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DAS URTEIL: MICROSOFT WIRD GETEILT

07.06.2000
Richter Jackson beendet historisches Kartellverfahren - vorerst

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der im Antitrust-Prozess gegen Microsoft vorsitzende Richter Thomas Jackson hat am Mittwoch um 16.30 Uhr Ostküstenzeit (22.30 Uhr MEZ) und damit eine halbe Stunde nach Börsenschluss sein Urteil gesprochen: Wie nicht anders zu erwarten, sieht der Spruch eine Zweiteilung des Softwarekonzerns in eine Betriebssystem- und eine Anwendungs-Company vor. Jackson folgt damit weitgehend den Forderungen der US-Regierung, genauer: des Justizministeriums und 17 von ursprünglich 19 einzelnen US-Bundesstaaten. Gleichzeitig verhängte er das schärfste Kartellurteil seit der Zerschlagung von AT&T vor 18 Jahren. Den eigentlichen Schuldspruch wegen Verstoß gegen den Sherman Antitrust Act hatte der Richter bereits im April verkündet.

Das Verfahren ist damit aber noch nicht beendet, denn Microsoft geht wie angekündigt in die Berufung. Es wird erwartet, dass Jackson den Fall sofort an den Supreme Court weiterleitet, das höchste Gericht der Vereinigten Staaten. Sollte sich dieser der Sache annehmen, ohne noch weitere Instanzen zwischenzuschalten, dürfte wenigstens ein weiteres Jahr vergehen, bevor endgültig ein Urteil gesprochen wird.

Microsoft ist sich bereits sicher, dass der Konzern als Sieger aus dem Berufungsverfahren hervorgehen wird. Chief Executive Officer (CEO) Steve Ballmer jedenfalls erklärte im Rahmen eines Wien-Besuchs: "Wir erwarten, dass wir uns im Berufungsverfahren in den entscheidenden Punkten durchsetzen können. Wir wollen ein Unternehmen bleiben und weiterhin auf unsere Kunden eingehen können, indem wir neue Techniken in Windows integrieren." Ballmer äußerte sich sogar optimistisch, dass Microsoft den von den EU-Kartellbehörden kritisch beäugten Kauf des britischen Kabelnetzbetreibers Telewest Communications "in einigen Monaten" abschließen werde.

Im Laufe des Donnerstags folgt eine ausführliche Berichterstattung.