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Datenschluderei mit gebrauchten Festplatten

30.05.2005
Auf gelöschten Computer-Festplatten befinden nach einer Untersuchung oft noch sensible private oder geschäftliche Daten.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Auf gelöschten Computer-Festplatten befinden nach einer Untersuchung oft noch sensible private oder geschäftliche Daten. Das ist das Ergebnis einer Studie des Berliner Software-Hauses 0&0, berichtete das ARD-Wirtschafts- und Verbrauchermagazin "Plusminus". Die Berliner Experten fanden auf zwei von drei gebrauchten Platten kritische Informationen.

Bei der Untersuchung von 200 Festplatten, die über ein Internet-Auktionshaus ersteigert wurden, fanden die Experten der Informatikfirma teils hochsensible Firmendaten: So kam ein gebrauchte Festplatte eines der größten deutschen Kreditgeber, der Landesbank NordLB, in Umlauf und mit ihr bankinterne Bewertungen anderer Geldhäuser, Ratings und Beurteilungen der aktuellen Engagements der NordLB bei diesen Geldinstituten.

Auch Teile des internen Schriftverkehrs einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit in Nordrhein-Westfalen konnten die Experten nach den Angaben von "Plusminus" leicht rekonstruieren: Die umfangreiche Korrespondenz zwischen der Behörde und den Ermittlungsbeamten in Sachen Schwarzarbeit war ebenso nachzulesen wie Briefe eines Rechtsanwalts.

Der Hamburger Informatik-Experten Prof. Klaus Brunnstein kritisierte nach Angaben des Magazins den Betriebssystem-Hersteller Microsoft. Das Unternehmen trage eine Mitschuld an der Datenschluderei. Denn schließlich suggeriere Microsoft, dass das Windows-Betriebssystem die Daten durch Löschen oder Formatieren der Festplatte dauerhaft und zuverlässig vernichtet. Das sei aber nicht der Fall, denn es werde ja nur das Inhaltsverzeichnis gelöscht, die eigentlichen Daten aber blieben gespeichert.

Brunnstein forderte Microsoft auf, die Anwender besser zu informieren: "Das Unternehmen müsste für die Nutzer, die sich nicht auskennen, einen deutlichen Hinweis in der Hilfeleiste anbringen" und so auf die Gefahr aufmerksam machen.

Microsoft Deutschland wies diese Kritik laut "Plusminus" mit dem Hinweis darauf zurück, dass die Windows-Nutzer eine einfache Benutzerführung verlangten. Da es bisher keinerlei Beschwerden wegen der Löschroutine bei Microsoft gegeben habe, werde das Unternehmen das Betriebssystem auch nicht dahingehend ändern. Gleichwohl empfiehlt das Software-Unternehmen den Einsatz professioneller Löschsoftware.

Diese Spezial-Programme gewährleisten eine wirklich zuverlässige Datenvernichtung. Dabei werden die Speicherplätze auf der Festplatte einige Male mit Zufallswerten überschrieben, so dass die ursprünglichen Informationen nur mit sehr hohem Aufwand rekonstruierbar sind. (dpa/mb)