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Das war 1999 - Januar bis März

23.12.1999
COMPUTERWOCHE-Jahresrückblick (1)

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Jahr-2000-Problem, der Microsoft-Prozeß, Compaqs Geschäftseinbruch, Fujitsus Computerfusion mit Siemens - das alles und noch viel mehr geschah im Jahr 1999, auf das wir im folgenden zurückblicken möchten (Teil 1).

JANUAR

Im nachhinein ist man ja bekanntlich immer schlauer. Kleine Hinweise, welcher Art die Probleme des weltgrößten PC-Lieferanten sein könnten, lieferte die COMPUTERWOCHE schon in ihrer ersten Ausgabe 1999: Die Diffusion des Compaq-Geschäftsbereichs Communications Products Group in andere Unternehmensbereiche sehen damals Marktbeobachter nicht nur als den Einstieg in den Ausstieg aus dem Geschäft mit Netzkomponenten. Die Neuausrichtung von Compaq wird auch gleich einer ätzenden Beurteilung der Experten unterzogen, die sich im Rückblick wie eine Fundamentalkritik liest: Fehleinschätzung des Marktes, Probleme im Management, falsche Händlerstrategie - das sind einige der Nettigkeiten, die Compaq um die Ohren gehauen werden. Einige Monate später sollen diese Argumente den Rauswurf Pfeiffers rechtfertigen.

Als gar nicht niedlich empfindet die amerikanische Telekommunikationsfirma MCI Worldcom, was ihr gleich zu Jahresbeginn passiert und was später anderen Unternehmen, Behörden und Privatpersonen auch noch widerfahren wird: Ein heimtückischer Virus legt gleich 50 ihrer Server lahm. "Remote Explorer" agiert netterweise vor allem im Netz und nutzt dabei Fernwartungsfunktionen von Windows NT, um seine Aufwartungen zu machen.

Die zweite Luft bekommt Microsoft im Jahrhundertprozeß gegen die US-Justizbehörde, als America Online (AOL) bekanntgibt, man werde Netscape akquirieren. Der Kauf könnte nämlich, sinnierte Richter Thomas Jackson öffentlich, "sehr wohl eine direkte Auswirkung [...] auf die Definition haben, was einen Markt konstituiert". Microsoft wird vorgeworfen, mit Hilfe seines Monopols im Bereich der Desktop-Betriebssysteme auch andere Märkte unter Kontrolle bringen zu wollen. Das wäre ungesetzlich.

Auch in Deutschland ist der Monopolbegriff bekannt. Und die Deutsche Telekom, Anfang 1999 schon gerne als Ex-Monopolist bezeichnet, de facto aber immer noch Herrscher der hiesigen Telekom-Szene, läßt die Muskeln recht ordentlich spielen beim Poker um Preise im Nachweihnachtsgeschäft. Auch so schafft man sich Freunde.

"Se sänd noch ziemlich onreif" attestiert in Anlehnung an die "Feuerzangenbowle" das amerikanische Beratungshaus D.H.Brown Associates Anfang des Jahres dem Microsoft-Produkt Windows NT, als das gegen diverse Unix-Derivate anzutreten hat. Nicht geeignet für das Enterprise, so das Verdikt. Aber das wußten wir ja auch ohne die US-Analysten.

Und noch eine Ohrfeige für Billy the Boss: So ganz Jahr-2000-sicher war Windows 98 vor zwölf Monaten noch nicht. Auch ein paar Monate später wird es noch was zu mäkeln geben.

1999 ist auch das Jahr der großen Versprechungen: Alles funktioniert, und zwar umsonst. Kostenloser Internet-Zugang für alle - auch so eine Schimäre, die mancher Anbieter bei genauerem Nachfragen auf die unentgeltliche Anmeldung und die gebührenfreie Abwicklung reduzieren muß. Das Thema verfolgt uns: Im Sommer sollen kostenlose PCs unters Volk kommen. Wie die meisten schönen Geschichten leider auch nicht wahr.

Bei der Mannesmann Mobilfunk GmbH knallen im Januar die Sektkorken, weil das erfolgreichste Geschäftsjahr in der Geschichte des Unternehmens gefeiert werden kann. 5,9 Millionen D2-Mobiltelefonierer, darunter 2,4 Millionen Neukunden, spülten 7,3 Milliarden Mark und damit 30 Prozent mehr Umsatz in die Kassen der Rheinländer.

Oracle startet nicht besonders originell ins neue Jahr: Die Markteinführung der Internet-Datenbank "Oracle 8i" wird um Monate verschoben. Lucent begibt sich auf Brautschau. Kaum hat man die Softwarefirma Kenan Systems verdaut, schnappt der TK-Konzern schon nach Ascend Communications. Bill Gates gibt bekannt, 7,56 Prozent der Aktienanteile des Netzspezialisten Banyan käuflich erwerben zu wollen.

SAP sorgt für schlechte Stimmung an der Börse, weil das Jahresergebnis 1998 trotz eines Umsatzzuwachses von 40 Prozent (8,4 Milliarden Mark) mit einem Vorsteuerergebnis korrespondiert, das "nur" 15 statt der versprochenen 30 bis 35 Prozent über dem Vorjahreswert liegt.

Compaq bereitet im Januar 1999 den Kauf des amerikanischen Online-Händlers Shopping.com für 220 Millionen Dollar vor. Daß die Texaner ein paar Monate später diese Akquisition schon wieder weiterveräußern, zeugt von guter Geschäftsplanung...

Solche Erfolgskonzepte kennen aber auch andere: Baan stößt nicht nur 35 Prozent der Belegschaft vor den Kopf beziehungsweise in die Arbeitslosigkeit, sondern auch die erst kürzlich von Siemens übernommene Softwarelinie "Comet" wieder ab. Im gleichen Aufwasch baant sich das Ende für die Personalzeiterfassungs-Softwarewerkzeuge an.

Web-Design-Werkzeuge für dich und mich verspricht die Branche Anfang des Jahres. Mit Technologiesprüngen bei Web-Tools sei die Frage beantwortet, ob nicht doch in jedem von uns ein kleiner Web-Designer stecke. Beim Surfen im WWW lautet die Antwort ganz klar: Nein!

Unisys, lesen wir im Januar, habe sich still und heimlich vom Mainframer zum IT-Dienstleister gewandelt. Der Mutant versteht es in der Folge gut, diese Botschaft geheimzuhalten.

In Orlando, Florida, zeigen die Anwender der IBM, wo der Bartel den Most holt. "Lotus Domino" und "DB2" auf Linux skandieren die User ihre Forderung, und Big Blues Marketiers vernehmen´s mit Erstaunen.

In London zocken das britische Unternehmen Vodafone - kennt das jemand bei Mannnesmann? - und Bell Atlantic um den Mobilfunkanbieter Airtouch. Im Tie-Break setzen sich die Briten durch.

Ein Modewort, besser Buzzword, sind schon Anfang des Jahres Applikations-Server. Nach dem Motto: "Software gibt´s für Selbstabholer jetzt im Internet" verspricht uns die Branche hier einmal mehr ein völlig neues und selbstredend erfolgreiches Geschäftsmodell.

Wie sich die Zeiten ändern: Noch Ende Januar 1999 klagt die Halbleiterbranche über den Preisverfall, die Asienkrise und Überkapazitäten. Die weltweiten Umsätze gehen um 14 Prozent zurück. Heute kann sich sogar der chronisch mit roten Zahlen kämpfende ehemalige Siemens-Halbleiterbereich, jetzt ausgegliedert in das Unternehmen Infineon, die Hände reiben.

Dafür sucht ein anderes Geschäft des Siemens-Konzerns nach einem zukunftsträchtigen Kurs: Siemens Business Services (SBS) eröffnet Ende Januar, jegliche Beratungstätigkeit im Umfeld der Baan-Standardsoftware aufzugeben. Baan sei nicht gerade ein Hoffnungsträger für lukrative Geschäfte.

Deutsche Versicherungsunternehmen signalisieren derweil ihren Unwillen, für Schäden zu haften, die aus Jahr-2000-Problemen resultieren werden. Die Spannung steigt.

"Jini", Sun Microsystems Technologiekonzept, alle elektronische Gerätschaft vom PC bis zur Kaffeemaschine miteinander zu vernetzen, hat derweil das Betastadium überlebt. Erster ernsthafter Kunde wird der Zustelldienst Federal Express. Novells Konkurrenzkonzept "Nest" und Microsofts "Windows at Works" haben weniger Glück.

Vobis betreibt die eigene Zerlegung. Für die 252 Läden gebe es einen "sehr interessanten Käufer", hieß es. Die PC-Fertigung geht an Maxdata. Die neun Auslandstöchter sollen getrennt unter die Haube gebracht werden. Schade, Theo - aber der charismatische Firmengründer Lieven hat sich eh schon vorher abgesetzt.

Aufruhr gegen Intel gibt es, weil des Marktführers neuer Pentium-III-Chip die digitalen Fingerabdrücke jedes Internet-Surfers im WWW über eine CPU-Identifikation sicherstellt. Sorry, haben wir doch glatt vergessen, unsere Kundschaft darauf aufmerksam zu machen.

FEBRUAR

Muß man noch erwähnen, daß Microsoft im Februar 1999 wieder einmal - wann eigentlich nicht? - Rekordquartalszahlen veröffentlicht? Aus rund fünf Millionen Dollar Umsatz im zweiten Quartal zieht Billy-Boy zwei Milliarden Dollar Gewinn. Ach ja: Baan hat im gleichen, allerdings seinem vierten Geschäftsquartal auch Spitzenwerte zu vermelden. Mit 250 Millionen Dollar Miesen nämlich einen Rekordverlust. Motorola setzt noch einen drauf: Im Geschäftsjahr 1998 summiert sich fast eine Milliarde Dollar Verlust.

Auch für die IBM wechseln bei der Jahresendabrechnung 1998 Licht und Schatten: Beim Reingewinn legt Big Blue gegenüber 1997 mit 6,3 Milliarden zwar um 200 Millionen Dollar zu. Aber das Hardwaregeschäft ist rückläufig.

Nicht nur die Olympischen Spiele, auch das Jahr-2000-Problem bringt Menschen zusammen: US-Experten versuchen, russischen Firmen und Behörden zu helfen, den Y2K-Bug in den Griff zu bekommen.

Und noch einmal Versprechungen: Das Blaue vom Himmel erzählen uns die Deutsche Telekom und deren Carrier-Konkurrenten. Eine Studie der Münchner Unternehmensberater Schell Marketing Service belegt im Februar aber: 75 Prozent der Anbieter können das Wort Kundenorientierung nicht einmal buchstabieren.

Rechtzeitig vor der CeBIT erfaßt nach der IBM, Sun und Siemens auch andere etablierte Hersteller wie Compaq, Hewlett-Packard (HP), Silicon Graphics und Dell das Linux-Fieber.

Auch das Fusionsfieber grassiert: Für 4,7 Milliarden Dollar legt Yahoo sich die Web-Community Geocities zu.

Hochfliegend gestartet, grandios abgestürzt sind hingegen die Betreiber des Satellitendienstes Iridium der gleichnamigen Firma. Lediglich 3000 Kunden weltweit sorgen dafür, daß der durch exorbitante Investitionen in lichte Höhen katapultierte Schuldenstand nicht mehr abgebaut werden kann.

Paul Maritz, hochdekorierter Microsoft-Manager, wird im Jahrhundertprozeß von Ankläger David Boies so lange gegrillt, bis er zugibt, sein Unternehmen habe die Konkurrenz ab und zu schon mal ein kleines bißchen unter Druck gesetzt. Der Richter vernimmt es mit Interesse.

Gutes Geld einer schlechten Sache nachgeworfen hat IBMs Finanzabteilung Global Financing, als sie im Februar CHS Electronics 400 Millionen Mark auf den Tisch legt. Nicht deshalb allerdings ging der Distributor Monate später pleite.

Deutschlands Politiker halten im Februar noch ihren wohlverdienten Winterschlaf - zumindest, wenn es um die Jahr-2000-Bewältigung geht. So kurz nach der gewonnenen Wahl ist zuviel Aktionismus aber wohl auch eher abträglich.

Klaus Plönzke räumt im Februar den Vorstandsvorsitz der von ihm gegründeten Beratungsfirma und wechselt in den Aufsichtsrat der kalifornischen Muttergesellschaft CSC. Ihn beerbt Christian Stolorz.

Die Mobilcom AG vermeldet ein Traumergebnis für das Geschäftsjahr 1998. Der Gewinn pro Aktie stieg von 1,15 auf 10,06 Mark.

Licht am Ende des Tunnels für Informix: Erstmals wieder einen Gewinn vermeldet der Datenbankanbieter für das abgelaufene Geschäftsjahr.

Schwarz vor Augen wird es hingegen Bill Gates: Sein Video "Wir sind ein Teil", das beweisen sollte, mit Windows und dem Browser "Explorer" sei verschweißt, was untrennbar zusammengehöre, kommt im Gerichtssaal nicht gut an. Die Schnitte waren zu gewagt, die Lücke zwischen Dichtung und Wahrheit zu groß.

Gemeinsam marschieren der US-Carrier MCI Worldcom und der IT-Dienstleister EDS in eine E-Business-Zukunft. Zusammen will man Großkunden Komplettlösungen anbieten.

Gruselig wird es zusehends für die Musikindustrie: MP3 erregt die Gemüter - sowohl derer, die sich Hits aus dem Internet gebührenfrei herunterladen, als auch jener, die jetzt nichts mehr an den Spice Girls verdienen.

Und weil wir schon beim Verschenken sind: Mit dem Free-PC, dem kostenlos verteilten Rechner, taucht ein neues Geschäftsmodell in der Branche auf. Als Gegenleistung soll der PC-Kunde im Internet per Push-Verfahren Werbung über sich ergehen lassen. Und langfristige Verträge mit Internet- Service-Providern (ISPs) abschließen. Dafür gibts die Hardware frei Haus. Gerüchte besagen, daß Compaq die Schenkungsmöglichkeiten mit Interesse überdenkt.

Nicht für möglich gehalten hätten wir dann, was Microsoft Ende Februar mitzuteilen hat: Der Umstieg von Windows 98 auf Windows 2000 sei mit signifikanten Schwierigkeiten verbunden, läßt Bill Gates ausrichten. Im April werden wir erfahren, daß der Umstieg von Windows 95 oder 98 auf Windows 2000 die Anwender auch noch teuer zu stehen kommen wird. Fairerweise verschiebt Microsoft allerdings immer wieder den Termin, an dem Windows 2000 zu Wasser gelassen werden soll.

Auch Intel hat Scharmützel vor Gericht auszufechten. Wie Microsoft wird dem Prozessorgiganten Monopolmißbrauch vorgeworfen. Unbotmäßigen Rechnerherstellern wie der ehemaligen Digital, Intergraph oder Compaq hat der Chipkrösus offensichtlich wichtige Technologieinformationen vorenthalten.

Microsoft will mit "Tahoe" und "Polar" sein "Back Office" um Dokumenten-Management-Features erweitern. Die Lösungen sollen gemeinsam mit Windows 2000 ausgeliefert werden. Das kann also dauern.

MÄRZ

Rechtzeitig vor der CeBIT 1999 erteilt die SAP AG Linux die höheren Weihen und gibt bekannt, die Standardsoftware R/3 auf dem Freeware-Unix anzubieten.

Ziemlich strategisch ist auch Oracles Schachzug: Der Datenbankanbieter will die Administration seiner Applikationen künftig ganz auf die Novell Directory Services (NDS) abstellen. Auch bei den Verzeichnisdiensten arbeitet die Larry-Ellison-Company eng mit den Netzwerkern aus Utah zusammen.

Einen folgenschwere Fehler begeht Compaq-Chef Pfeiffer Anfang März, als er einen allgemein schwächelnden PC-Markt für unbefriedigende Unternehmensergebnisse verantwortlich machen will. Außer Compaq hat niemand etwas von dem daniederliegenden Rechnermarkt mitbekommen. Das Argument wird "Ecki" wenige Wochen später auf unliebsame Weise einholen.

Derweil würgt Olivetti in Italien den TK-Riesen Telecom Italia ganz erheblich, um ihn auf eine Übernahme einzustimmen. Und nicht nur in den USA fragen sich die Experten, ob Cabletron seine besten Tage schon gesehen hat. Zu lange Produktzyklen, Marketing-Fehler und eine handfeste Führungskrise sind schuld am Umsatzverfall und Gewinneinbruch des einstigen Senkrechtstarters, der jahrelang in einem Atemzug mit Cisco, Bay Networks (jetzt Nortel) und 3Com genannt wurde.

Ans Leder will der US-Industrieverband Software & Information Industry Association (SIIA) der Firma Microsoft. Verliere die Gates-Company den Jahrhundertprozeß gegen das US-Justizministerium, so solle das Unternehmen aus Redmond zerschlagen werden.

Konkurrenz, welche Konkurrenz? Während der andere Quasimonopolist der DV-Branche, Intel, seinen Dukatenesel streichelt, muß Wettbewerber AMD 300 von 13 800 Mitarbeitern entlassen. Grund: Im ersten Quartal 1999 sei mit erheblichen Verlusten zu rechnen.

Und kaum hat sich der Ärger über Intels Pentium-III-Chips gelegt, deren Seriennummern im Internet überall Spuren zu den Benutzern hinterlassen, muß Microsoft eingestehen, daß Windows 98 mit ebenso eindeutig zuzuordnenden Identifikationsnummern Duftmarken im WWW setzt.

Für Intel geht im März die Schlacht vor den Gerichtsschranken glimpflich aus. Die US-Kartellbehörde Federal Trade Commission läßt sich auf einen außergerichtlichen Vergleich ein.

Zum Heulen zumute ist im März der Software-, Musik- und Filmbranche. Die International Intellectual Property Alliance (IIPA) errechnet, daß diesen drei Industriezweigen 1998 insgesamt rund 12,4 Milliarden Dollar wegen Raubkopien durch die Lappen gegangen sind.

Ein US-Richter stellt fest, daß trotz Meinungsfreiheit das Internet nicht als Vehikel benutzt werden darf, um Andersdenkende zu diskriminieren. Im konkreten Fall wird Abtreibungsgegnern verboten, Listen mit Namen, Adressen und privaten Daten von Ärzten und deren Personal zu veröffentlichen, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen.

HP meldet, sich in zwei Unternehmen aufsplitten zu wollen. Der Meßtechnikbereich wird ausgegliedert und soll unter neuem Namen als selbständige Firma agieren. Übrig bleibt ein Unternehmen, das seinen Umsatz zu 50 Prozent mit Druckern und Zubehör erwirtschaftet und sich Computerhersteller nennt.

Eine Studie der COMPUTERWOCHE zur CeBIT bringt es an den Tag: Die meisten Systemhäuser in Deutschland erfüllen die Erwartungen ihrer Kunden nur zum Teil. Vor allem der schlechte Support verdrießt die Anwender.

Seine Spinnenfäden weiter zieht Bill Gates: Gemeinsam mit 3Com plant Microsoft, Lösungen für die einfache Vernetzung von Windows-Rechnern und Peripheriegeräten zu entwickeln. Schon im Januar hatten beide Firmen über eine Kooperation informiert, die die Integration von Sprache sowie Daten und Videoinformationen zum Ziel hat.

Peoplesoft gibt einen Ball verkehrt: Wo anderswo Führungskräfte gefeuert werden, muß Unternehmens-Gründer und Vorstandsvorsitzender Dave Duffield weiter auf seinem CEO-Posten ausharren. Auch die Bemühungen eines Headhunters konnten keinem Kandidaten den Peoplesoft-Thron schmackhaft machen.

Im März schreiben die COMPUTERWOCHE und die Unternehmensberatung Gartner Group den Wettbewerb "Anwender des Jahres" aus. Acht Monate später steht mit der Herlitz PBS aus Berlin der verdiente Sieger fest.

Wie schnell sich die Geschäftswelt dank des Internet verändert (und verhärtet), zeigt das Beispiel der Reiseagenturen. Die verlieren durch die Online-Direktverkäufe namhafter Fluggesellschaften wie etwa der Lufthansa massiv an Marktanteilen. Und prügeln sich jetzt mit den Airlines.

Die Jahr-2000-Bombe tickt weiter: Mitte März wird bekannt, daß in vielen Telefonanlagen der Y2K-Bug auf seinen Auftritt wartet. Vorwürfe kursieren, die Hersteller kehrten das Problem unter den Teppich, um aus dem zu erwartenden Chaos im Januar 2000 Kapital zu schlagen.

Wieder Teilsieg für Linux: Computer Associates (CA) will gemeinsam mit dem Linux-Distributor Red Hat die System-Management-Plattform "Unicenter" auf das Open-Source-Betriebssystem portieren.

In der COMPUTERWOCHE warnt Edward Yardeni, Volkswirt und leitender Direktor der Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Morgan Grennfell, vor Wirtschaftskrisen, die durch das Jahr-2000-Problem zu gewärtigen seien.

Funkstille auf der CeBIT bei Nokia-Handy-Benutzern: Regionale Nachrichten, die ein Infodienst per Cell Broadcast Service (CBS) vermitteln soll, machen kurzen Prozeß mit den mobilen Nervtötern und zerstören diese teilweise. Auf der Hannoveraner Messe kündigen die Finnen auch das erste auf dem Wireless Application Protocol (WAP) beruhende Handy der Welt, Modell "7110", an. Im September soll es auf den Markt kommen. Im September soll es im Oktober kommen, im Oktober im November. Im Dezember im Januar. Und so weiter. Es soll ein ganz tolles Handy sein.

Bertelsmann beendet seinen Ausflug ins private Telefongeschäft. Wirklich begonnen hatte der im Oktober 1998 gestartete Telefondienst "C@llas" für Privatkunden allerdings nie.

Die IT anderer Firmen zum Fliegen bringen will seit Ende März die von der Lufthansa AG gegründete Lufthansa IT Services. Als Komplettanbieter möchten die Leute mit dem Kranich im Logo ins hartumkämpfte Dienstleistungssegment eintreten. Erste Kunden mit wohlklingendem Namen hat man schon: die Commerzbank, den Reifenhersteller Dunlop, den Heizkesselspezialisten Buderus sowie den Getränkeproduzenten Mast Jägermeister ("Ich trinke viele Jägermeister, weil wir bei unserer IT jetzt von der Lufthansa geholfen werden").

Auch kein Garant mehr für ein Jobwunder ist der Bereich Telekommunikation. Im März melden Carrier wie Otelo und Mannesmann Arcor, ihr Bedarf an neuen Mitarbeitern sei gedeckt. Einige denken bereits wieder an Personalreduzierungen.

IBMs Topmann Louis Gerstner ist so verzweifelt über fast eine Milliarde Dollar Verlust in Big Blues PC-Geschäft 1998, daß er vorsorglich das Ende der PC-Ära ausruft. Folgen mag ihm niemand.

In diesem Zusammenhang: Mit den Internet-Handies kommt ein neuer Hip-Begriff auf. Dank WAP soll das Surfen aus der Hosentasche ganz easy sein. Wären da nicht die Standards. Völlig unerwartet tritt Siemens mit dem "S 25" an die Spitze der Bewegung. Schade nur, daß die Bayern auf die falsche WAP-Norm setzen. Auch sonst: Viele Hochglanzfotos, aber keine Produkte. Erwähnten wir schon Nokias tolles "7110"-WAP-Handy? Das soll im Januar 2000... Dafür gibt es im April für das Satellitennetz Iridium jetzt auch Handies. Dumm nur, daß Iridium so gut wie pleite ist.

Im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE weiß Rudi Lamprecht, Chef des Geschäftsbereichs Information and Communication Products (ICP) von Siemens, nicht, daß die Computer-Systems-Division von ICP mit Fujitsu Europe zu Fujitsu-Siemens Computers verschmolzen werden wird. Sagt er. Glauben wir nicht. Und schreiben es trotzdem.

Und während bei EDS der Rotstift regiert, wächst sich das Debis Systemhaus zum pumperlgesunden Unternehmen aus. 40 Prozent mehr Umsatz (4,3 Milliarden Mark) im Geschäftsjahr 1998 erarbeiten sich die Dienstleister. 70 Prozent stammen aus Einnahmen mit externen Kunden. Trotzdem muffelt Debis-Chef Karl-Heinz Achinger. Auf den Boden des lukrativen US-Markts setzen die wackeren Schwaben keinen Fuß.

Als Enfant terrible der Branche erweist sich einmal mehr CA mit dem 3,5 Milliarden Dollar schweren Kauf des System-Management-Anbieters Platinum. Analysten sagen, CA sei bei der Akquisition vor allem an Platinums Service-Organisation interessiert. Außerdem hinke CAs System-Management-Produkt "Unicenter" hinter der erhofften Entwicklung her. Das soll nun Platinum richten.