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Comroad-Skandal: Ehepaar Schnabel gesteht Bilanzmanipulationen

13.05.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - In der Affäre um gefälschte Bilanzen beim Münchner Telematik-Anbieter Comroad haben die beiden Hauptverdächtigten Geständnisse abgelegt. Presseberichten zufolge gab der Unternehmensgründer und Ex-Chef Bodo Schnabel zu, Rechnungen über nicht existierende Umsätze selbst verfasst zu haben. Ehefrau Ingrid Schnabel gestand, als Aufsichtsratsmitglied von den Manipulationen ihres Gatten gewusst zu haben. Die Ermittler versuchen nun, das Vermögen des Ehepaars sicher zu stellen. Nach Angaben des zuständigen Staatsanwalts Peter Noll wird dabei erwogen, einen so genannten Arrestbeschluss gegen Vermögenswerte zu richten, die auf das minderjährige Kind des Ehepaares übertragen worden seien. Insgesamt soll es sich um Werte in Millionenhöhe handeln.

Anfang April hatte eine Sonderprüfung bei Comroad ergeben, dass ein Großteil der Umsätze in den Jahren 1998 bis 2001 nur auf dem Papier bestanden. Die Hongkonger Firma VT Electronics, über die die Münchner rund 96 Prozent ihrer Einnahmen realisierten, existierte nicht. (Computerwoche online berichtete). Kurz zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Bodo Schnabel wegen Fluchtgefahr verhaftet und ein Ermittlungsverfahren wegen Kursbetrugs und Insider-Handels eingeleitet.

Nach Angaben eines Comroad-Sprechers wird sich die für den heutigen Montag anstehende Bekanntgabe der Zahlen für das erste Quartal verzögern, da nach wie vor ein testierter Abschluss für das vergangene Geschäftsjahr fehlt. Bereits vor drei Wochen wurde die Aktie vom Handel am Neuen Markt ausgeschlossen. (mb)