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. 
Obwohl sich die Konjunktur eintrübt, scheinen Unternehmen weiter in IT-Infrastruktur und Endgeräte investieren zu wollen. Zumindest deuten Geschäftszahlen von Dell und Lenovo darauf hin.
Hat keinen Grund zur Klage: Für Michael Dell laufen die Geschäfte bestens.
Hat keinen Grund zur Klage: Für Michael Dell laufen die Geschäfte bestens.
Foto: Dell Technologies

Dell Technologies hat seine Einnahmen im ersten Fiskalquartal 2023, das am 29. April 2022 endete, gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16 Prozent auf 26,1 Milliarden Dollar gesteigert. Die Nachfrage sei stabil, so Jeff Clarke, Vice-Chairman und Co-Chief Operating Officer. Was Dell derzeit nicht an Endgeräten verkaufe, werde in der Bilanz durch den hohen Bedarf an Rechenzentrumsausstattung kompensiert.

Dennoch gäbe es Unwägbarkeiten wie Inflation, ungelöste geopolitische Probleme, Herausforderungen in der Lieferkette und Engpässe bei Halbleitern. Unmittelbaren Budgetkürzungen bei den Kunden erwartet Clarke gleichwohl nicht.

Dell stark, Cisco schwach

Die Zahlen von Dell waren an der Wall Street mit Spannung erwartet worden, da wenige Tage zuvor der Netzwerkgigant Cisco erhebliche Unruhe ausgelöst hatte. Das Unternehmen hatte stagnierende Einnahmen gemeldet und berichtet, wie stark die Covid-bedingten Lockdowns in Shanghai und anderen chinesischen Metropolen die Produktion störten. Cisco warnte davor, dass Lieferkettenprobleme den Umsatz im laufenden Quartal um bis zu acht Milliarden Dollar schmälern könnten. Die Nachfrage sei zwar vorhanden, derzeit könne man sie aber kaum befriedigen.

Auch Dell-Manager Clarke sagte, sein Unternehmen habe im ersten Quartal unter Lieferengpässen bei Bauelementen und Halbleitern gelitten. Das habe sowohl Unternehmenseinheit Client Solutions Group (CSG) als auch die Infrastructure Solutions Group (ISG) zu spüren bekommen. Letztendlich bedeute das aber nur, dass der Auftragsbestand bis auf weiteres erhöht bleibe.

Glänzende Geschäfte mit Servern, Netzwerken und Storage

Die Dell-Unternehmenssparte ISG wuchs auf 9,3 Milliarden Dollar, wobei die Unterbereiche Server und Netzwerke um 22 Prozent auf fünf Milliarden und das Segment Storage auf 4,2 Milliarden Dollar (plus neun Prozent) zulegten. Die CSG erreichte ein Umsatzvolumen von 15,6 Milliarden Dollar (plus 17 Prozent), wobei PCs für Unternehmen um 22 Prozent auf zwölf Milliarden Dollar und für Privatkunden um drei Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar zulegten. Im Consumer-Segment sei vor allem die Nachfrage nach Chromebooks rückläufig, hieß es.

Unterm Strich verzeichnete Dell einen Nettogewinn von 1,4 Milliarden Dollar nach einem Plus von einer Milliarde Dollar in der vergleichbaren Vorjahresperiode. Wie das Unternehmen mitteilte, sind bei Dell-Kunden die Projekte rund um digitale Transformation und Automatisierung unvermindert in vollem Gang. Außerdem beschafften viele Unternehmen weiter jede Menge Endgeräte für Mitarbeiter, die sowohl von daheim als auch im Firmenbüro arbeiteten.

Auch Lenovo wächst kräftig bei Umsatz und Gewinn

Lenovo legte seine Gewinn- und Verlustrechnung sowohl für das vierte Finanzquartal 2022 als auch für das gesamte abgelaufene Geschäftsjahr vor. Den Chinesen gelang es im Fiskaljahr, die Erlöse um knapp elf Milliarden Dollar auf 72 Milliarden Dollar zu steigern und ihren Nettogewinn um 72 Prozent auf zwei Milliarden Dollar hochzuschrauben. Das schwierigere vierte Quartal hat einen leichten Schatten auf die Bilanz geworfen: Einnahmen von 16,7 Milliarden Dollar in den vergangenen drei Monaten bedeuteten ein Wachstum von sieben Prozent - deutlich weniger als die übers Gesamtjahr erzielten 18 Prozent. Der Nettogewinn von 412 Millionen Dollar steigerte sich zwar um stolze 58 Prozent, das diesbezügliche Wachstumstempo lag aber ebenfalls ein wenig unter dem des Gesamtjahres (72 Prozent).

Lenovo warnte vor kurzfristigen Lieferproblemen aufgrund von Supply-Chain-Problemen in China, von denen besonders eine Fertigungsstätte in Shenzen betroffen sei. Sie beträfen weniger das PC-Geschäft als die Segmente Mobile Computing und Rechenzentrums-Infrastruktur.

Sieht Lenovo für die Zukunft gut aufgestellt: Yang Yuanqing, CEO und Chairman.
Sieht Lenovo für die Zukunft gut aufgestellt: Yang Yuanqing, CEO und Chairman.
Foto: Lenovo

Dennoch zeigte sich Yang Yuanqing, Chairman und CEO des Unternehmens, zuversichtlich für die Zukunft. Alle Geschäftsbereiche, Solutions & & Service Group (SSG), Infrastructure Solutions Group (ISG) und Mobile seien profitabel gewachsen und zeigten "starkes Momentum". Um das Eisen zu schmieden, solange es heiß sei, werde Lenovo nun seine Investitionen in Forschung und Entwicklung verdoppeln, die Service-getriebene Transformation der Kunden verstärkt unterstützen und dabei alles dafür tun, seine Nachhaltigkeitsziele einzuhalten.