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Cisco-Bericht: Niedriger Auftragsbestand, (legal) aufgeblähter Gewinn

19.09.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Netzwerkriese Cisco sorgt mit seinem kürzlich bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Bericht für das Ende Juli abgelaufene Geschäftsjahr für Gesprächsstoff an den Börsen. So meldete der Konzern, dass der Auftragsbestand in diesem Jahr um 30 Prozent zurückgegangen sei. Laut den SEC-Unterlagen hatte das Unternehmen zum 9. September Aufträge in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar in seinen Büchern. Im Vorjahr hatte die entsprechende Summe noch zwei Milliarden Dollar betragen. In die Berechnung gehen alle ausstehenden Aufträge ein, die in den kommenden 90 Tagen ausgeführt werden. Analysten bezweifeln nun, dass es dem Konzern gelingt, die prognostizierten Einnahmen von 4,9 Milliarden Dollar im laufenden ersten Geschäftsquartal (Ende: 31. Oktober) zu erreichen. Cisco-Controller Dennis Powell führte hingegen

die Differenz zum Vorjahr auf die Erfolge zurück, bestellte Produkte schneller auszuliefern. Außerdem hätte sein Unternehmen den SEC-Bericht eine Woche früher als im Vorjahr abgegeben. Im Schlussquartal des Vorjahres hatte der Konzern 4,83 Milliarden Dollar Umsatz erzielt.

Aus der Bilanz geht weiterhin hervor, dass der Ciscos Nettogewinn bei der Verbuchung von Aktienoptionen an Mitarbeiter um 80 Prozent niedriger liegen würde. Statt 1,89 Milliarden Dollar oder 25 Cent pro Aktie hätte der Konzern nur einen Profit von 373 Millionen Dollar oder fünf Cent je Anteil erzielt.

Bei diesen Zahlen wird klar, warum Cisco ein entschiedener Gegner der Forderung ist, Aktienoptionen in der Bilanz als Kosten aufzuführen. Kritiker monieren seit langem, dass die Gewinne mit Hilfe der Aktienoptionen künstlich aufgebläht würden. Bislang müssen diese nicht als Kosten in der Gewinn- und Verlustrechnung verbucht werden, es genügt, in einer Fußnote den entsprechenden Betrag anzugeben.

In den Unterlagen bürgten die Cisco-Vorstände John Chambers (CEO) und Larry Carter (CFO) außerdem erstmals eidesstattlich für die Korrektheit der Angaben. Neu ist weiterhin, dass Cisco neben Juniper, Ciena und Lucent nun auch Dell zu seinen Hauptkonkurrenten zählt. Der texanische Direktvertreiber hatte vor gut einem Jahr damit begonnen, Switches für kleine und mittelständische Unternehmen unter eigenem Namen anzubieten und drang damit in ein von Cisco beherrschtes Marktsegment ein (Computerwoche online berichtete). Anfang dieses Monats kündigte Cisco daraufhin nach fünf Jahren Distributionsvertrag berichtete). (mb)