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Compaq-Kunden zeigen HP die kalte Schulter

14.12.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Immer wieder melden sich neue kritische Stimmen zu dem geplanten Merger von Hewlett-Packard (HP) und Compaq zu Wort. Am gestrigen Donnerstag hat die Investment-Gesellschaft UBS Warburg eine Studie veröffentlicht, wonach 90 Prozent von Compaqs Alpha-System-Anwendern nach der Fusion lieber auf andere Plattformen als auf HP-UX umsteigen würden. Die Finanzexperten befragten US-Unternehmen mit einer Mitarbeiterzahl von 35 bis 70.000 Personen aus dem Bildungs-, Finanz-, Medizin- und Technologiesektor sowie aus der öffentlichen Verwaltung.

Eine massive Abwanderung von Compaq-Kunden könnte den gemeinsamen Umsatz der fusionswilligen Konzerne gravierend beeinträchtigen. Im Geschäftsjahr 2000 erwirtschaftete Compaq mit seinen Alpha-Produkten und -Services rund 7,6 Milliarden Dollar oder 60 Prozent des Gesamtumsatzes. Bei einem Verlust der dieser Kunden, würden sich die durch den Merger erhofften Einsparungen von Compaq und HP nicht ergeben, befürchtet UBS Warburg.

Die Untersuchung förderte ferner zutage, dass 73 Prozent der Alpha-Kunden "generell zufrieden" mit Compaq waren, bevor die Fusion angekündigt wurde. Knapp 64 Prozent gaben als "sehr wahrscheinlich" an, weitere Server-Produkte von Compaq zu kaufen und das offenbar auch, nachdem Compaq Mitte dieses Jahres angekündigt hatte, 2003 seine Betriebssysteme von Alpha-RISC-Prozessoren auf Intels "Itanium"-Chips umzustellen (Computerwoche online berichtete).

Nach der Bekanntgabe des Mergers schätzten die Alpha-Kunden die Wahrscheinlichkeit geringer ein, künftig Produkte von HP/Compaq zu erwerben. Sie bezweifeln zum einen die Zukunft von Compaqs Tru64 Unix, zum anderen stehen sie HPs Enterprise-Produkten und -Services skeptisch gegenüber. 55 Prozent gaben an, die geplante Fusion werde keine Auswirkungen auf ihre Situation als Compaq-Kunden haben. Allerdings verlangte die Mehrheit weitere Details zu HPs Produkt-Roadmap.

Alpha-Kunden würden einem kombinierten Unternehmen vor allem dann die Treue halten, wenn die Compaq-Betriebssysteme Tru64 Unix und OpenVMS fortgeführt würden. Weitere Faktoren sind die Beibehaltung der bestehenden Compaq-Serviceleistungen sowie der Hardwarewartung.

Zwar hat Compaq wiederholt erklärt, man werde Tru64 Unix und OpenVMS weiterhin pflegen, aber das Thema Alpha-Hardware macht den Anwendern seit Monaten besondere Sorge. Eine Umfrage der Compaq-Benutzergruppe Decus hatte im Juli 2001 ergeben, dass 81 Prozent der befragten Mitglieder Compaqs Schritt in die Intel-Welt für bedenklich halten und ihn nicht nachvollziehen können. Sie befürchten das Ende der Alpha-basierten Betriebssysteme und beklagten den Verlust von Technologien (Computerwoche online berichtete). (ka)