Folgen der Schatten-IT

Cloud untergräbt IT-Kontrolle

25.11.2012
Von  und Dietmar  Wiedemann  
René Büst ist Research Director in Gartners Managed Business and Technology Services Team mit Hauptfokus auf Infrastructure Services & Digital Operations. Er analysiert Entwicklungen im Bereich Cloud Computing (Anbieter von Managed Cloud-Services und Public Cloud sowie Cloud-Strategien wie IaaS, PaaS und Multicloud), digitale Infrastrukturen und Managed Services sowie den Einfluss der digitalen Transformation auf die IT. Seit Mitte der 90er Jahre konzentriert sich Herr Büst auf den strategischen Einsatz der IT in Unternehmen und setzt sich mit deren Einfluss auf unsere Gesellschaft sowie disruptiven Technologien auseinander.
Cloud-Provider versprechen weniger Kosten und mehr Flexibilität. Unerwähnt bleiben die Nachteile: Die Cloud lässt die Schatten-IT sprießen.
Foto: Victor Zastolskiy, Fotolia.com

Den Reizen des Cloud Computing scheinen immer mehr Anwender zu erliegen. Eine aktuellen Online-Umfrage des Karlsruher Instituts für Informationswirtschaft und -management und der Proventa AG unter 226 IT-Spezialisten und -Entscheider hat eine überraschend hohe Akzeptanz von IaaS (Infrastructure as-a Service) ergeben: 58 Prozent Befragten wollen künftig die Cloud nutzen.

Für CIOs ist das nicht zwangsläufig eine gute Nachricht, denn Mitarbeiter in den Fachabteilungen benötigen nur eine Kreditkarte, um IT-Investitionen an der zentralen IT-Abteilung vorbei zu tätigen. Da die Anwendungen über einen Browser benutzt werden, kann es durchaus vorkommen, dass die IT-Organisation von den Cloud-Services nichts erfährt. Damit ist der Schatten-IT im Unternehmen Tür und Tor geöffnet.

Schatten-IT ist kein neues Problem

Allerdings ist das heimliche Nutzen von Hard- und Softwareressourcen kein neues Phänomen. Selten sind Firmenrechner gegen eigenmächtige Eingriffe durch Mitarbeiter geschützt. Typischerweise können sie über USB-Sticks, CDs und via Internet Software auf den Rechner installieren. In der Regel entsteht eine Schatten-IT jedoch nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus Verzweiflung und Unwissenheit aber auch aus Innovationsfreude der Mitarbeiter.

Sie werden selbst tätig, wenn die IT-Abteilung ihnen nicht die in ihren Augen erforderlichen Lösungen schnell und unbürokratisch bereitstellt. "Unsere IT-Abteilung ist zu unflexibel und wir müssen zu lange auf neue Ressourcen für ein Projekt warten", lautet eine typische Beschwerde. Der zentralen IT wird häufig vorgeworfen, sie sei nicht in der Lage, zügig eine Cloud-Computing-Infrastruktur etwa für Testumgebungen einzurichten, sie hinke den Anforderungen der Fachabteilungen technologisch hinterher.