NTT lässt Töchter an der langen Leine

Das „japanische Prinzip“ verlangt Behutsamkeit

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Bereits im vergangenen Jahr hat die NTT-Gruppe ihre Aktivitäten rund um IT-Sicherheit in der Tochter NTT Security gebündelt. Die Produkte und Dienstleistungen werden von den anderen Gesellschaften im NTT-Verbund vertrieben. Grundsätzlich bleibt der Konzern in Deutschland ein „House of Brands“, wobei die Unternehmen eng zusammenarbeiten.
  • NTT Security positioniert sich als Security-Dienstleister rund um die digitale Transformation
  • Töchter der NTT-Gruppe bleiben unabhängig, aber die Account-Planung erfolgt gemeinsam
  • Weltweiter Software-definierter WAN-Service der NTT Communications geht an den Start

Rund 500 Besucher, darunter viele IT-Verantwortliche und Chief Information Security Officers (CISOs), konnte NTT Security zu seiner Veranstaltung "Information Security 2017" in Frankfurt am Main begrüßen. Das Unternehmen nutzte die Gunst der Stunde, um sich auch vor der Presse als "Anbieter von End-to-End-IT-Sicherheitslösungen" rund um die digitale Transformation zu präsentieren. Der Fokus dabei liegt auf Managed Security Services (MSS), spezialisierten Professional Services sowie auf Analysetechnologien mit Threat Intelligence.

Zieht bei NTT Security in Deutschland und dem Emea-Raum die Fäden: Kai Grunwitz.
Zieht bei NTT Security in Deutschland und dem Emea-Raum die Fäden: Kai Grunwitz.
Foto: NTT Security

Die Dienste werden in erster Linie über die anderen Unternehmen der NTT-Gruppe vermarktet, darunter NTT Data, NTT Communications, Dimension Data, E-Shelter und Arkadin. "74 Prozent unserer Leistungen erbringen wir über die anderen Unternehmen der NTT-Gruppe", sagte Kai Grunwitz, der als Senior Vice President Emea auch für die Geschäfte von NTT Security in Deutschland verantwortlich ist. IT-Sicherheit sei ein "überlappendes Element", eine Querschnittsfunktion also, die alle NTT-Geschäfte in der Gruppe bediene.

Integration der NTT-Firmen nicht mit der Brechstange

Tatsächlich ist NTT Security damit der Vorreiter in der Unternehmensgruppe, in der es generell darum geht, redundante Geschäftsfelder zu bündeln, Synergien zu schaffen und Cross-Selling-Gelegenheiten zu nutzen. Damit versucht die NTT-Gruppe allerdings die sprichwörtliche Quadratur des Kreises: An eigenständigen Gesellschaften mit separater Gewinn- und Verlustrechnung hält das Unternehmen weiterhin fest, gleichzeitig tritt es aber mit einer gemeinsamen, abgestimmten Account-Planung an die Kunden heran und bemüht sich die vielzitierte Regel "One face to the customer" zu befolgen.

Doch warum legt die NTT-Gruppe ihre verschiedenen Unternehmensbereiche nicht einfach in einem Unternehmen zusammen? Dieter Löwe, einer der Geschäftsführer von NTT Data in Deutschland, glaubt nicht, dass eine Integration mit der Brechstange dem "japanischen Prinzip" entspreche. Für die NTT-Gruppe gehe es darum, dass sich die Mitarbeiter in den einzelnen Gesellschaften "wohlfühlen und mitgenommen" werden. Zudem gebe es starke, gut eingeführte Marken im Verbund, auf die man nicht ohne Not verzichten wolle. Mit dem Konzept einer "Multi-Brand-Gruppe" fahre man gut, solange man sich dem Kunden als gut aufeinander abgestimmte Einheit präsentiere.

NTT-Forschungsergebnisse stecken in allen Produkten

Oliver Harmel, Country Manager bei NTT Communications, ist stolz auf den neuen, zu 100 Prozent Software-definierten WAN-Service.
Oliver Harmel, Country Manager bei NTT Communications, ist stolz auf den neuen, zu 100 Prozent Software-definierten WAN-Service.
Foto: NTT Europe

Oliver Harmel, Country Manager der NTT Communications, sieht ebenfalls die Zusammenarbeit der NTT-Gesellschaften untereinander als Schlüssel zum Erfolg, kann sich dabei aber eine noch intensivere Präsenz der gemeinsamen NTT-Marke gut vorstellen. Tatsächlich sei die Zusammenarbeit im Konzern aber schon intensiv: 1,8 Milliarden Dollar gebe das Unternehmen für Forschung und Entwicklung aus, in den Produkten der Gesellschaften stecke oft schon jetzt ein gemeinsamer NTT-Kern.

NTT baut also weiter an einem gemeinsamen Dach für alle Gesellschaften, geht dabei aber behutsam vor. Übergeordnetes Ziel ist es, der universale Begleiter der Kunden für die digitale Transformation zu werden. Im Sicherheitsbereich soll das mit vollständig integrierten Lösungen und Services gelingen, die den gesamten ITK-Bereich, aber auch den der Operational Technology (OT) abdecken. Wichtig ist dem Unternehmen dabei eine frühe Berücksichtigung von Sicherheitsthemen schon in der Konzeptionsphase von Digitalisierungsprojekten. Das Security-by-Design-Prinzip sei bei solchen Großprojekten der Schlüssel zum Erfolg, so Grunwitz. Wer hier später nachjustieren wolle, habe oft schon verloren.

Weltweites softwaredefiniertes Netzwerk im Betrieb

Eine Querschnittsfunktion im Konzern nimmt auch der Infrastrukturdienstleister NTT Communications ein, der neben seinem globalenTier-1-IP-Netz und den rund 140 Rechenzentren weltweit seit wenigen Tagen auch einen zu 100 Prozent Software-definierten WAN-Service (SD-WAN-Service) für mehr als 190 Länder bereitstellt. Das SD-WAN ist eine Komplettlösung, über die NTT Com eine breite Palette an Overlay-SD-WAN-Services sowie klassische Netzwerkleistung für Unternehmen anbietet. Der Hersteller gibt damit eine Antwort auf die Anforderung der Kunden, die ihre weltweiten Geschäftsaktivitäten mit eine hohen Umsetzungsgeschwindigkeit digital transformieren möchten.

Die SD-WAN-Plattform setzt auf eine Architektur auf, die auf weltweit 73 lokalen Cloud-Zentren verteilt ist, aus den Netzwerk-, Sicherheits- und Mobilitätsservices erbracht werden können. IT-Profis erhalten Netzwerkanalysen in Echtzeit, so verspricht NTT Com, und können so ihre Anwendungsleistung und Sicherheitsaspekte ständig im Auge behalten. Ein Schlüssel für dieses Angebot, so berichtet Deutschland-Chef Harmel, war die Übernahme von Virtela Technology Services, einem Anbieter von Managed- und Cloud-Netzwerk-Services, Anfang 2014. Damit sicherte sich das Unternehmen moderne Technologien für künftige Anforderungen rund um hybride MPLS- und Internet-Netzwerke und schuf die Voraussetzung dafür, dass den Kunden Hochgeschwindigkeitszugänge zu Cloud-Diensten angeboten werden können.