Software & Tools?

Collaboration ist unterbewertet

Kommentar  05.07.2017
Thornton ist Autor von "The New Know: Innovation Powered by Analytics" und tritt darüber hinaus als Sprecher und Berater auf. Mehr Informationen über Thornton May finden Sie auf seiner Webseite thorntonamay.com.
Im Zeitalter der Vernetzung hängt Erfolg im Wesentlichen von Kollaboration ab. Und doch wird die Zusammenarbeit in vielen Unternehmen stiefmütterlich behandelt. Das muss sich ändern.

Collaboration sollte nicht bloß auf das Office beschränkt sein. Unsere Wirtschaft, unser politisches System - ja unsere gesamte Zivilisation - beruht auf Kollaboration. Wie wir uns ernähren, anziehen, bilden und amüsieren hängt von einer bemerkenswert komplexen - und überraschenderweise wenig beachteten - Kollaborationskette ab.

Collaboration ist Pflicht - nicht nur im Office.
Collaboration ist Pflicht - nicht nur im Office.
Foto: Rawpixel.com - shutterstock.com

In der heutigen Zeit kommt es so gut wie nicht mehr vor, dass ein Produkt nur auf einen einzelnen Akteur zurückzuführen ist. Die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten und die Technologien die diese nutzen, sind die Schlüsselfaktoren modernder Existenz. Unternehmerischer Erfolg ist in allen vertikalen Märkten stark abhängig von effektiver Zusammenarbeit - sowohl intern, als auch extern. Und doch wird Kollaboration in vielen Fällen weder gemessen noch gemanagt. Wenn die heutigen Collaboration-Tools irgendwann ihr volles Potenzial entfalten sollen, müssen Management-Teams in aller Welt ihre Kollaborationsketten verstehen lernen.

Collaboration als Key-Skill

So entscheidend Collaboration in der digitalisierten Welt für den Erfolg ist, so unsichtbar ist sie auch. Keines der systematisch produzierten Dokumente eines Unternehmens gibt Auskunft über den Grad der Kollaboration.

Auf dem Karriere-Portal LinkedIn geben circa 500 Millionen Fachkräfte ihre Skills und Erfolge preis - aber es gibt keine allgemein gültige Kennzahl, die über ihre Fähigkeiten in Sachen Kollaboration Auskunft gibt. Allerdings reift innerhalb unserer Skill-besessenen Weltwirtschaft die Erkenntnis heran, dass selbst sehr gefragte Spezialisten wie etwa Data Scientists oder IT-Security-Spezialisten nicht mehr ohne Collaboration-Skills auskommen. Jeder verdiente CISO wird bereitwillig eingestehen, dass die Fähigkeit, effektiv mit anderen (auch fachfremden) Abteilungen und Personen zusammenzuarbeiten, ein Skill von grundlegender Bedeutung ist. Auch in den Bereichen Big Data, Data Science oder Analytics wird Kollaboration großgeschrieben.

Wenn bislang klar wurde, dass etwas Wichtiges vernachlässigt wurde, hat ein Analyst oder Akademiker die Aufmerksamkeit des C-Levels durch Proklamation erlangt. Bislang blieb der Ruf nach einem Chief Collaboration Officer für alle modernen Unternehmen allerdings aus. Es wird sich zeigen, ob diese Rolle künftig in den Organigrammen der Firmen Einzug halten wird. Sicher ist jedoch, dass Collaboration zwei Dinge braucht: Analyse und Management.

Kollaboration ist messbar

Vor mehr als einem Vierteljahrhundert leistete Dr. Karen Stephenson wichtige Pionierarbeit, als sie die menschlichen Verknüpfungen in komplexen Organisationen anhand einer rigorosen, systematischen und sehr mathematisch geprägten Analyse darstellte. Von der Wissenschaft wird Stephenson als Pionier auf dem Feld der Analyse von sozialen Netzwerken gesehen. Die Wissenschaftlerin nutzte die Techniken der ‚social network analysis‘ nicht nur, um die Verteilung von Büroräumen nach Firmenübernahmen zu optimieren, sondern auch dazu, die Zusammensetzung von Produktentwicklungs-Teams zu analysieren. Darüber hinaus half sie auch den Geheimdiensten dabei, die Kollaborationskette zu verstehen, die Terror-Netzwerken zugrunde liegt. Ganz ähnliche Tools und Techniken sollten auch Entscheider in Unternehmen nutzen, um (oft versteckte) Collaboration-Champions innerhalb der Belegschaft identifizieren (und fördern) zu können.

Kollaboration entscheidet in hohem Maß, wie die Informationen in einem Unternehmen fließen - oder eben nicht. Überraschend ist, dass der Großteil der Unternehmen die Analyse der Kollaboration nicht oder nur schleppend in Angriff nimmt. Denn ein besseres Verständnis darüber, wie Collaboration den Informationsfluss beeinflusst, scheint ein sicherer Weg zu sein, schneller und öfter zu positiven Ergebnissen zu kommen und dabei kostspielige Fehler zu vermeiden.

Vertrauen als Schlüssel zur Zusammenarbeit

Die Kollaborations-Kapazitäten eines Unternehmens stehen auch stellvertretend dafür, welches Maß an Vertrauen ein Unternehmen "versprüht". Damit ist nicht nur das Vertrauen gemeint, das die Mitarbeiter dem eigenen Unternehmen entgegenbringen. Auch das Vertrauen der Firma zu den Mitarbeitern und das Trust-Level innerhalb der Belegschaft zählen dazu. Das wiederum wirkt sich auf die Performance aus: Es besteht eine positive Korrelation zwischen dem Level an Vertrauen innerhalb einer Organisation und der Fähigkeit ihrer Mitglieder, gemeinsames Knowhow zu erarbeiten - wie Karen Stephenson im Interview mit der "Strategy+Business" sagte. Die Wissenschaftlerin konnte nach eigener Aussage zudem beobachten, dass in Unternehmen mit hohem Collaboration-Level auch geringere interne Transaktionskosten entstehen.

Es könnte sich also durchaus lohnen, wenn Sie künftig das Collaboration-Level in Ihrem Unternehmen analysieren und offensiv managen. (fm)

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer US-Schwesterpublikation computerworld.com.