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Compaq gibt Gewinnwarnung heraus

16.03.2001
In Anbetracht der gesenkten Prognosen für das erste Fiskalquartal will Compaq-Chef Michael Capellas sieben Prozent der Mitarbeiter entlassen. Zudem werden die Consumer- und Business-PC-Einheiten zusammengelegt.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Compaq muss dem konjunkturellen Einbruch Tribut zollen: Der texanische PC-Hersteller warnte am gestrigen Donnerstag davor, in seinem ersten Fiskalquartal unter den gesteckten Gewinn- und Umsatzzielen zu bleiben. Um Kosten zu sparen, müssen daher sieben Prozent der festangestellten Mitarbeiter ihren Hut nehmen. Zudem werden die Einheiten für Consumer-PCs und Business-Rechner zusammengelegt.

Aufgrund der schlingernden US-Wirtschaft und dem hohen Preisdruck vor allem auf dem Server-Markt rechnet Compaq im laufenden Quartal, das am 31. März endet, mit einem operativen Gewinn von nur noch 215 bis 250 Millionen Dollar. Zuvor war das Unternehmen von 375 Millionen Dollar ausgegangen. Damit wird der Computerspezialist auch unter dem Profit des vergleichbaren Vorjahreszeitraums bleiben (281 Millionen Dollar). Der Umsatz soll zwischen neun und 9,2 Milliarden Dollar betragen. Im ersten Fiskalquartal 2000 hatte Compaq noch 9,51 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Gerade im Bereich Server und PCs musste der Hersteller Einbußen hinnehmen. Laut Firmenchef Michael Capellas liegt der Umsatz mit PCs in Nordamerika derzeit um "gute zwölf Prozent" unterhalb der Einnahmen des Vorjahres.

Als Sparmaßnahme sollen daher 5000 feste Stellen und bis zu 15 Prozent der 24.500 Zeitarbeitsstellen gestrichen werden. Zudem wird die Business-PC-Sparte mit der Consumer-Computer-Einheit unter der Leitung von Senior Vice President Michael Larson verschmolzen. Der ehemalige Vice President der Corporate-Division, Michael Pocock, hat inzwischen das Unternehmen verlassen.

Die Restrukturierung wird voraussichtlich im ersten Fiskalquartal mit Ausgaben von 125 bis 150 Millionen Dollar zu Buche schlagen. Allerdings erwartet Compaq auch einen außergewöhnlichen Gewinn von 120 Millionen Dollar durch den Verkauf seiner Minderheitsbeteiligung an dem US-Internet-Dienstleister Road Runner. Die Neuausrichtung soll dem Konzern zwischen 500 und 600 Millionen Dollar an Kosten im Jahr sparen.

Compaq machte keine weiteren Angaben zu den Erwartungen für das gesamte Geschäftsjahr. Zuvor hatten die Texaner ein Umsatzwachstum von sechs bis acht Prozent auf 42,38 Milliarden Dollar angekündigt. Der operative Profit soll zwischen 20 und 25 Prozent auf über 98 Cent je Aktie steigen.

Unabhängig von diesen Hiobsbotschaften gab Compaq die Ernennung von Jeff Clarke zum neuen Chief Financial Officer (CFO) bekannt. Der 39-jährige Manager, der bislang Finanzchef der Vertriebsabteilung war, ersetzt in dieser Position Jesse Greene, der zum Senior Vice President für die strategische Planung berufen wurde.