Compaq-Manager Paul Santeler:

"Das Rennen um den Markt für Web-Server hat gerade erst begonnen"

03.09.1999
MÜNCHEN (kk) - Compaq stellte in München die neuen "Proliant"-Server vor, die mit acht Intel-Prozessoren arbeiten. Technischer Leckerbissen ist der "Profusion"-Chipsatz, der von der jetzigen Intel-Tochter Corollary entwickelt wurde. Compaq reklamiert dafür eine Teilurheberschaft. Mit Paul Santeler, Vice-President Enterprise Servers der Industry Standard Server Division, sprach CW-Redakteurin Kriemhilde Klippstätter.

CW: Wie will Compaq die Vormachtstellung von Sun Microsystems im Markt für Web-Server und Internet-Service-Provider (ISPs) brechen?

Santeler: Das Rennen um diesen Markt hat gerade erst begonnen. Aber ich frage Sie: Wer hat bei Web-Servern weltweit den größten Marktanteil?

CW: Sun.

Santeler: Jeder denkt das. Aber wir haben Sun schon vor eineinhalb Jahren überholt.

CW: Aber Sun hat den größten Marktanteil bei ISPs ...

Santeler: ... und Compaq ist die Nummer zwei. Zudem wollen wir uns dem neuen Geschäftsfeld der Application-Service-Provider (ASPs) widmen.

CW: Wie sieht es mit den Plattformen für Web-Server aus? Macht Linux da wirklich soviel Boden gut, wie alle behaupten?

Santeler: Meine persönliche Meinung ist, daß Linux im Web-Umfeld eine wichtige Rolle spielt, vor allem in Europa. Die Frage ist nur, ob die Anpassung an die sich verändernde Infrastruktur gelingt, wenn eine Gemeinschaft ein System entwickelt.

CW: Sie liefern ja die Server ohne Betriebssystem aus...

Santeler: ...ja, das machen meist unsere Handelspartner. Aber ich denke, daß NT auf den neuen Proliants stark vertreten sein wird.

CW: Obwohl dort noch die 4-GB-Beschränkung besteht?

Santeler: Microsoft hat eine große Betatest-Gemeinde, und die wird Windows 2000 sehr früh testen können. Abgesehen davon haben unsere Acht-Wege-Server auch mit nur 4 GB RAM sehr viele Vorteile gegenüber Servern mit nur vier CPUs.

CW: Compaq reklamiert für sich, das Profusion-Chipset mitentwickelt zu haben. Zahlt Intel dafür Lizenzgebühren?

Santeler: Das fällt bei dem Vertrag, den wir mit Corollary/Intel geschlossen haben, unter die Geheimhaltungspflicht.

CW: Sind die alten Vier-Wege-Rechner aufrüstbar?

Santeler: Die Hälfte ist es. Der "Proliant 7000" kann auf acht Prozessoren nachgerüstet werden. Unsere Handelspartner werden dafür ein Kit anbieten.

CW: Siemens verwendet für seine Acht-Wege-Server ja eine eigene Entwicklung, das Third-Level-Cache, um, wie es heißt, Rechner mit vier CPUs aufrüsten zu können. Das sei mit Profusion nicht möglich.

Santeler: Dazu kann ich nur sagen, daß wir eine Upgrade-Strategie für die Proliant 7000 haben. Die Frage ist, ob sich das wirklich lohnt, denn die vielen Vorteile der neuen Architektur können nicht nachgerüstet werden.