Das Jahr der Dinosaurier

14.09.1990

Sebastian Trauerwein, Information Resources Manager

Die Mainframe-Architektur der IBM ist gut ein Vierteljahrhundert all - eine Winzigkeit in einer DV-Zeit, in der sich ein Allerwelts-Betriebssystem wie Unix fast ebenso lange halten kann; von Cobol, um ein Beispiel aus der Programmiersprachen-Entwicklung zu nehmen, gar nicht zu reden. Nein, Hudelei in Sachen DV-Evolution war Mother Blue stets ein Greuel - die Kunden dankten es ihr. Zwar war es nicht immer leicht, der Versuchung zum Fremdgehen zu widerstehen - Univac, RCA, Honeywell, General Electric, Burroughs, Control Data, CII, Telefunken, Singer, Xerox und Philips hatten auch schöne Rechner-Töchter -, doch letztlich hat sich das Warten auf IBMs "Future Systems" (FS) gelohnt. Das Schöne ist nämlich, und darin sind sich die meisten blauen DV/Org.-Chefs einig: Sie kommen n i c h t, die FS-Maschinen, die mit der 360/370-Tradition brechen. Auch mit der neuen System/390-Architektur (sic summit!) soll alles beim alten bleiben - man lasse sich durch die für DV-Laien bestimmte Werbung nicht täuschen. "Bedeutendste Mainframe-Ankündigung seit der 360 vor 26 Jahren" - was heißt das schon? In den 80er Jahren kam die IBM auch ohne Technologie-Sprung (kein System/380!) glänzend über die Runden - den Suns und HPs müssen die Tränen kommen. Der Treueschwur der A nwender auf DOS/VSE hat Big Blue erneut eine technologische Verschnaufpause gebracht. Trauerwein wünscht viel Glück für die nächsten 25 Dinosaurierjahre!