Schenker-CIO Markus Sontheimer

Das Büro als Open Space

02.03.2021
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Schreibt und recherchiert Führungs- und Karrierethemen - in der Redaktion von CIO-Magazin und COMPUTERWOCHE. Ihre Schwerpunkte sind CIOs, IT-Karrieren und -Nachwuchs, Führung, New Work und Diversity.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Setzt sich für mehr Frauen in der IT ein.
Wie wir künftig zusammenarbeiten, welchen Stellenwert das Büro der Zukunft hat und was das für die virtuelle Kommunikation bedeutet, erklärt DB-Schenker-CIO Markus Sontheimer.
Markus Sontheimer, CIO bei DB Schenker: "Das Büro könnte ein 'Open Space' werden."
Markus Sontheimer, CIO bei DB Schenker: "Das Büro könnte ein 'Open Space' werden."
Foto: DB Schenker

Herr Sontheimer, wie sieht das "neue Normal" bei DB Schenker aus?

Markus Sontheimer: Die neue Norm ist agiles Arbeiten in integrierten Teams, unabhängig von inhaltlichen und administrativen Silos im Unternehmen. Die IT ist dabei in der Rolle des Enablers und fördert sowohl Arbeit als auch Unternehmensführung über Silogrenzen hinweg.

Was hat sich konkret in diesem Jahr verändert?

Markus Sontheimer: Unser remote IT-Arbeitsplatzkonzept hat spätestens seit diesem Jahr alle Kollegen restlos überzeugt. Viele Mitarbeiter wünschen sich daher sogar den Regel-Arbeitsplatz zukünftig nach Hause verlagern zu dürfen.

Was wird dann aus dem klassischen Büro im Unternehmen?

Markus Sontheimer: Der Fokus im Büro wird sich noch stärker in Richtung sozialer Interaktion verschieben. Das Büro könnte sich zu einer Art Open Space für Repräsentatives und Kreatives entwickeln.

Was bedeutet das für die virtuelle Zusammenarbeit?

Markus Sontheimer: Wir müssen unsere Kompetenzen in der virtuellen Kommunikation zunehmend professionalisieren und uns auch über diesen häufig eher rational genutzten Kanal stärker sozialisieren. In der Vergangenheit akzeptierte Grenzen des virtuellen Arbeitens müssen zu Gunsten von Team Building und People Leadership neu definiert werden.

Welche Erkenntnisse ziehen Sie insgesamt aus dem Corona-Jahr?

Markus Sontheimer: Die physischen Einschränkungen durch die Pandemie haben dem digitalen Wandel weltweit und auch bei Schenker einen Sprung verschafft. Es zeigt sich, dass unternehmerischer Erfolg sich kaum noch vom Grad der Digitalisierung eines Unternehmens entkoppeln lässt.

Was hat Sie enttäuscht?

Markus Sontheimer: Weniger enttäuschend, aber ein wenig schade ist sicherlich, dass viele der IT-Erfolgsgeschichten eng mit so einem negativen Ereignis, wie der weltweiten Corona Pandemie verknüpft sind. Als mitunter erschreckend würde ich die stark zugenommenen Cyber-Crime-Aktivitäten wie vor allem Phishing-Attacken seit Ausbruch der Pandemie bewerten.

Welche Entwicklungen sehen Sie in Ihrem Bereich für 2021?

Markus Sontheimer: Mit Blick auf 2021 sehe ich eine Fortführung des aktuellen Digitalisierungsschubs. So erwarten wir, dass die externe Nachfrage nach digitalen Frachtauftragsbuchungen sowie nach Ende-zu-Ende-Visibilität ihr Wachstum weiter steigern kann. Unternehmensintern gibt es zudem einen immer stärker werdenden Trend hin zu ganzheitlicher Automatisierung von Prozessketten (Hyper Automation) sowie der stetigen Implementierung von Intelligenz in IT-Lösungen (Artificial Intelligence). Durch beide Ansätze lassen sich erhebliche Effizienzen nicht nur innerhalb einzelner Geschäftseinheiten, sondern konzernweit heben.

In welche Themen möchten Sie künftig mehr investieren?

Markus Sontheimer: Eine stabile und sichere IT-Infrastruktur ist in meiner Rolle als CIO das Fundament, auf dem etablierte IT-Systeme und neue digitale Lösungen fußen. Vor dem Hintergrund signifikant steigender Cyber-Angriffe schon auf direkte Konkurrenten möchte ich durch zusätzliche Investitionen in Cyber-Sicherheit unsere Infrastruktur weiter in Richtung Zero Trust entwickeln. Mit steigender Nachfrage nach digitalen Lösungen gilt es zudem stetig mehr in die Qualität von Software Architektur und Code zu investieren. Dies ist der Schlüssel für reibungslosen Betrieb, effizienten Change und exzellente User Experience.

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