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Das war die CeBIT 2017

Kommentar  12.03.2017
Axel Oppermann beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Social Enterprise, Cloud Computing und Microsoft hineinfällt. Axel schreibt auf Computerwoche als Experte zu den Themen Enterprise Cloud, Digital Enterprise und dem IT-Lieferanten Microsoft. Als IT-Analyst berät er Anwender bei der Planung und Umsetzung ihrer IT-Strategien. Axel ist Geschäftsführer des Beratungs- und Analystenhaus Avispador aus Kassel. Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE /* Style Definitions */ table.MsoNormalTable {mso-style-name:"Normale Tabelle"; mso-tstyle-rowband-size:0; mso-tstyle-colband-size:0; mso-style-noshow:yes; mso-style-priority:99; mso-style-parent:""; mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; mso-para-margin-top:0cm; mso-para-margin-right:0cm; mso-para-margin-bottom:8.0pt; mso-para-margin-left:0cm; line-height:107%; mso-pagination:widow-orphan; font-size:11.0pt; font-family:"Calibri","sans-serif"; mso-ascii-font-family:Calibri; mso-ascii-theme-font:minor-latin; mso-hansi-font-family:Calibri; mso-hansi-theme-font:minor-latin; mso-fareast-language:EN-US;}
Der erste CeBIT-Rückblick des Jahres 2017. Sieben Tage vor dem Start der CeBIT. Quasi ein vorausschauender Messerückblick mit zu erwartenden Inhalten.

Mehr als 200.000 Besucher werden vom 20. bis 24. März 2017 zur CeBIT 2017 gekommen sein. Also ungefähr so viele wie im Vorjahr. Und diese Besucher werden eine ganz neue CeBIT erlebt haben - so nicht nur die klare Aussage der Protagonisten der Messegesellschaft. Auch die Mehrheit der über 3.000 Aussteller, die neue Technologien wie künstliche Intelligenz, humanoide Roboter oder Anwendungen der virtuellen Realität präsentiert haben werden. An den Ständen werden mehr Kontakte als in den Vorjahren geknüpft worden sein.

CeBIT 2017 - der Countdown läuft.
CeBIT 2017 - der Countdown läuft.
Foto: Ratchat - shutterstock.com

Eine Umfrage eines mit der Thematik in weiten Teilen vertrauten IT-Branchenverbandes unter den Ausstellern wird aber auch gezeigt haben, dass insbesondere mittelständische Unternehmen den digitalen Wandel noch immer angehen. Und diesen dann jedoch häufig auch noch viel zu langsam. Ein Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands auf Unterarbeitskreisebene wird eindringlich gewarnt haben, dass, wer nicht "abgehängt werden" wolle und weiterhin "liefern" wolle, jetzt "agil-dynamisch werde handeln" müssen.

Auch Angela Merkel wird in Hannover gewesen sein. Sie wird erst aus den Medien von der Veranstaltung erfahren. Gleich nach Bekanntwerden, quasi anschließend und unmittelbar, wird sie mit Alexander Dobrindt telefoniert haben und von ihm informiert worden sein, dass einerseits Japan Partnerland gewesen sein werde und bahnbrechende Lösungen sowie Ideen allesamt im Zeichen der Vielfalt des Ansatzes "Society 5.0" präsentiert haben werde. Und dass auf der anderen Seite das Ministerium zu diesem Sachverhalt einen Untersuchungsausschuss eingerichtet haben werde. Sie wird ihn zugleich ermutigt haben, eine Kommission einzurichten, um die Gigabit-Gesellschaft zu entwickeln.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die gemeinsam mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe und mehr als 2.000 Besuchern bereits am 19. März im Rahmen der Welcome Night in Halle 9 den Grundstein für die erfolgreiche Messe gelegt haben wird, wird auf ihrem Messerundgang die Frauenfreundschaft mit Martina Koederitz, Vorsitzende der Geschäftsführung bei IBM Deutschland, gefestigt und sich letztmalig am opulenten Messeauftritt der Telekom in Halle 4 erfreut und interessiert gezeigt haben.

Klasse statt Masse

Klar, noch vor Jahren spürte so ziemlich jeder - nicht nur in Hannover - wenn CeBIT war. Auf den Boulevards der Stadt, in den öffentlichen Verkehrsmitteln und den Häusern der Freude war es richtig voll. Ein Hotelzimmer, Tisch oder Bett war nur schwer zu bekommen. Und im historischen Stadtzentrum waren abertausende Messebesucher unterwegs, flanierten und genossen regionale Spezialitäten im Übergang vom Spätwinter in den Vorfrühling.

Davon wird in diesem Jahr nicht mehr allzu viel übrig gewesen sein. Seit "die Messe" sich vor rund drei Jahren ganz gezielt nicht mehr an ein breites Publikum wandte, sondern nur noch an die absoluten Fachbesucher, sind Menschenmengen wie im Jahr 2001, als noch über 830.000 Besucher die neuen PDAs und PCs mit 1 GHz-Prozessoren bestaunten, nicht mehr zu erwarten.

Muss auch nicht sein.

  • Muss genauso wenig sein wie die Schulklassen, die ab Mittwoch, ausgestattet mit zahlreichen Freikarten, das Messegelände bevölkert haben werden, getarnt als Beutelratten in ihrer designierten Rolle als Führungskräfte der Zukunft und Young Professionals.

  • Muss genauso wenig sein wie die langen Schlangen vor den Essensständen.

  • Muss genauso wenig sein, wie die gefühlte 131. Liveschalte mit/zu Edward Snowden, dessen Lebensleistung - dessen Opfer - gar nicht hoch genug gewürdigt werden kann, dessen Aussagen per Videoschalte aus seinem russischen Exil jedoch beliebig sind. Edward Snowden, der Lothar Matthäus unter den Whistleblowern - den Skandalaufdeckern - wird am Dienstag über Bedrohungen für die Privatsphäre gesprochen haben.

Was aber auch 2017 zu konstatieren ist: Die niedersächsische Landeshauptstadt wird eine fantastische Gastgeberstadt für Menschen aus über 100 Nationen gewesen sein, in der man echte Offenheit erlebt. Alle werden freundlich gewesen sein.

Verwaltungs-Highlights

Die CeBIT 2017 wird so umfänglich voll von Highlights gewesen sein, dass hier nur einige ausgewählte thematisiert werden können. Das eine oder andere Selfie mit anderen digitalen Digitalvorreitern wird gemacht und ein Ordervolumen in zweistelliger Milliardenhöhe konkretisiert und angeschoben worden sein wird.

Zu den absoluten Besuchermagneten wird neben den Hallen 2, 3, 4, 5, 6, 9, 11, 12, 14, 15, 16, 17 sowie den Freiflächen, dem IC sowie dem CC eindeutig die Halle 7 gehört haben. Hier wird die digitale Zukunft der Verwaltung Realität geworden sein; so auf dem Gemeinschaftsstand des IT-Planungsrats. Hier werden Bund und Länder ihre aktuellen Projekte vorgestellt haben. Dazu gezählt haben werden exemplarisch das Servicekonto Baden-Württemberg, das der sicheren Speicherung und Verwaltung digitaler Identitäten dient, das Haushaltsmanagement-System HAMASYS aus Thüringen zur Planung, Abrechnung und Kontrolle von Rechnungssystemen und die Maerker-App aus Brandenburg, die den Bürgern die Möglichkeit gibt, ihrer Kommune Missstände und Störungen per Smartphone zu melden.

Interessant gewesen sein wird eindeutig auch das rlp-ServiceKonto aus Rheinland-Pfalz für Bürgerdienste im Netz und die Initiative der Hochschule Hannover, die ihren Studiengang Verwaltungsinformatik vorgestellt haben wird. Österreichurlauber oder Schwedenreisende können die vorgestellte digitale Zukunft der Bundesdeutschenverwaltung schon seit Jahren im Feldversuch beobachten.

Die extra angereisten Besucher werden täglich von 09:00 bis 18:00 Uhr in Summe über 2.000 Stunden Vorträge von über 200 Sprechern konsumiert, sich an kleinen Talkrunden beteiligt und bei der Abendveranstaltung der Salesforce Worldtour richtig abgerockt haben und so Bestanteil einer Veranstaltung gewesen sein werden, die die digitale Transformation, in dieser Form einzigartig, in ihrer Gesamtheit erlebbar gemacht haben wird.

Fazit: "Macht nichts, solange es okay ist"

Vor drei bis vier Jahren haben sich die Verantwortlichen der Messegesellschaft in Hannover auf den Weg gemacht, die CeBIT zu verändern. Das wird auch in diesem Jahr gelungen sein. Keine großen Produktspektakel - wenig Lametta. Kein Spagat zwischen Quantität und Qualität, sondern ein professionelles Meet & Greet. Keine Effekthascherei, sondern Meterware im Stil einer Hausfrauenausstellung in Knieritz an der Knatter. Nicht mehr, nicht weniger.

Den Machern der CeBIT wird es auch 2017 gelungen sein, den Trend vom Hype zu trennen. Und Trends werden vorgestellt worden sein, aber nicht gesetzt. Veränderung wird der neue Stillstand gewesen sein.

Und solange die Aussteller und Besucher zufrieden gewesen sein werden und weiterhin zufrieden sein werden, ist alles okay. Solange die Deutsche Messe mit der CeBIT Geld verdient - mehr, als durch eine Zusammenlegung mit der Hannover Messe verdient wird - beziehungsweise verdienen könnte, ist alles okay.

Die CeBIT, respektive die Verhaltensmuster der Verantwortlichen, wird auch hier Spiegelbild der gelebten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Realität in Deutschland gewesen sein. Da macht es auch nichts, dass sich Microsoft in diesem Jahr in den Kreis der CeBIT-Standdienstverweigerer eingereiht haben wird. Da macht es nichts, dass sich Großmieter aus Halle 4 und Halle 2 zurückziehen werden. Da macht es auch nichts, dass auch sonst eher kritische Beobachter zugegeben haben werden, "es macht aber auch nichts, solange es okay ist".

Was mich betrifft: Ich werde auch in diesem Jahr wieder gerne auf der CeBIT gewesen sein und ich freue mich schon auf 2018.