Satire

CW-Wert

14.03.1997

Nathan Myhrvold will nicht sterben. Wie Microsofts Technologiechef gegenüber den Teilnehmern eines Kongresses in San Franzisko äußerte, hofft er, auch in 50 Jahren noch Vorträge halten zu können - als Software. "Menschen unterscheiden sich nur durch ein Viertelprozent ihrer genetischen Informationen", erläuterte er dem Auditorium. "Das, was Sie ausmacht, paßt auf eine Floppy-Disk."

Ach ja? Dann können wir uns die "Dolly"-Experimente künftig wohl schenken. Anstatt Gene zu klonen, kopieren wir einfach Programme. Gegen geringe Nutzungsgebühr bekommt jeder "Baywatch"-Fan seine Pamela Anderson, der Karlsruher SC zehnmal seinen Thomas Häßler und jedes Software-Unternehmen einen Bill Gates als CEO.

Die digitale Kopie hätte der Bio-Programmierung gegenüber einen entscheidenden Vorteil: Der Unsicherheitsfaktor Erfahrung fiele fort. Kein erschütterndes Erlebnis könnte den designierten Serien-Star zum Gang ins Kloster bewegen, kein Gameboy den zum Mittelfeld-Genie ausersehenen Zehnjährigen vom Bolzplatz fernhalten, keine wodurch auch immer ausgelöste Marotte Billy-Boy Nr. 2 bis n veranlassen, seine ehrgeizigen Pläne in der Porno-Industrie verwirklichen zu wollen. Vervielfältigt würde ja nicht der Bauplan, sondern der "fertige" Mensch.

Ein paar läppische Fragen bleiben offen. Die wichtigste: Wie umgehen wir die 20jährige Bauzeit für die Hardware? Okay, Bill Gates genügt uns notfalls auch als Software. Aber Pam und "Icke"?