Veränderte Rolle des CIO

CIOs brauchen keine Nachhilfe in Sachen Innovation

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Sie sehen sich als oberste Digitalisierer in ihren Unternehmen, wissen aber auch, dass sie in puncto Innovation stark gefordert sind. Der moderne Chief Information Officer (CIO) will Innovator, Kümmerer und Antreiber in seinem Unternehmen sein. Das zeigte sich in einer Roundtable-Diskussion in der Redaktion der Computerwoche, in der IT-Chefs über ihre Rolle in Zeiten der digitalen Transformation sprachen.

Gleich zehn IT-Verantwortliche stellten sich den Fragen der Redakteure von Computerwoche und CIO-Magazin. Es ging um die Großwetterlage in ihren Unternehmen - in erster Linie bezüglich der großen Themen Innovation und Digitalisierung.

Beim Roundtable mit zehn CIOs ging es in erster Linie um Innovation und Digitalisierung.
Beim Roundtable mit zehn CIOs ging es in erster Linie um Innovation und Digitalisierung.

CIO muss ein Chief Digital Leader sein

Hartmut Schaper, IT-Vorstand der GKL - Gemeinsamen Klassenlotterie der Länder, ließ keine Zweifel aufkommen, wer für die Zukunftsthemen zuständig ist und diese vorantreibt: "Ich sehe mich auch in der Verantwortung des Chief Digital Leader." Natürlich spüre man im Lotteriemarkt den Digitalisierungsdruck. Mit den Kollegen aus Marketing und den Vertriebspartnern werde die Digitalisierungs­strategie entworfen und weiterentwickelt, und weil das Thema so wichtig ist, sei es selbstverständlich im Vorstand angesiedelt.

Der digitale Chef, wie ihn Schaper sieht, müsse von der IT und vom Geschäft viel verstehen, "um wahrgenommen zu werden und Ideen entwickeln zu können". Er müsse "mindestens Co-Innovator" sein, sonst werde er "immer der alte Rechenzentrumsleiter bleiben". Seine Aufgabe bestehe darin, die Brücke zum Anwender zu schlagen, denn der verstehe mittlerweile oft sehr viel von der IT. Umgekehrt sollten die IT-Mitarbeiter die Anwendungen ebenso gut beherrschen und neben ihren Kernkompetenzen in der IT möglichst viel vom eigentlichen Geschäft verstehen.

IT macht FC Bayern innovativ

Ähnlich selbstbewusst interpretiert der CIO des Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München seine Rolle. Michael Fichtner sagte: "Unser Bereich ist die treibende Kraft, was die Themen Digitalisierung und Innovation betrifft." Das war offenbar nicht immer so: Vor drei Jahren habe man mit einer Schwachstellenanalyse begonnen; zuvor habe jeder Fachbereich nach einem Best-of-Breed-Ansatz die für seine Bedürfnisse optimale Lösung gesucht.

Die Folge: Die Fan-, also Kundendaten lagen in 52 unterschiedlichen Systemen. Heute nun, nach vielen Umbauphasen, "haben wir eine andere Wahrnehmung im Unternehmen, sprechen auf Augenhöhe mit den Fachbereichen", freut sich Fichtner und ergänzt: "Das war für uns ein großer Erfolg." Die fachlichen Innovationen kämen sehr wohl aus den Fachbereichen, wenn es dann aber etwa um die digitale Content-Ausspielung gehe, "sind wir die Treiber". Fichtners Mitarbeiter bringen die technologischen Möglichkeiten ein und sind ständig auf der Suche nach neuen Ideen, um auch kurzfristig Dinge zu bewegen, beispielsweise mit Prototypen.

Mit solchen praxisbezogenen Ansätzen gewinne die zentrale IT Akzeptanz in den Fachbereichen. Projekte würden als gemeinsames Vorhaben definiert und erhielten so die Genehmigung des Vorstands. Nebenbei lässt sich Fichtner zufolge so auch "das Problem der Schatten-IT in den Griff bekommen".

In puncto Innovation erinnerte der CIO des FC Bayern noch an eine spezielle Herausforderung: "Wir konkurrieren um ein knappes Gut, das ist die Freizeit unserer Fans." Da seien nicht die anderen Vereine die Wettbewerber, sondern Konzertveranstalter, Kinoketten und weitere Entertainment-Einrichtungen. Umso wichtiger sei es, dem technikaffinen Nachwuchs spannende digitale Angebote zu unterbreiten, angefangen beim kontextsensitiven Content über den Online-Shop bis hin zu WLAN im Stadion.

Mercedes AMG setzt auf Design Thinking und Digital Labs

Gefordert in Sachen Innovation ist auch die Automobilindustrie. Die ganze Branche ist - wie viele andere auch - im Umbruch begriffen. "Autos sind mittlerweile fahrbare Rechenzen­tren", sagte Reinhard Breyer, CIO der Daimler-Tochter Mercedes-AMG. Das heiße in der Konsequenz, dass sein Unternehmen vermehrt IT-Spezialisten einstelle, um die klassischen Ingenieurberufe zu ergänzen.

Um Innovationen in Gang zu setzen, sollte ein Unternehmen crossfunktionale Teams bilden - heißt: weg vom Silodenken. Wer heute noch denke "Das ist mein Projekt und das deines", sei auf dem falschen Dampfer. Am Ende gehe es um die Frage, ob ein Unternehmen die richtigen Produkte am Markt und auch sonst alles richtig gemacht hat.

Breyer berichtete von zwei Ansätzen, mit denen Mercedes-AMG Erfahrung gesammelt hat, und mit denen zurzeit auch in vielen anderen Unternehmen experimentiert wird: mit der Design-Thinking-Methode und mit Digital Labs. Design Thinking hielt schon vor über drei Jahren in der IT-Abteilung in Affalterbach Einzug. Seit es dann im letzten Jahr verstärkt um das Thema Digitalisierung ging, habe man fachübergreifend Design-Thinking-Workshops abgehalten.

Der Automobil-CIO schätzt an dieser Methode, dass alle gleichberechtigt mitdiskutieren - vom CEO über die Bereichsleiter bis zu den Experten aus den Fachbereichen. Und er mag die Geschwindigkeit, in der danach Projekte umgesetzt werden: "Zwei bis drei Monate nach dem Workshop lässt sich schon etwas vorzeigen." Das liegt vor allem daran, dass IT und Fachbereich eng zusammenarbeiten. Die Mercedes-Tochter ist in einer komfortablen Situation, geht es darum, innovative Ansätze und Technologien einzusetzen.