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"CIO": IT-Entscheider lehnen Microsofts neue Lizenzpolitik ab

05.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - "Das Fass ist übergelaufen": So kritisiert Andreas Resch, Geschäftsführer des europaweit tätigen Logistikunternehmens Fiege, die Lizenzpolitik von Microsoft. Danach müssen sich Unternehmen bis Ende Juli für oder gegen Software-Vertragsformen des den Weltmarkt beherrschenden Softwareanbieters entscheiden. Die Kernpunkte von "Volume Licensing 6.0": Mieten statt Kaufen und automatischer Wechsel auf neue Versionen. Die Kosten der Softwaremiete sollen künftig unter anderem davon abhängen, ob ein Unternehmen auch Microsoft-Konkurrenzprodukte einsetzt.

Wie eine aktuelle Umfrage unserer Schwesterpublikation "CIO" - die neue Ausgabe 7/8 erscheint am kommenden Montag - unter 236 CIOs ergab, lehnt die Mehrheit der Befragten das neue Lizenzierungsmodell ab. Auch wenn Wechsel auf neue Software-Versionen dadurch künftig teurer als bisher werden sollten, planen 59 Prozent der Unternehmen, bei den bisherigen Bedingungen zu bleiben. 86 Prozent der Befragten sind nämlich davon überzeugt, dass die Teilnahme am neuen Lizenzierungsmodell die Software-Kosten auf Dauer noch weiter aufwärts treiben wird.

Die Wut ist groß; Microsofts Druck auf die Kunden erzeugt Gegendruck. Achim Grögeder, IT-Director bei EWT Elektronik und Nachrichtentechnik, urteilt: "Microsoft will, dass die Kunden genau nach den Regeln des Unternehmens spielen." Und Thomas Portuné, CIO von BIC Graphic in Liederbach, ist überzeugt: "Tatsächlich geht es doch nicht um die Kunden, sondern darum, dass Microsoft den Umsatz besser planen kann."

Schmerzlich dürfte es Microsoft treffen, dass sich zahlreiche Großkunden den neuen Vertragsbedingungen verweigern wollen. Unter den Unternehmen mit einem IT-Budget zwischen einer Million und zehn Millionen Euro kündigten 42 Prozent an, bei Microsoft-Anwendungen niemals auf das neue Lizenzmodell umzusteigen. Ebenfalls 42 Prozent wollen bei Betriebssystemen nicht mitziehen und 36 Prozent zeigen sich bei Server-Software ablehnend. Bei Großkunden besteht offenbar die Tendenz, auf die eigene Bedeutung im Umgang mit Microsoft und auf Verhandlungsbereitschaft des Softwareriesen zu setzen.

Sollte die Entscheidung trotz allem für Microsofts Lizenzverträge fallen, liegt für viele CIOs der Grund nur in der fehlenden Alternative. "Wir haben einen Wechsel zu Linux geprüft", sagt Dieter Pfaff, Geschäftsführer RAG Informatik: Aber die Migration sei genau ein kleines bisschen teurer als die erhöhten Lizenzgebühren. Pfaff: "Ich habe das Gefühl, die Verantwortlichen bei Microsoft haben das vorher sehr genau durchgerechnet."

Unterdessen befassen sich IT-Entscheider zunehmend mit möglichen Alternativen zu Microsoft-Produkten. Bei EWT Elektronik ist esdas erklärte Ziel, "Microsoft von den Arbeitsplätzen wegzubringen". Und das Logistikunternehmen Fiege hat gut ein Dutzend europäische Standorte bereits mit Bürosoftware ausgerüstet, die nicht von Microsoft stammt. Deutschland-Geschäftsführer Resch will so erproben, wie abhängig man wirklich von Microsoft sei. Seine Prognose: "Wir sind es nicht".

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