Satire

CW-Wert

22.05.1998

Von einer großen Frauenzeitschrift nach der Qualität ihres Liebeslebens befragt, antworteten 35 Prozent der fest liierten Leserinnen mit "geht so", 42 Prozent mit "macht nichts" und der Rest mit "weiß nicht". Beim Thema "Hätten Sie gerne einen Liebhaber?" (früher: Fehltritt, ganz früher: Zeus) schied sich der Wahlkörper etwa hälftig in "Nein - wozu denn" und "Ja - ist doch eh wurscht".

Diese verhaltene Begeisterung hätte uns Männern aus der DV-Branche beinahe zu denken geben müssen, tritt bei uns doch nach verbreiteter Auffassung zur geschlechtsbedingten noch eine berufstypische Verhaltensstörung hinzu. Zum Glück haben wir aber wieder einmal etwas erfunden, auf das außer uns niemand gekommen wäre und das insofern unsere Unentbehrlichkeit demonstriert: die Software "Styling" zum "Umziehen ohne Ausziehen". Als "virtuelles Ankleidestudio" läuft sie schon in fünf Kaufhof-Filialen. Die Kundin tippt ihre Maße, Haar- und Augenfarbe sowie die Katalognummer des eventuell gewünschten Kleidungsstücks ein und sieht sich Sekunden später darin am Bildschirm. So kann sie in viel kürzerer Zeit viel mehr anprobieren. Das ist unser Geschenk an die Frauen.

Freilich müssen wir unser Herrschaftswissen gut hüten, damit dieser Triumph sich nicht selbst aufhebt. Daß Styling den Verkäufer ersetzt, könnte nämlich dazu verleiten, auf einfühlsame Berater in der bisherigen Form überhaupt verzichten zu wollen. Programmiererinnen sollen bereits daran arbeiten, alle unverzichtbaren Fähigkeiten des Mannes in Software zu gießen. Mit einem Speicherbedarf von 150 Bit wird gerechnet.