42 Heilbronn

Coding-Schule setzt auf selbstorganisiertes Lernen

27.04.2021
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Karriere und Management in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit über 20 Jahren. Langweilig? Nein, sie entdeckt immer neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und im eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisiert.
Statt in Vorlesungen und von Dozenten lernen die Studierenden der neuen Programmierschule 42 Heilbronn voneinander. Eröffnung ist am 14. Juni.
Thomas Bornheim arbeitete 14 Jahre für Google in Mountain View, Irland und Indien. Heute leitet er die Programmierschule 42 Heilbronn, die auf Peer-to-Peer-Lernen setzt.
Thomas Bornheim arbeitete 14 Jahre für Google in Mountain View, Irland und Indien. Heute leitet er die Programmierschule 42 Heilbronn, die auf Peer-to-Peer-Lernen setzt.
Foto: 42 Heilbronn

In "Per Anhalter durch die Galaxis" ist 42 die Antwort auf alles. Für die neue Programmierschule 42 Heilbronn weist der Bezug zu Douglas Adams' Kultroman darauf hin, dass man neue Wege beschreiten will. Wie schon in den Bildungseinrichtungen 42 Paris und 42 Madrid kommt man auch in Heilbronn ohne Lehrplan, Klassenverbände oder Dozenten aus. "Die Frage: Wie schaffe ich es technologisch auf dem neuesten Stand zu sein? steht im Mittelpunkt", sagt Geschäftsführer Thomas Bornheim. Die Studierenden lernen selbständig, finden sich in wechselnden Gruppen zusammen und lernen voneinander.

Gefördert wird die private Programmierschule von der Dieter-Schwarz-Stiftung. Die Schule ist kostenlos und nach einem Auswahlverfahren jedem zugänglich - unabhängig von Bildungsgrad, sozioökonomischem Hintergrund oder Zeugnissen. Die Studierenden lernen und arbeiten eigenständig auf dem Campus innerhalb einer gamifizierten Projektumgebung. Je nach Interesse können sie sich auf verschiedene Bereiche spezialisieren. Neben dem Fokus auf Coding stehen kritisches Denken, lösungsorientiertes Arbeiten und Teamfähigkeit im Mittelpunkt der Ausbildung.

Peer-to-Peer-Lernen

"Beim Peer-to-Peer-Lernen geht es nicht darum, ein bestimmtes Zertifikat oder unbedingt Level 21, die höchste Stufe, zu erreichen", so Bornheim weiter. "Jeder definiert das Lernziel für sich. Wir stimmen uns immer wieder mit Partnerunternehmen ab, um zu erfahren, welche Kenntnisse sie von den Studierenden erwarten." Einer dieser Partner ist die Porsche-Beratungstochter MHP.

Sarah Böning von MHP: "Das Lernkonzept verinnerlicht das Prinzip der Selbstorganisation, das viele von uns während der Pandemie nochmal mehr erlernt haben."
Sarah Böning von MHP: "Das Lernkonzept verinnerlicht das Prinzip der Selbstorganisation, das viele von uns während der Pandemie nochmal mehr erlernt haben."
Foto: MHP

Sarah Böning, Head of Talent Acquisition, spricht das Lernkonzept an: "Es verinnerlicht das Prinzip der Selbstorganisation, das viele von uns während der Pandemie nochmal mehr erlernt haben." Innovativ und spannend findet sie das Konzept auch, weil es nicht nur auf Selbstorganisation, sondern auch auf die Motivation der Studierenden und das Lernen in Teams setzt.

Auch dass die Praktikumsphase mit sechs Monate länger als oft üblich angesetzt ist, sei aus Unternehmens- wie auch Studierendensicht sehr hilfreich. In Bönings Augen ist es wichtig, sich als Arbeitgeber auch mal auf neue Wege und andere Lernformate der Zukunft einzulassen.

Vierwöchiges Auswahlverfahren "Piscine"

Stina Lützenkirchen, mittlerweile Werkstudentin beim französischen Energiekonzern Engie, ließ sich an der Ecole 24 in Paris auf dieses neue Lernen ein. Das vierwöchige Auswahlverfahren "Piscine", französisch für Schwimmbecken, empfand die 23jährige als Wegweiser: "Von Tag eins lernt man, sich die Lösung selbst zu suchen, sich mit anderen auszutauschen. Ich habe schnell ein Gefühl dafür bekommen, dass diese neue Art des Lernens genau das richtige für mich ist." Seitdem lernt sie Programmieren, Bildbearbeitung, Netzwerk-Administration, Grundlagen der künstlichen Intelligenz (KI) und Projektmanagement.

Stina Lützenkirchen ging nach Paris, um an der dortigen Ecole 42 auf neue Art und Weise programmieren zu lernen. Nun gibt es eine solche Schule mit 42 Heilbronn auch in Deutschland.
Stina Lützenkirchen ging nach Paris, um an der dortigen Ecole 42 auf neue Art und Weise programmieren zu lernen. Nun gibt es eine solche Schule mit 42 Heilbronn auch in Deutschland.
Foto: 42 Paris

Ihr sechsmonatiges Praktikum absolvierte sie bei Engie - so erfolgreich, dass sich ein Werkstudentenvertrag anschloß. Aktuell arbeitet Lützenkirchen vier Tage die Woche, einen Tag geht sie weiter zur Schule. Bei Engie wirkt sie an unterschiedlichen Projekten mit, baut eine interne Website auf und verwaltet einen Chatbot. "Hier den Überblick zu behalten und zu priorisieren, hatte ich bereits an der 42 gelernt", sagt Lützenkirchen.

Die neue Programmierschule 42 Heilbronn startet Mitte Juni in Präsenz. "Wir haben eine gute Lüftungsanlage", verspricht Geschäftsführer Thomas Bornheim.
Die neue Programmierschule 42 Heilbronn startet Mitte Juni in Präsenz. "Wir haben eine gute Lüftungsanlage", verspricht Geschäftsführer Thomas Bornheim.
Foto: 42 Heilbronn

Für die Coding-Schule 42 Heilbronn läuft gerade das Auswahlverfahren. Bornheim freut sich auf den 14. Juni: "Der Start wird in Präsenz sein, wir haben genug Platz, eine gute Lüftungsanlage und führen automatisch Temperaturtests beim Einlass durch. Für das Peer-to-Peer-Learning ist es wesentlich, dass sich die Leute persönlich begegnen, sich finden und eintakten können."

Die Anbindung an Heilbronn ist für Bornheim auch perspektivisch wichtig: "Wir überlegen auch, wie wir mit der Stadt Heilbronn interagieren können." Ein mögliches Projekt für die Zukunft könnte sein, einen Chatbot zu entwickeln, der den Bürgern online Fragen beantwortet und das Personal der Stadt damit entlastet.