Die Finanzperspektive

Damit Digitalisierung im Mittelstand erfolgreich läuft

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Wenn das Geschäftsmodell und die Kompetenz der Führungsmannschaft stimmen, sollte es auch mit der Digitalisierung im Mittelstand funktionieren, ist der Deutschland-Chef der Investmentgesellschaft Gimv, Sven Oleownik, überzeugt.

CW: Was müssen Mittelständler tun, damit sie den Sprung erfolgreich ins digitale Zeitalter schaffen?

SVEN OLEOWNIK: Ich denke, alleine schaffen sie es wohl häufig nicht; denn diese Herausforderung ist in mehrfacher Hinsicht immens: Dabei sind die benötigten finanziellen Mittel eine große, aber noch nicht einmal die größte Herausforderung. Vielmehr brauchen sie Know-how, das sie nicht haben. Was sich zunächst wie eine Plattitüde anhört, wird bei genauerem Hinsehen erst in seiner vollen Dimension erfassbar. Denn dieses Know-how hat keine Anschlussfähigkeit an bisher Gelerntes und vor allem Praktiziertes. Insbesondere die Kombination aus bisherigem Erfolg, zum Teil erst diffusen, dafür aber umso mächtigeren Veränderungen und ein dafür völlig neues notwendiges Know-how führt zu einer massiven Bedrohung, Vorurteilen und einer "Wird-schon-nicht-so-schlimm-werden"-Einstellung mit entsprechenden Widerständen. Und hier kommt das Finanzierungsproblem dazu, sprich: hohe Investitionen, deren Risiken aufgrund mangelnden Know-hows weder richtig eingeschätzt noch gemanagt werden können.

Sven Oleownik, Deutschland-Chef von Gimv: "Die Digitalisierung greift in viele Prozesse ein und verändert unternehmerische, menschliche und gesellschaftliche Parameter."
Sven Oleownik, Deutschland-Chef von Gimv: "Die Digitalisierung greift in viele Prozesse ein und verändert unternehmerische, menschliche und gesellschaftliche Parameter."
Foto: Gimv

CW: Wie sollten diese Firmen dann am besten vorgehen?

Ihre Meinung ist gefragt!

SVEN OLEOWNIK: Schrittweise Klarheit und quasi Zutrauen verschaffen - vor allem Missverständnisse abbauen. Denn natürlich ist die Digitalisierung umfassender, greift in viele Prozesse ein, nicht zuletzt auch in unser soziales Verhalten, und verändert unternehmerische, menschliche und gesellschaftliche Parameter. Aber oft sind Missverständnisse die Hürde. So wird dann angenommen, Digitalisierung bedeute eine Reduktion des persönlichen Kontaktes. Doch das ist meist nicht der Fall - ganz im Gegenteil; oft verbessern sich die persönlichen Kontakte in einer Weise, wie es in der analogen Welt nicht möglich war. Ein gutes Beispiel dafür ist AirBnB: Hier hat der Kunde erst vielfältige Auswahl und dann einfachen Kontakt mit dem Vermieter vor Ort, der sich dann um alles persönlich kümmert und ein Erlebnis vermittelt, das begeistern kann.

Oft muss der Mut zur Umsetzung erhöht werden

CW: Welche Möglichkeiten sehen Sie, digitale Kompetenz in ein Unternehmen hinein zu bringen?

SVEN OLEOWNIK: Oft geht es darum, neben dem notwendigen Wissen, den Mut zur Umsetzung zu erhöhen. Falls das Unternehmen über diese Kompetenz intern nicht verfügt, denke ich hier vor allem an die Möglichkeit, kompetente Mitarbeiter von außen zu rekrutieren oder mit externen Dienstleistern zu arbeiten. Und dann sollte das Unternehmen nicht "am offenen Herzen" herumexperimentieren, sondern sichtbare Bereiche des Unternehmens aussuchen, die aber nicht überlebenskritisch sind. So kann man auch mit einzelnen Kundengruppen Neues testen, anpassen und dann etablieren. Wir setzen da auf Leuchtturmeffekte im Unternehmen, die dann die positive Basis für die weitere Entwicklung bilden. Sinnvoll kann es auch sein, gezielt weitere Unternehmen hinzu zu kaufen, die man dann so miteinander verbindet, dass Synergieeffekte erzielt werden können - nach dem Motto so nah wie nötig und gleichzeitig so selbständig wie möglich. Dies hat dann auch den Vorteil, dass sie von der bestehenden Organisation nicht mehr so leicht klein gehalten werden oder gar "zu killen" sind.

Die benötigten finanziellen Mittel zur Digitalisierung sind eine große, aber noch nicht einmal die größte Herausforderung. Vielmehr braucht es Know-how.
Die benötigten finanziellen Mittel zur Digitalisierung sind eine große, aber noch nicht einmal die größte Herausforderung. Vielmehr braucht es Know-how.
Foto: Sakonboon Sansri - shutterstock.com

CW: Wenn Sie sich an einem mittelständischen Unternehmen beteiligen, das die digitale Transformation noch nicht angestoßen hat, was sind Ihre ersten Maßnahmen?

SVEN OLEOWNIK: Wir schauen uns neben dem Geschäftsmodell vor allem das Management an, denn es sind immer Menschen, die ein Geschäftsmodell zum Erfolg führen - das heißt die Profile des CEO und des gesamten Managements sind für uns von großer Bedeutung. Und falls ein Unternehmen die digitale Transformation noch nicht vorangetrieben hat, dann prüfen wir die "mentale Offenheit" des CEO sowie der Führungsmannschaft für das Thema. Der CEO muss nicht über eine große Digital-Expertise verfügen, er muss jedoch offen für das Thema und die Bedeutung der Digitalisierung für das Geschäftsmodell sein - das kann auch einfach heißen, er sollte sein Unternehmen einschätzen können beziehungsweise bereit sein, sich dahin gehend beraten zu lassen und die Bereitschaft zu der eben beschriebenen Vorgehensweise haben. Solange wir von einem Geschäftsmodell und dem Führungsteam überzeugt sind und im Unternehmen Wachstumspotenzial erkennen, ist der Digitalisierungsgrad für den Einstieg nicht maßgebend.