Hybrid Cloud

Cloud-Erfolge fallen nicht vom Himmel

15.09.2020
Anzeige  Cloud Computing macht vieles günstiger und einfacher – so das Versprechen. Doch die Realität sieht häufig anders aus, wenn die zunehmende Komplexität viele Vorteile wieder zunichte macht. Wir wollten von CIOs namhafter Unternehmen wissen, wie sie damit umgehen und worauf bei Multi-Cloud-Umgebungen zu achten ist.

Mit Cloud Computing können viele IT-Dienste schnell und mit einem überschaubaren Aufwand an Zeit und Kosten eingeführt und auch relativ einfach gemanagt werden. Das sind die Hauptgründe, weshalb die Cloud sich weiterhin einer ungebrochenen Beliebtheit erfreut. Wer die Reise ins Cloud Computing startet, beginnt immer mit ganz kleinen Schritten. Schließlich wird kein CIO über Nacht seine gesamte IT komplett in eine Public Cloud verschieben. Folglich beginnt jeder Einstieg mit einer Hybrid Cloud. Das heißt, im eigenen IT-Bereich bleibt erstmal alles wie gehabt. Nur unkritische Bereiche werden in einer speziell ausgewählten Public-Cloud-Plattform ausgelagert.

Die Komplexität der Hybrid Cloud wurde von vielen Anwenderfirmen unterschätzt.
Die Komplexität der Hybrid Cloud wurde von vielen Anwenderfirmen unterschätzt.
Foto: whiteMocca - shutterstock.com

Letztere kann eine Entwicklungsplattform für Developer auf einer IaaS-Plattform sein oder die Nutzung eines SaaS-Angebotes direkt innerhalb einer Fachabteilung, beispielsweise für CRM oder HR. Dieses anfängliche Experimentieren wird dann schrittweise ausgebaut und so nimmt die Cloud-Nutzung weiter an Fahrt auf. Der Betrieb von Cloud-Infrastrukturen im eigenen Rechenzentrum plus externer Ressourcen der Public Cloud führt zu einer Konstellation, der laut IDC die Zukunft gehört. "Hybrid Cloud ist praktisch die Norm, über die heute sowohl die Fertigung, als auch die Kunden und Zulieferer angebunden sind", weiß Tobias Regenfuß, Leiter Cloud und Infrastruktur für DACH des Beratungshauses Accenture zu berichten.

Viele Projekte sind gescheitert

Doch die ursprünglich erhoffte einfache Administrierbarkeit kann bei einer Hybrid Cloud schnell ins Gegenteil verkehren. Denn da werden beispielsweise plötzlich Daten kopiert und nicht mehr zeitgleich auf dem aktuellen Stand gehalten. Auch werden häufig Anwendungen nicht nur hin und her geschoben, sondern dupliziert und nicht mehr einheitlich gepatcht.

Das kann dann schnell zu einem Chaos des gesamten IT-Betriebes führen, wie man bei Accenture weiß. "Viele IT-Abteilungen haben es nicht geschafft, die erhofften Vorzüge einer Hybrid Cloud zu erreichen, weil sie die damit verbundene Komplexität bei Weitem unterschätzt haben", lautet die niederschmetternde Erkenntnis von Regenfuß.

„Hybrid Cloud ist praktisch die Norm." - Tobias Regenfuß, Leiter Cloud und Infrastruktur für DACH, Accenture
„Hybrid Cloud ist praktisch die Norm." - Tobias Regenfuß, Leiter Cloud und Infrastruktur für DACH, Accenture
Foto: Accenture

Wie also gehen die erfolgreichen CIOs mit diesem Problem um? Wir haben uns umgehört und dabei eine breite Palette an Lösungswegen erfahren. Christian Grotowsky, CIO beim Handelsunternehmen Lekkerland, sieht beispielsweise ein methodisches Problem als eine der Ursachen für das Nichterreichen der Cloud-Ziele. "Das eine tun, ohne das andere zu lassen, ist bei der Cloud-Einführung ein Ausdruck mangelnder Konsequenz", lautet seine Analyse über den Parallelbetrieb beider Bereiche.

Strukturen und Mindset müssen stimmen

Besonders der Betrieb von Multi-Cloud-Umgebungen mit Services mehrerer Anbieter der Public Cloud stehe laut Grotowsky oft im Weg. "Auf den ersten Blick erscheint es attraktiv, individuelle Lösungen zu behalten und zusätzlich standardisierte Cloud-Lösungen zu betreiben. Doch die Folge davon ist, dass die Vorteile der Cloud nicht im vollen Umfang genutzt werden und die individuellen Lösungen durch eine zunehmende Komplexität alle Vorteile wieder zunichtemachen."

„Das eine tun, ohne das andere zu lassen, ist bei der Cloud-Einführung ein Ausdruck mangelnder Konsequenz." - Christian Grotowsky, CIO, Lekkerland
„Das eine tun, ohne das andere zu lassen, ist bei der Cloud-Einführung ein Ausdruck mangelnder Konsequenz." - Christian Grotowsky, CIO, Lekkerland
Foto: Lekkerland

Andere CIOs sehen das Problem weniger bei den Methoden oder den Technologien, sondern eher auf der strukturellen und der personellen Ebene. "Der wichtigste Schritt zur Vereinfachung einer Hybrid Cloud ist es, den IT-Mitarbeitern eine Chance zu geben, sich angemessen mit diesem Thema auseinanderzusetzen und gleichzeitig die Fachbereiche in alle Entscheidungen mit deren Kompetenz und Verantwortung einzubinden", lautet die Überzeugung von Frank Liptow, CIO bei der Jenoptik.

Gerd Niehage, CIO beim Pharmaunternehmen B. Braun Melsungen geht da noch einige Schritte weiter. "Wir wollen bei unseren Mitarbeiten eine Änderung des Mindsets erreichen. Ziel ist ein deutlich stärkeres Service-orientiertes Denken. Das geht dann einher mit dem Aufbrechen alter Hierarchien, denn nur so lässt sich die erforderliche Agilität über verschiedene Teams hinweg erreichen", gibt er als wichtigste CIO-Aufgabe an.

„Der wichtigste Schritt zur Vereinfachung einer Hybrid Cloud ist es, den IT-Mitarbeitern eine Chance zu geben, sich angemessen mit diesem Thema auseinanderzusetzen." - Frank Liptow, CIO, Jenoptik
„Der wichtigste Schritt zur Vereinfachung einer Hybrid Cloud ist es, den IT-Mitarbeitern eine Chance zu geben, sich angemessen mit diesem Thema auseinanderzusetzen." - Frank Liptow, CIO, Jenoptik
Foto: Jenoptik

Zurück in die Zukunft?

Trotz aller Bemühungen, die Komplexität in den Griff zu bekommen, scheinen einige CIOs bereits wieder auf dem Rückzug vor Multi-Cloud-Konstellationen zu sein. "Aktuell gibt es den Trend, sich wieder von Multi-Cloud-Umgebungen zu verabschieden, um die Komplexität zu reduzieren", lautet die Einschätzung von Peter Janze, Geschäftsführer und CIO digital@M. Janze hält es auch für einen Irrglauben, durch Multi-Cloud-Umgebungen einen Lock-in zu vermeiden. "Mit Multi-Cloud hat sich IT nur neue Abhängigkeiten zu mehreren Anbieten plus höhere Betreuungsaufwände eingefangen", sagt er über die Enttäuschung vieler CIOs.

„Aktuell gibt es den Trend, sich wieder von Multi-Cloud-Umgebungen zu verabschieden." - Gerd Niehage, CIO, B. Braun Melsungen
„Aktuell gibt es den Trend, sich wieder von Multi-Cloud-Umgebungen zu verabschieden." - Gerd Niehage, CIO, B. Braun Melsungen
Foto: B. Braun Melsungen AG

Doch bevor man sich zu einem derart radikalen Schritt zurück entschließt, sollte man vielleicht zunächst die Erfahrungen und Möglichkeiten von Cloud-erprobten Partnern ausloten, empfiehlt Tobias Regenfuß von Accenture. So hat sein Arbeitgeber beispielsweise auf seiner Cloud-Reise schon sehr früh auf HPE als erfahrenen Partner gesetzt. "HPEs Hybrid Cloud ist eine sofort einsetzbare und sehr elastische Plattform mit der selbst die kritischsten Anwendungen, wie SAP oder Oracle sofort nutzbar sind", sagt er über seine Vorgehensweise mit der er die Hybrid-Cloud-Komplexität gemeistert hat.

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