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Cisco erzielt Rekordgewinn

05.02.2003
Dank erfolgreicher Kostenkontrolle hat Cisco im zweiten Quartal den höchsten Profit der Firmengeschichte erzielt. CEO John Chambers befürchtet allerdings in Q3 weiter sinkende Einnahmen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Dass Firmen trotz Konjunkturflaute erfolgreich wirtschaften können, beweist eindrucksvoll Netzausrüster Cisco Systems, das gestern nach US-Börsenschluss für das zweite Quartal seines laufenden Geschäftsjahres einen trotz zwei Prozent Umsatzschwund 50 Prozent höheren Nettogewinn auswies. Die Prognose für das laufende Vierteljahr fiel allerdings weniger erfreulich aus. Die Kunden sein "zunehmend vorsichtig" bei der Anschaffung von Hightech-Gerät, warnte CEO (Chief Executive Officer) John Chambers.

John Chambers: "Die meisten unserer Kunden haben für 2003 in bezug auf IT und Personal konservativ budgetiert."
John Chambers: "Die meisten unserer Kunden haben für 2003 in bezug auf IT und Personal konservativ budgetiert."

Für sein am 25. Januar abgeschlossenes Q2 weist Cisco einen Nettogewinn von 991 Millionen Dollar oder 14 Cent pro Aktie aus im Vergleich zu 660 Millionen Dollar oder neun Cent je Anteilschein im Berichtszeitraum des Vorjahres. Der Nettoprofit sei der bislang höchste der 17-jährigen Unternehmensgeschichte, teilte Cisco mit. Der Quartalsumsatz ging hingegen im Jahresvergleich von 4,8 auf 4,7 Milliarden Dollar zurück. Dass der Profit höher ausfällt als zu Hochzeiten des Technik-Booms im Jahr 2000 verdankt das kalifornischen Unternehmen einer erheblichen Senkung seiner Ausgaben sowohl bei der Produktion als auch im operativen Bereich.

Dies beweist die Bruttomarge (Gewinn vor operativen Ausgaben), die von 57,6 Prozent vor einem Jahr und 69,3 Prozent im vorhergehenden dritten Quartal nochmals auf 70,4 Prozent wuchs. Analysten hatten hier einen Schwund vorhergesagt. CFO (Chief Financial Officer) Larry Carter erläuterte, hier habe Cisco unter anderem von sinkenden Komponentenpreisen profitiert. Seit Beginn des Abschwungs hat das Unternehmen laut "Wall Street Journal" seine operativen Kosten um rund zwei Milliarden Dollar pro Jahr gesenkt; im vergangenen Jahr wurden dazu unter anderem rund 2000 Arbeitsplätze abgebaut.

Chambers bezeichnete das zweite Quartal als "eines der besten unserer Geschichte, vor allem in Bereichen, die wir kontrollieren oder beeinflussen können". Dies gelte nicht zuletzt auch für das Auslandsgeschäft. Zum ersten Mal seit Jahren will die Firma ihre Ausgaben wieder selektiv erhöhen; unter anderem mit 150 Millionen Dollar für eine Marketing-Kampagne und Neueinstellungen in wahrscheinlichen Wachstumsbereichen.

Sorgen bereitet allerdings die Tatsache, dass Cisco zum vierten Mal binnen fünf Quartal weniger Aufträge als Auslieferungen verzeichnet. Chambers erklärte dazu, er sei hinsichtlich des Backlog "sehr zuversichtlich", wollte aber nicht zahlenmäßig ins Detail gehen. Vor allem im Januar hätten sich die Kunden mit Bestellungen deutlich zurückgehalten, sagte der Cisco-Chef; die Unternehmen seien bei der Beschaffung "noch konservativer" geworden als zuvor schon.

Das laufende dritte Quartal ist traditionell Ciscos schwächstes, und zusätzliche Sorgen macht sich Firmenchef Chambers um die "unvorhersehbare geopolitische Lage". Für das Vierteljahr rechnet der CEO nochmals mit bis zu drei Prozent weniger Umsatz als im abgeschlossenen zweiten Quartal. In diesem genererierte Cisco überigens satte 1,4 Milliarden Cash aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit. Das Geld floss in den Rückkauf eigener Aktien im Wert von rund 1,5 Milliarden Dollar, die Rückkäufe der vergangenen 18 Monate summieren sich bereits auf rund 4,4 Milliarden Dollar.

Die Barreserven und kurzfristigen Anlagen von Cisco summieren sich trotzdem auf über 21 Milliarden Dollar. Eine Dividende, wie sie Microsoft kürzlich beschlossen hatte, ist vorerst aber nicht geplant. Chambers sagte, für das Bare gebe es jede Menge Verwendungsmöglichkeiten wie weitere Aktienrückkäufe, Investionen und Übernahmen. Allerdings habe man keine "religiöse Position" in bezug auf Gewinnbeteiligung und werde auf die Aktionäre hören. Erst im vergangenen November hatten die Anleger einen Dividendenvorschlag abgelehnt.

Zum Fixing an der Nasdaq notierte die Cisco-Aktie gestern um 28 Cent leichter bei 13,20 Dollar. Im nachbörslichen Handel gab das Papier nochmals leicht um 13 Cent auf 13,07 Dollar nach. (tc)